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Rudolf Öller

Nobelpreise 2016: Chemie

Die Chemie hat keinen guten Ruf. Alles was „chemisch“ ist, wird gerne für giftig, zumindest für ungesund gehalten. Das ist unfair, denn alle Stoffwechselvorgänge in unserem Körper sind nichts als Chemie. Die Chemie ist die Lehre von den Veränderungen der Stoffe. So lernen es die Teenager in allen Schulen. Wenn Holz zu Asche verbrennt, so ist das Chemie.

Ungesunde und giftige Chemikalien gibt es auch in der Natur. Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) enthält verschiedene giftige Säuren, der grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) enthält Amatoxine, der Pantherpilz (Amanita pantherina) enthält die gleichen Substanzen wie der Fliegenpilz und der zu den Hahnenfußgewächsen zählende Eisenhut (Aconitum) enthält gefährliche Alkaloide. Alle aufgezählten natürlichen Arten kann man essen, aber nur einmal.

Chemie hat deshalb so einen schlechten Ruf, weil meist dann, wenn in einer Chemiefabrik ein Rohr oder ein Behälter undicht werden, irgendwelche schlimmen Dinge passieren, wie kürzlich bei BASF in Ludwigshafen. Dabei hat die moderne Chemie durchaus auch ihre guten Seiten. Ohne Chemie gäbe es keine lebensverlängernden Medikamente wie etwa Antibiotika, Virostatika, Blutverdünner, Betablocker und Glücksbringer, die Sildenafil enthalten. Ältere und noch rüstige Herren wissen, von welchem gefäßerweiternden Mittel hier die Rede ist.

Der Chemienobelpreis dieses Jahres ging an den Franzosen Jean-Pierre Sauvage, an den in den USA arbeitenden gebürtigen Briten Sir James Fraser Stoddard und an den Holländer Bernard Feringa. Sie wurden für „Design und Synthese molekularer Maschinen“ ausgezeichnet. Moleküldesign gibt es schon länger. Es geht dabei nicht nur um die Synthese neuer chemischer Verbindungen, sondern um das Modellieren von Molekülen auf dem Bildschirm mit anschließender Synthese. Die drei Nobelpreisträger sind einen Schritt weitergegangen und haben der Chemie, wahrscheinlich auch der Pharmazie, einen neuen Weg gewiesen. Sie haben Moleküle entwickelt, deren Bewegungen kontrollierbar sind. Sie haben die kleinsten Maschinen gebaut, die es überhaupt geben kann. Jedes Kinderhaar ist tausendmal dicker als diese Mikromotoren. Die Möglichkeiten sind noch gar nicht abschätzbar. So könnte man mit diesen Winzlingen beispielsweise künstliche Muskeln erzeugen. Ein Mitglied des Nobelpreiskomitees klang noch euphorischer: „Stellen Sie sich winzige Roboter vor, die Ärzte künftig in Ihre Venen spritzen, um nach einer Krebszelle zu suchen.“

Feringa verglich die Entdeckung mit der Erfindung der Gebrüder Wright, als er sinngemäß meinte, dass Molekülen jetzt das Fliegen beigebracht wurde. Wir müssen aus ihnen nur noch Jumbojets machen.

rudolf.oeller@vol.at
Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.

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