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Pflanzen, düngen, ernten: Ameisen als Gärtner

Die Ameisen auf den Fidschi-Inseln haben eine besondere Symbiose-Form entwickelt. Foto: APA

Die Ameisen auf den Fidschi-Inseln haben eine besondere Symbiose-Form entwickelt. Foto: APA

Das Verhalten der Tiere sei keine planerische Vernunft, sondern angeborenes Verhalten.

München. Bestimmte Ameisen säen und düngen Pflanzen, um später Nektar zu ernten und um in den knolligen Gewächsen zu wohnen. „Sie pflegen ihren Sämling. Sie tun dies, bevor sie einen Vorteil davon haben. Sie verhalten sich wie der Mensch, der Reis pflanzt oder Mais düngt, bevor er ihn erntet“, sagte die Biologin Susanne Renner von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Sie hat mit ihrem Doktoranden Guillaume Chomicki eine Studie zu dem Thema verfasst. Die Forscher fanden heraus, dass die auf den Fidschi-Inseln lebenden Ameisen Samen von sechs Arten von Kaffeegewächsen (Rubiaceae) in Baumrinde pflanzen. In Schichten bewachen Arbeiterinnen dann Tag und Nacht die jungen Pflanzen und düngen sie mit ihrem Kot und Urin. Über die landwirtschaftlich versierten Tiere der Art Philidris nagasau berichten die Wissenschafter in der Fachzeitschrift „Nature Plants“. „Das ist vorher noch nie gefunden worden, dass eine Ameise so hoch spezialisiert ihre zukünftige Wohnung und ihre zukünftigen Zuckerlieferanten wie ein Landwirt anbaut“, sagte Renner. Mit Intelligenz habe das Verhalten aber nichts zu tun, vielmehr sei es angeboren. „Es muss im Erbgut der Ameise verankert sein.“

Chemische Erkennung

Die Ameisen erkennen „ihre“ Samen – im Versuch ließen sie sich mit als Köder ausgelegten Reiskörnern und anderen Samen nicht hinters Licht führen. „Man vermutet eine chemische Erkennung, etwa einen Duft an der Oberfläche der Samen“, erklärte Renner. „Wenn junge Früchte da sind, sind die Ameisen ganz scharf darauf, sich die jungen Samen ihrer künftigen Hauspflanze zu holen.“

Von selbst komme so ein Samen nicht in die Rinde, erläuterte die Biologin. „Die Ameisen pflanzen ihre zukünftigen Häuser nur auf bestimmten Bäumen, die Rinde muss geeignet sein.“ Die Pflanze komme mit Hilfe der Ameise in die Krone bestimmter Urwaldriesen – und damit näher ans Licht. Quasi als Belohnung entwickeln die Kaffeegewächse Hohlräume, in denen die Ameisen ihre Larven heranziehen und in denen die Königin residiert.

„Ameisen sind dafür bekannt, dass sie mit anderen Arten sehr spannende und enge Beziehungen eingehen“, sagte die Evolutionsbiologin Susanne Foitzik von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Einige Ameisen lebten zum Beispiel in bestimmten Pflanzen, die sie vor Fraß und Konkurrenz schützen. Blattschneiderameisen in Südamerika wiederum bauten in ihren Nestern Pilze an und Schmetterlingsraupen gäben häufig ein süßes Sekret ab, um Ameisen zu füttern, die sie dafür beschützen.

„In Australien kommen sogar Ameisen vor, die Raupen abends auf die Bäume zum Fressen treiben und morgens wieder hinunter. Tagsüber bewachen sie sie dann
vor Fressfeinden“, erklärt Foitzik. Auch hierzulande gibt es „Viehzüchter“ unter den Ameisen: Sie pflegen Blattläuse, verteidigen sie gegen Marienkäfer – und melken sie.

Neu bei den Ameisen auf Fidschi ist: „Dass Ameisen aktiv Pflanzen anbauen, ist in der Form noch nicht bekannt gewesen“, sagte Foitzik. Manche Symbiosen wie die der Blattschneider hätten sich über 50 Millionen Jahre entwickelt, bei der Fidschi-Ameise und den Kaffeegewächs-Arten waren es geschätzt etwa drei Millionen Jahre. Die Pflanzen können sich inzwischen nur noch mit Hilfe der Ameisen ausbreiten. „Beide Seiten passen sich an, weil es für sie von Vorteil ist“, sagt Foitzik. „Es ist ein sehr spannendes Beispiel der Evolution.“

Die Ameisen pflanzen ihre zukünftigen Häuser nur auf bestimmten Bäumen, die Rinde muss geeignet sein.

Susanne Renner
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