Auch Raucher profitieren von Verbot

12.01.2015 • 19:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tanja von der Blumenegg Apotheke in Thüringen mit rezeptfreien Nikotinersatzprodukten.  Foto: VN/HB
Tanja von der Blumenegg Apotheke in Thüringen mit rezeptfreien Nikotinersatzprodukten. Foto: VN/HB

Laut Suchtexperten greifen selbst Raucher dann weniger oft zum Glimmstängel.

Schwarzach. Die Politik hat den umfänglichen Nichtraucherschutz entdeckt. „Zum Glück, wir Ärzte warten schon sehnsüchtig darauf“, nimmt Dr. Johanna Rohrer vom Suchtkrankenhaus Maria Ebene in Frastanz die neueste Entwicklung freudig zur Kenntnis. Untersuchungen zufolge profitieren von Rauchverboten nämlich auch die Raucher selbst. „Sie greifen deutlich weniger oft zur Zigarette“, sagt Rohrer. Heute Dienstag wird ein generelles Rauchverbot für die Gastronomie im Ministerrat diskutiert. Spätestens im Sommer soll die Regierungsvorlage dazu dann ins Parlament kommen, bestätigte eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser am Montag gegenüber den VN.

Sollte die Regierung rasch eine gemeinsame Lösung finden, kann sich der Vorarlberger Wirte-Sprecher Andrew Nussbaumer eine Umsetzung des Rauchverbots schon im Frühling 2016 vorstellen. In der warmen Jahreszeit könnten sich die Raucher leichter an die Umstellung gewöhnen, meint er. Wichtig sei allerdings, dass die Vorlaufzeit mindestens ein Jahr betrage. Schließlich müssten die Gastronomen betriebswirtschaftlich

wichtige Entscheidungen treffen, betonte Nussbaumer. Für Johanna Rohrer zählt, dass sich in dieser Sache endlich etwas bewegt. „Zehn Prozent der Lungenkrebsfälle treffen Passivraucher“, nennt die Suchtexpertin einen handfesten Grund, warum die Ärzteschaft seit Jahren auf ein strengeres Tabakgesetz pocht. Einen weiteren, nicht minder triftigen liefert Apothekenkammerpräsident Jürgen Rehak: „Mehr als die Hälfte aller Herzinfarkte ab 55 Jahren gehen auf das Konto der Nikotinsucht.“

Abgesehen vom Nichtraucherschutz geht es laut Rohrer auch darum, ausstiegswilligen Rauchern ein Angebot zur Verfügung zu stellen. Neben Maria Ebene engagieren sich die Apotheken mit Raucherberatungswochen. Die aktuellen laufen noch bis Ende des Monats. „Besonders vor und nach Neujahr ist der Andrang groß“, erzählt Rehak. Insgesamt kann er jedoch von einer verstärkten Nachfrage nach Informationen und Nikotinersatzprodukten berichten. Ebenfalls positiv überrascht vom großen Willen zur Nikotinabstinenz zeigt sich Johanna Rohrer. Im Rahmen des von der Gebietskrankenkasse unterstützten Projekts „Wieder frei atmen – auf dem Weg zum Nichtraucher“ fanden seit Mitte 2013 bis Ende 2014 bereits 445 Erstgespräche statt. Die Ärztin betont aber auch die Wichtigkeit einer Nachbetreuung. „Denn jede Sucht birgt eine Rückfallgefahr.“

Im Zusammenhang mit einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie hofft Wirte-Sprecher Andrew Nussbaumer, dass die Investitionen für die Umbauten in möglichst unbürokratischer Form abgegolten werden. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Gastronomen auf rund 100 Millionen Euro, wurde von der Wirtschaftskammer vorgerechnet. Die genauen Zahlen werden derzeit vom Finanzministerium erhoben.

Überlegungen

Ob die Tabaksteuer erhöht wird, um die geforderte Entschädigung der Gastwirte zu finanzieren, werde derzeit nicht diskutiert, hieß es aus dem Finanzressort. Von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser wird eine vorzeitige Abschreibung angedacht. Reinhold Mitterlehner sprach sich für Entschädigungszahlungen aus. Ebenso legten die Grünen ein Modell vor, das unter anderem Steuergutschriften vorsieht. Welche Entscheidung diesbezüglich getroffen wird, bleibt offen. Einer Lösung zur Umsetzung des verschärften Tabakgesetzes werde man aber nicht im Wege stehen, erklärte ein Sprecher von Finanzminister Hans Jörg Schelling auf VN-Anfrage.

Zehn Prozent der Lungenkrebsfälle treffen Passivraucher.

Johanna Rohrer
Mit dem Rauchen aufhören. Nahaufnahme einer ausgedämpften Zigarette
Mit dem Rauchen aufhören. Nahaufnahme einer ausgedämpften Zigarette