“Negative Effekte nicht nur durch Sanktionen”

Politik / 17.02.2015 • 22:49 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Niedriger Öl- und Gaspreis belaste Russland und seine Importbereitschaft, sagt Ökonom.

Wien. (VN-ebi) Seit Monaten versucht der Westen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt zum Einlenken zu bewegen. Anders als von der EU erhofft, brachten die gesetzten Sanktionen den Kremlchef aber nicht dazu, die Unterstützung für die Separatisten im Osten aufzugeben. Ende Juli wurden erstmals Wirtschaftssanktionen verhängt, die einer aktuellen Wifo-Studie zufolge auch in Österreich zu Arbeitsplatzverlusten und Exporteinbußen führen könnten. Kurzfristig 9000 bis im schlimmsten Fall 45.000 Jobs könnten gefährdet sein, die errechneten Wertschöpfungsverluste reichen von 0,6 bis 2,9 Milliarden Euro – die VN berichteten. Diese Modellberechnungen seien allerdings mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, hieß es seitens des Wifo. Zudem könnten Sanktionen nie isoliert von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden. Nicht alle negativen Effekte seien an den Sanktionen festzumachen, erklärt auch Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh. Die Exporte nach Russland seien 2013 und 2014 deutlich eingebrochen. Das sei in weitaus höherem Maße auf den niedrigen Öl- und Gaspreis zurückzuführen. „Die russische Wirtschaft leidet darunter, damit sinkt die Bereitschaft zu importieren beziehungsweise für die EU-Länder auch die Chance zu exportieren. Die Möglichkeiten der Politik, dies abzufedern, sind höchst eingeschränkt.“ Der wichtigste Weg, weitere Einbußen zu verhindern, sei es, eine diplomatische Lösung in der Ukraine-Frage zu forcieren, betont Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg. „Wenn die Sanktionen auf die eigene Wirtschaft zurückschlagen, ist es fast ein Schuss ins eigene Knie. Das ist im konkreten Fall zu befürchten“, sagt auch Schuh. Der Ökonom glaubt aber nicht, dass die Effekte großen Anlass zur Sorge geben sollten.

Die EU-Sanktionen könnten auch ein Schuss ins eigene Knie sein.

Ökonom Ulrich Schuh