Ein lautes Theater am Kornmarkt

Vorarlberg / 22.03.2015 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein kleines Grüppchen PEGIDA (links) gegen zahlreiche Gegendemonstranten. So sah es am Kornmarktplatz aus.  Fotos: VN/Steurer
Ein kleines Grüppchen PEGIDA (links) gegen zahlreiche Gegendemonstranten. So sah es am Kornmarktplatz aus. Fotos: VN/Steurer

PEGIDA-Kundgebung und Gegendemo in Bregenz. Polizei hatte alles im Griff.

Bregenz. (VN-hk) Bis kurz vor 13 Uhr war kaum auszumachen, dass vor dem Museum direkt neben dem Kornmarkttheater eine Veranstaltung stattfinden würde, die 650 Gegendemonstranten und 400 Polizisten mobilisieren würde. Da stand ein verlorenes Häufchen von knapp drei Dutzend Personen vor einem mit Transparenten dekorierten Podium. Vorarlberger entdeckte man in der Gruppe kaum. Viel mehr wurde deutsch, nämlich hochdeutsch, gesprochen.

Bis eine gewisse Sabrina aus dem Schwarzwald, die gegenüber den Medien ihren Familiennamen nicht preisgeben wollte, die Kundgebung der Bewegung „Patriotisches Europa gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (=PEGIDA) eröffnete, waren es dann knapp 100 Personen.

Hetzerische Rhetorik

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die 650 Gegendemonstraten, dominiert von Grünen- und SPÖ-Anhängern sowie migrantisch-stämmigen Personen, schon richtig warm gelaufen und heiß geschrien. Vom Seestadt-Parkplatz über die Seestraße, Schillerstraße, Belruptstraße, hinunter zur Dr.-Anton-Schneider-Straße war die Menschenmenge letztlich zum Kornmarktplatz gelangt, wo ein großes Polizeiaufgebot die beiden zahlenmäßig ungleichen Gruppen trennte. Bei der PEGIDA-Kundgebung redeten sich die Auftretenden regelrecht in Fahrt. Besonders der 50-jährige Journalist und PEGIDA-Mitbegründer Michael Stürzenberger kannte in seiner antiislamischen Rhetorik keine Grenzen. „Die Deppen haben‘s nicht kapiert, wie gefährlich der Islam ist“, schmetterte er seinen johlenden Anhängern entgegen. Der Islam sei wie ein gefährliches Krokodil, das man großziehe und das dann seine Fütterer fresse. Die reine Lehre des Islam sei das, was der IS im Irak und in Syrien praktiziere. Mohammed sei kein Prophet, sondern ein Antichrist.

Immer wieder richtete er hetzerische Suggestivfragen an sein Publikum, welches diese im gewünschten Sinne mit Ja oder Nein lautstark beantwortete. „Mich hat der 11. September 2001 verändert. Und auch der islamistische Bombenanschlag in Mumbai 2008, bei welchem mein Chef starb“, ließ sich der Anti-Islam-Aktivist gegenüber den VN entlocken. Auch der Schweizer Rechtspopulist Ignaz Bearth (30) und der oberösterreichische PEGIDA-Chef Markus Hametner (32) zogen in ihren Reden gegen den Islam und das herrschende politische System los.

Streit unter PEGIDA-Anhängern

Wenige Meter von der PEGIDA-Kundgebung entfernt, prasselte der Protest der PEGIDA-Gegner lautstark auf die Islam-Gegner nieder. Dabei griffen die Demonstranten neben dem Spruch „Nieder mit PEGIDA“ auch auf altbekannte Linksparolen wie „Hoch die internationale Solidarität“ oder „Gegen Faschismus, Kapital & Reaktion“ zurück. Kluge Maßnahme der Sicherheitsverantwortlichen: Die beiden Gruppen hatten während ihrer Auftritte praktisch keinen Sichtkontakt. Nur einmal verirrte sich ein Gegendemonstrant zu den PEGIDA-Anhängern und machte mit entsprechenden Gesten auf sich aufmerksam. Er wurde von Schützenberger daraufhin verhöhnt.

Bemerkenswert: Es kam unter den PEGIDA-Leuten zu Meinungsverschiedenheiten zwischen radikaleren Gruppen und weniger Radikalen. Letztere hatten sich über einige Inhalte der Transparente aufgeregt, was zu einem heftigen Wortwechsel führte.

Die Vorarlberger Mitorganisatorin der PEGIDA-Kundgebung, Susanne H., wurde von einem deutschen Gesinnungsgenossen gemaßregelt. Als sie mit den VN über die Veranstaltung sprach, riss der Mann sie weg. „Wir sagten, keine Presse“, herrschte er sie an und zog sie weg.

Viele der Gegendemonstranten waren jung.
Viele der Gegendemonstranten waren jung.
Zog gegen den Islam vom Leder: Michael Stürzenberger.
Zog gegen den Islam vom Leder: Michael Stürzenberger.

Stichwort

PEGIDA. Die Bewegung heißt im vollen Wortlaut Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Es gibt sie seit dem Oktober des Vorjahres, als in Dresden die erste Demonstration gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas stattfand. Seit dem19. Dezember ist die Bewegung unter dem Kürzel PEGIDA als Verein eingetragen. Länderverfassungsschutzbehörden weisen auf rechtsextreme Tendenzen von PEGIDA hin.

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