“Mi parolas Esperanton”

Vorarlberg / 24.07.2015 • 20:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sieglinde Stamm spricht seit 57 Jahren Esperanto. Foto: pes
Sieglinde Stamm spricht seit 57 Jahren Esperanto. Foto: pes

Esperanto wurde zwar nie Weltsprache, doch auch in Vorarlberg wird es noch gesprochen.

Dornbirn. Sie hat zahlreiche Sprecher auf allen Kontinenten und ist doch niemandes Muttersprache. Esperanto ist eine sogenannte Plansprache. Im 19. Jahrhundert entwarf der polnische Augenarzt Ludwig Zamenhof Esperanto mit dem Ziel, eine neutrale Weltsprache zu schaffen.

Diesen Status hat Esperanto zwar nie erreicht, eine große Zahl an Esperantisten pflegt die Idee jedoch bis heute. Am morgigen Sonntag, 26. Juli, dem internationalen Esperanto-Tag, treffen sich Tausende Sprecher im französischen Lille zum 100. Esperanto-Weltkongress. An 23 dieser Kongresse hat auch Sieglinde Stamm aus Dornbirn teilgenommen.

Stamm beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Kunstsprache. Bereits 1958 besuchte sie ihren ersten Esperanto-Kurs. Die Idee hatte die heute 74-Jährige von ihrem Vater. Der stammte aus Siebenbürgen und hatte so schon Kontakt mit der rumänischen, ungarischen und deutschen Sprache. „Er hat Esperanto innerhalb von zwei Wochen beherrscht“, erinnert sie sich.

Esperanto gilt als besonders leicht zu erlernen, sein Vokabular ist aus verschiedenen europäischen Sprachen entlehnt. „Die Grammatik kennt nur 16 Regeln, ohne Ausnahmen“, bestätigt Stamm. Über die Jahre hat sie zahlreiche Zeitschriften, Hefte und Bücher über die Sprache gesammelt. Einige davon sind richtige Schätze, wie ein kleines Heftchen namens „Esperanto-Schlüssel“ aus dem Jahr 1936. „Das nehme ich gerne auf Reisen mit“, sagt Sieglinde Stamm.

„Zamenhof war ein Idealist“

Und gereist ist die Dornbirnerin bereits viel. Ihr erster Kongress führte sie 1959 durch den Eisernen Vorhang in das Mutterland von Esperanto, Polen. „Vor allem aus dem Osten waren viele Menschen nach Warschau gekommen“, erinnert sie sich. „Der kulturelle Austausch fiel leicht – eine Sprachbarriere gab es schließlich nicht. Gerade die Völkerverständigung lag Esperanto-Schöpfer Zamenhof am Herzen, „er war vor allem anderen ein Idealist“, sagt Stamm.

Dass sich Esperanto nie als Weltsprache durchsetzte, hat für Stamm politische Gründe. „Die Weltpolitik hat es nie gefördert“, meint sie, so wird weltweit eben Englisch gesprochen. Die weltweite Esperantistengemeinschaft mag verhältnismäßig klein sein, aber sie ist der Sprache treu. In Österreich gibt es einen Verband, die Nationalbibliothek unterhält in Wien gar ein Esperanto-Museum.

Mehr als 200.000 Einträge weist die Internetseite Wikipedia auf Esperanto auf. Wer dort nach dem Begriff „Vorarlberg“ sucht, der erfährt: Vorarlbergo estas la plej okcidenta federacia lando en Aŭstrio – Vorarlberg ist das westlichste Bundesland in Österreich.