Wespen: Lebensrettende Kügelchen

21.08.2015 • 16:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Massive Wespenattacke wurde Hermann Anzenbacher (84) fast zum Verhängnis.

Dornbirn. (VN-mm) „Ich bin gegen Bienen, Wespen und Hornissen nicht allergisch“, sagt MR Dr. Hermann Anzenbacher (84) mit Bestimmtheit. Trotzdem wäre ihm ein Wespenangriff im vergangenen Herbst beinahe zum tödlichen Verhängnis geworden. Denn als der Spuk vorbei war, zählte der pensionierte Arzt am Kopf und an den Händen weit über hundert Einstiche. Medizinisch gesehen gelten schon fünfzig als lebensbedrohend. Gerettet haben ihn laut eigenen Aussagen drei Kügelchen des homöopathischen Mittels Acidum carbolicum C 30. „In weniger als einer Minute waren die akute Atemnot und die Kollapssymptome weg“, berichtet Anzenbacher, der gemeinsam mit seiner Frau Erika (81) als einer der Wegbereiter der Homöopathie im Land gilt.

Im Eingangsbereich des Wohnhauses steht ein massiver breiter Holzschrank. Erika Anzenbacher öffnet ihn, und zum Vorschein kommen drei Schubladen, in denen die Fläschchen mit den verschiedensten homöopathischen Mitteln dicht an dicht stehen. Ohne lange überlegen zu müssen, greift sie sich ein Fläschchen und hält es hoch. Acidum carbolicum steht auf dem Etikett. „Ich bin so froh, dass ich zu Hause war, als es passierte.“ Erika Anzenbacher weiß, warum. Jeder andere hätte sich wohl schwergetan, das Mittel so schnell zu finden.

Die Wespen aufgeweckt

Der Zwischenfall ereignete sich während der Gartenarbeit. Hermann Anzenbacher, der diese Tätigkeit trotz einer schweren Sehbehinderung selbstständig erledigt, wollte das Hochbeet für den Winter herrichten. Auf der Suche nach groben Holzteilen stieß er hinter dem Haus auf einen alten Hackstock. „Der gehört ins Hochbeet“, dachte sich Hermann Anzenbacher, löste den vermoderten Teil und damit, unwissend, die Decke eines Wespennestes. Was dem dort hausenden Schwarm gar nicht behagte. Eine Wolke aus Wespen stürzte sich auf den hilflosen Mann, attackierte Kopf, Gesicht und Hände. „Sie stachen, was sie konnten“, erinnert sich Hermann Anzenbacher. „Das Gesicht sah aus wie eine braune Kugel und die Hände glichen dicken Handschuhen“, ergänzt seine Frau.

Als Nachbarn sahen, was sich da abspielte, eilten sie Hermann Anzenbacher zu Hilfe. Dann hörte Erika Anzenbacher den Tumult und kam ebenfalls in den Garten gelaufen.

Zuerst versuchte sie, die wild gewordenen Wespen mit bloßen Händen wegzuscheuchen. Doch das misslang. Deshalb griff sich die Frau einen Strohbesen und kehrte ihren Mann buchstäblich frei. Der kämpfte bereits mit akuter Atemnot sowie Erstickungs- und Kollapssymptomen. „Ich merkte, wie meine Kräfte nachließen“, schildert Hermann

Anzen-

bacher

das dramatische Geschehen. Die Nachbarn wollten den Notarzt rufen, doch als Medizinerin wusste Erika Anzenbacher, dass der zu spät kommen würde. Sie tat, was sie im Notfall auch bei Patienten
getan hatte: Sie setzte Acidum carbolicum ein. „Eine einmalige sofortige Gabe reicht“, erklärt sie im VN-Gespräch.

Es wirkte wie erhofft und ihr Mann brauchte auch keine Spitalsbehandlung mehr. Die durch die zahllosen Stiche verursachten Schmerzen erwiesen sich zwar als höchst unangenehm, doch Hermann Anzenbacher lebte. Er wollte die Geschichte erzählen, weil es „mich freuen würde, wenn wenigstens ein paar Schulmediziner auf dieses einfache und günstige, aber wirkungsvolle Notfallmittel aufmerksam würden“.

Das Wespennest wurde schließlich von der Feuerwehr ausgeräumt.

Ich bin so froh, dass ich zu Hause war, als es passierte.

Erika Anzenbacher