Von Spagetti, Eintöpfen und Herrenhemden

30.12.2015 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kinder mögen Spagetti. Ob das Leben als Alleinerziehende deshalb einfacher und erstrebenswerter ist, bleibt allerdings dahingestellt. 
Kinder mögen Spagetti. Ob das Leben als Alleinerziehende deshalb einfacher und erstrebenswerter ist, bleibt allerdings dahingestellt. 

Der aktuelle Leitfaden für Alleinerziehende wartet mit einigen skurrilen Aussagen auf.

Schwarzach. (VN-mm) „So etwas darf doch wohl nicht wahr sein“, ärgert sich Hannes Hausbichler, Landesvorsitzender der Männerpartei und Trennungsvater. Was ihn dermaßen verständnislos zurücklässt, sind verschiedene Passagen, die im aktuellen Leitfaden für Alleinerziehende aufscheinen, der vom Land herausgegeben wird. So heißt es dort unter anderem, Alleinerziehende können Spagetti und Eintöpfe kochen, solange es ihnen und ihren Kindern schmeckt, und Frauen hätten keine Herrenhemden zu bügeln und demzufolge deutlich weniger Hausarbeit. Gehen diese Einträge bei Hausbichler noch als skurril durch, sieht er die Sorgen und Nöte von Scheidungs- bzw. Trennungskindern in diesem Leitfaden massiv bagatellisiert.

„Das ist albern“

Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker will sich die im Jänner 2015 aufgelegte Broschüre jetzt genau anschauen und auf verbesserungsfähige Inhalte abklopfen. Der Leitfaden für Alleinerziehende ist ein Kooperationsprojekt von Land, ÖGB und Arbeiterkammer. Was dessen Inhalt betrifft, hat sich Katharina Wiesflecker auf die Verfasserinnen verlassen. Freimütig räumt sie ein, nicht alles zu kennen, was drinnen steht. Das gilt auch für die Spagetti, Eintöpfe und das Bügeln von Herrenhemden. „Solche Anmerkungen sind albern“, kommt es spontan. Und: „Ein Leitfaden soll Qualität haben“, sagt sie eine Überarbeitung zu, wenn sich das als erforderlich herausstellt.

Rund zwölf Prozent der Vorarlberger Familien sind laut Statistik Austria Familien mit nur einem Elternteil. Naturgemäß sind die meisten Alleinerziehenden Frauen. Studien zufolge zählen sie zum armutsgefährdeten Personenkreis. Aber: „Die Situation Alleinerziehender hat unzweifelhaft auch Vorteile. Alleinerzieher können ihr Leben weitgehend selbst gestalten, es redet ihnen niemand drein, sie brauchen ihre Entscheidungen nur vor sich (und allenfalls vor den Kindern) zu rechtfertigen. Sie können Eintöpfe und Spagetti kochen, solange es ihnen und den Kindern schmeckt. Und sie brauchen an Hausarbeit nur erledigen, was sie selbst für notwendig erachten. Alleinerziehende haben daher, das gilt allerdings nur für Frauen, deutlich weniger Hausarbeit zu erledigen als Verheiratete, da sie keinen Mann zu versorgen und keinesfalls Herrenhemden zu bügeln haben. Der Zeitaufwand für Hausarbeit, das belegen einschlägige Erhebungen, reduziert sich durch Scheidung für Frauen um ein Drittel“, heißt es in der Broschüre. Hannes Hausbichler dazu: „Der Leitfaden macht Frauen die Trennung eher schmackhaft.“

Neuer Ratgeber gefordert

Noch mehr stört er sich jedoch an Aussagen wie „Scheidungskinder sind keine Problemkinder“ oder „sofern die psychischen und körperlichen Bedürfnisse des Kindes weiterhin ausreichend befriedigt werden und es die nötige Zuwendung erhält, wird es den Elternteil nicht vermissen“ oder „ein Kind leidet nicht zwangsläufig darunter, wenn es von einer Bezugsperson, zum Beispiel vom Vater, verlassen wird“. Für Hannes Hausbichler, der sich für Trennungsväter stark macht, sind solche Feststellungen, dazu noch in einer offiziellen Publikation, schlichtweg skandalös.

Für ihn steht fest: „Vorarlbergs Familien brauchen umgehend einen neuen Ratgeber. Partnerschaftliche Eltern sind besonders zu unterstützen, Trennungskindern und -eltern ist zu helfen, den verlässlichen Kontakt zueinander halten zu können. Zu diesem Zweck benötigen sie Information, Beistand und nötigenfalls Sanktionen.“

Ich werde mir den Leitfaden jetzt einmal genau anschauen.

Katharina Wiesflecker