Wenn Menschen das Lächeln verlernen

27.02.2018 • 16:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Impuls- und Austauschabend im Zäwas in Bludenz.

Bludenz „Risikofaktor Einsamkeit: wenn ein Gefühl krank macht“ lautete der Titel eines Vortrags von Pfarrcaritas-Leiterin Ingrid Böhler kürzlich im Zäwas in Bludenz. Denn immer mehr Menschen fühlen sich einsam und ausgeschlossen. Eine traurige Wirklichkeit in einer Zeit, in der alles immer schneller und perfekter sein muss.

„Soziale Kontakte zu anderen Menschen sind ein fundamentales Bedürfnis und entscheidend für das Wohlbefinden. Soziale Isolation hingegen macht nicht nur einsam, sondern auch krank“, so Ingrid Böhler. Im Rahmen des Impuls- und Austauschabends wurde klar, dass jeder oder jede von dem Gefühl der Einsamkeit betroffen sein kann. Denn nicht nur äußere Umstände wie Umzug, Tod eines geliebten Menschen, Scheidung oder Jobverlust können Menschen dazu bringen, sich zurückzuziehen, sondern auch innere Ursachen. „Geringes Selbstwertgefühl, übertriebene narzisstische Selbstliebe, das Gefühl nicht dazuzugehören oder Angst vor Ablehnung können nur einige der Gründe sein, um sich immer mehr abzukapseln“, weiß die Leiterin der Pfarrcaritas. Sie erzählt von einem älteren Herren, der gestürzt ist und nach kurzem Aufenthalt im Krankenhaus wieder entlassen wurde. Als ihm eine Sozialpatin zur Seite gestellt wurde, stellte diese fest, dass er völlig isoliert lebte und kaum mehr sprechen konnte, weil er so lange Zeit allein war. Die Sozialpatin betreut ihn heute noch und so langsam findet er wieder ins Leben zurück.

Dass Einsamkeit aber auch körperlich krank macht und tatsächlich zu Schmerzen führen kann, beweisen zahlreiche Studien. Geringere Belastbarkeit, ein geschwächtes Immunsystem oder Schlafstörungen sind nur einige der Symptome, die den Betroffenen schwächen und schließlich krank machen können. Doch nicht jedes Alleinsein macht krank, denn während die selbst erwählte Auszeit durchaus neue Perspektiven aufzeigen kann, führt aus dem ausgeprägten Gefühl der Einsamkeit nur selten ein Weg ohne professionelle Hilfe. „Wichtig ist das Erkennen des Problems und die Bereitschaft, dem Leben neu entgegenzutreten“, so Böhler. „Neue Kontakte knüpfen oder alte wiederaufleben lassen, sich und anderen etwas Gutes tun und aktiv werden hilft, aus dem eigenen Schneckenhaus wieder herauszukommen. Und vor allem ist es wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß.“

Jeden 1. und 3. Donnerstag im Montag bietet das Zäwas in Bludenz von 8.30 bis 11.30 Uhr einen Begegnungsraum ohne Konsumzwang. Am Donnerstag, 4. April, gibt es um 9.30 Uhr einen Impulsvortrag zum Thema „Jeder Mensch hat eine zweite Chance“ mit Pater Kofi.

„Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß.“