Hunde brauchen klare Regeln

19.03.2018 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ruth Hochstätter ist passionierte Hundetrainerin und zertifizierte Sachverständige für Hunde. Peter Weissböck
Ruth Hochstätter ist passionierte Hundetrainerin und zertifizierte Sachverständige für Hunde. Peter Weissböck

Ruth Hochstätter informiert über richtige Hundehaltung.

NÜZIDERS Tierliebe nimmt mitunter groteske Formen an. So auch in der Hundehaltung – manche Hunde werden grenzenlos verwöhnt, andere wiederum vernachlässigt. Doch wo liegt die Grenze? Dies ist eine der Fragen, die sich im Interview mit Ruth Hochstätter, gerichtlich beeidete Sachverständige für Hunde, ergibt.

 

Gibt es die ideale Hundeerziehung?

HOCHSTÄTTER Grundlegend wichtig in der Hundeerziehung finde ich, dass wir auf unseren Hund eingehen, Verantwortung übernehmen und schauen, ob das, was uns medial präsentiert wird, auch für uns tatsächlich stimmig ist. Dabei ist es wichtig, ein eigenes Bauchgefühl zu entwickeln, damit wir abwägen können, ob das, was gelehrt wird, auch wirklich für uns und unsere Hunde geeignet ist. So sollten wir uns Zeit nehmen, unsere Hunde beobachten, damit wir diese „lesen“ lernen. Der Hund sollte als Hund gesehen werden und in die Familie integriert werden. Eine gewisse Bodenständigkeit ist hierfür unbedingt erforderlich.

 

Was sollte in der Hundehaltung möglichst unterlassen werden?

HOCHSTÄTTER Viele Menschen haben den Anspruch, dass ihr Hund ein Kind- oder Partnerersatz sein muss. Diese Erwartung  können Hunde nicht erfüllen! Ein Hund will geführt werden, er braucht Grenzen und klare Regeln – wie unsere Kinder auch. Hunde heutzutage haben kein einfaches Los. Viele von ihnen werden bei uns zu vermenschlicht, vielfach verwöhnt oder gar nur als Accessoire gesehen, in anderen Ländern wiederum werden sie mitunter grob vernachlässigt.

 

Worauf sollte man bei der Anschaffung eines Hundes achten?

HOCHSTÄTTER Bei der Anschaffung eines Hundes muss ich mir im Klaren sein, dass ich diesen mindestens die nächsten zwölf Jahre zu betreuen habe. Ich brauche Zeit, viel Zeit – und dies nicht nur für seine Ausbildung. Zudem muss ich einiges im Alltag klären, wie beispielsweise Urlaub mit oder ohne Hund, finanzieller Aufwand und vieles mehr.

 

Wie werden Hunde sozialisiert?

HOCHSTÄTTER Die ersten zwei bis drei Jahre sind besonders wichtig, da der Hund verschiedene Entwicklungsstadien durchläuft. Die Sozialisierung findet von der Geburt bis etwa zur 14. Lebenswoche statt. Schlechte Erfahrungen oder reizarme Aufzucht können zu Problemen im späteren Leben führen. Aber auch Angst und Unsicherheit können daraus resultieren.

 

Was bedeutet „nachhaltiger Tierschutz“ für Sie?

HOCHSTÄTTER Nachhaltiger Tierschutz bedeutet für mich, das Problem an den Wurzeln zu packen und dort zu reagieren, wo das Problem auftritt. Durch gezielte Kastration wird viel Tierleid erst gar nicht geboren. Aus diesem Grund unterstütze ich auch das Projekt von Brigitte Vonier in Zypern. Ich finde es auch absolut unnötig, dass Tiere aus allen Herren Länder herangekarrt werden, solange unsere Tierheime oft noch überfüllt sind. Oft wird hierbei mit dem Mitleid der Menschen für diese armen Tiere Geld gemacht und dabei werden auch noch fragwürdige Organisationen unterstützt. BI

Zur Person

RUTH HOchSTÄTTER

Geboren 24. Dezember 1962

Familie in einer glücklichen Partnerschaft, zwei Kinder

Wohnort Nüziders

Laufbahn 1999 Ausbildung zur Hundetrainerin, in den darauffolgenden Jahren Hundeinstruktor bei Certodog und Ausbildung zur gerichtlich beeideten, zertifizierten Sachverständigen auf der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Prüfung beim OLG Innsbruck 2010

Hobbys Meine drei Labradore jagdlich führen, Schifahren, Lesen

Ruth Hochstätter bietet Vorträge, Seminare und Workshops zu verschiedenen Hunde-Themen an. Zudem leitet sie die Hundeschule „Hunde lieben“ (www. Hundelieben.at) in Nüziders.