Von tabuisierten Gewaltformen

01.05.2018 • 14:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ulrike Furtenbach sprach kürzlich in Nüziders zum Thema „Gewalt gegen ältere Menschen erkennen und benennen“. VN/Steurer
Ulrike Furtenbach sprach kürzlich in Nüziders zum Thema „Gewalt gegen ältere Menschen erkennen und benennen“. VN/Steurer

Vortrag zum Thema Gewalt gegen ältere Menschen in Nüziders.

Nüziders Kürzlich fand im Sozialzentrum Nüziders der Vortrag „Gewalt gegen ältere Menschen erkennen und benennen“ von Ulrike Furtenbach von der IfS Gewaltschutzstelle statt. Der spannende und gleichzeitig aufschlussreiche Vortrag fand im Rahmen von „Gesundheit im Gespräch“ des Sozialsprengels Raum Bludenz statt. Ein brisantes Thema, das leider viel zu oft mit einem Tabu behaftet ist und deshalb nicht benannt wird. Die Vorarlberger Nachrichten führten am Rande des Vortrags deshalb ein Gespräch mit Referentin Ulrike Furtenbach.

 

Wie erkennt man tatsächlich Gewalt gegen ältere Menschen? Welche Merkmale sind hierfür ein Hinweis?

FURTENBACH Gewalt geschieht selten in Gegenwart von anderen Menschen und wird deshalb oft nicht erkannt. Wenn jemand unerklärliche Verletzungen wie blaue Flecken oder Abschürfungen aufweist, sehr verängstigt ist, sich zurückzieht, unter Schlaflosigkeit leidet oder depressiv wirkt, könnte dies ein Hinweis auf Gewalt sein. Hegen Angehörige oder Pflege- und Betreuungspersonen den Verdacht, dass Gewalt angewendet wird, so ist eine genaue Abklärung wichtig.

 

Kommt es in Paarbeziehungen von älteren Menschen häufig zu Gewalt?

FURTENBACH Studien sprechen davon, dass zwischen einem und zehn Prozent aller älteren Menschen Opfer von Gewalt in der Familie werden. Über erlittene Gewalthandlungen zu sprechen, ist für Betroffene jedoch immer sehr schwierig und mit Scham verbunden, deshalb ist die Dunkelziffer in diesem Bereich sehr hoch.

 

Welche Formen der Gewalt gibt es?

FURTENBACH Gewaltformen, die in Partnerschaften auftreten, sind sehr vielfältig. Sie reichen von psychischer über körperliche und sexuelle Gewalt bis hin zu Vernachlässigung, wenn der Partner bzw. die Partnerin auf Hilfe angewiesen ist. In der Praxis liegen häufig gleichzeitig mehrere Formen von Gewalthandlungen vor.

 

Was sind die Gründe für Übergriffe? Spielt hierbei Überforderung eine Rolle?

FURTENBACH Meistens sind es mehrere Faktoren, die zu gewalttätigem Verhalten führen. Bestimmte Risikofaktoren wie beispielsweise soziale Isolation, Abhängigkeit, Eifersucht, Alkohol- oder Drogenmissbrauch verstärken das Gewaltrisiko. Wird ein Partner pflegebedürftig, kann die Belastung der Pflegenden zu Überforderung führen. Die Überbelastung kann zur Folge haben, dass es zu Gewalt kommt.

 

Gibt es Präventionsmöglichkeiten?

FURTENBACH Je früher Gewalt erkannt und benannt wird, umso besser kann an der Vermeidung von Gewalt gearbeitet werden. Die öffentliche Diskussion über häusliche Gewalt an älteren Menschen leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention.

 

Welche Hilfen gibt es?

FURTENBACH Hilfe erhalten Betroffene und Angehörige in der IfS Gewaltschutzstelle in Feldkirch und an den regionalen IfS Sozialberatungsstellen, die in Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Bludenz und Egg zu finden sind. Wir von der Gewaltschutzstelle informieren, beraten und begleiten Opfer von häuslicher Gewalt. Je nach Bedürfnis können diese bei uns einfach nur Informationen einholen oder über ihre Situation sprechen. BI

ifs Gewaltschutzstelle

Johannitergasse 6

6800 Feldkirch

Montag bis Freitag, 8 bis 13 Uhr

Montag und Donnerstag, 13 bis 16 Uhr

Tel.: 05 1755-535

E-Mail: gewaltschutzstelle@ifs.at

Mehr unter: www.ifs.at