Heimtückische Fallen für Haustiere

07.05.2018 • 16:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Tierärzteteam Mascha van Hooff und Wolfgang Studer kennt die Fallen, in die Haustiere geraten können, genau. BI
Das Tierärzteteam Mascha van Hooff und Wolfgang Studer kennt die Fallen, in die Haustiere geraten können, genau. BI

Das Tierärzteteam warnt vor Fallen im Umgang mit Haustieren.

Bludenz „Vielfach gibt es ganz einfache Vorsichtsmaßnahmen, mit deren Umsetzung Besitzer von Haustieren entsetzliches Tierleid verhindern könnten. Oft wissen die Leute einfach nicht Bescheid und wir werden dann in der Praxis mit ganz schrecklichen Fällen konfrontiert. Einige dieser Fallen, in die Haustiere geraten können, ereignen sich im Sommer nahezu täglich“, erklärt Wolfgang Studer vom Tierärzteteam in Bludenz.

Gekippte Fenster als Todesursache

Ein Problem, indbesondere in den Sommermonaten, sind Kippfenster in Häusern von Katzenhaltern. Wenn Katzen über ein gekipptes Fenster ins Freie gelangen wollen, können sie sich in der Öffnung verfangen. Sie sitzen dann wie in einer Falle fest und können sich nicht mehr bewegen. Die Blutversorgung wird in der Leiste abgeschnürt und ein qualvoller Todesprozess nimmt seinen Lauf. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Werden die gefangenen Katzen nicht mehr rechtzeitig gefunden, stirbt ihre Muskulatur bei lebendigem Leib ab. „Ein ganz fürchterlicher Tod, denn die Tiere erleiden dabei schrecklichste Schmerzen“, so der Experte. Die simple Lösung: Durch andere Formen des Lüftens können solche Katzenschicksale problemlos vermieden werden.

Ein weiteres Problem, ebenfalls im Sommer, ist für Katzen das Mähen der Wiesen. Katzen sind oft in Wiesen, um dort auf Mäusejagd zu gehen. Sie hören das Geräusch des Traktors, wollen sich verstecken und werden leider sehr oft vom Mähwerk, das seitlich des Traktors angebracht ist, erfasst. Meistens sind es die Hinterbeine der Tiere, die es dann erwischt. Wenn nur ein Bein amputiert werden muss, ist die Katze weiterhin lebensfähig, sind jedoch beide Beine weg, muss das Tier eingeschläfert werden. „Eine Vorsichtsmaßnahme wäre, bei schönstem Sommerwetter und wenn das Gras hoch steht, die Katzen drinnen zu lassen. Manche Bauern suchen vorab das Feld nach Rehkitzen ab und entdecken hierbei auch Katzen oder geben ihren Nachbarn Bescheid, dass sie am folgenden Tag mähen wollen – dadurch werden die Katzenbesitzer in der Umgebung gewarnt“, führt Mascha van Hooff aus.

Durchfall bei Kaninchen

Aber auch für Kaninchen bestehen oft unterschätzte Gefahren. Wenn diese im Frühjahr in die Wiese hinausgesetzt werden und zuvor noch kein Grünfutter zu fressen bekamen, leiden sie oft unter Durchfall. An heißen Sommertagen klebt dann der Kot an ihnen, Fliegen legen Eier in den Kot und es entstehen in kürzester Zeit Maden. Der Kot dient den Maden als Nahrung, ist dieser weg, dringen die Maden zuerst durch die Köperöffnungen und dann auch durch die Haut in den Körper des Kaninchens ein. Das Kaninchen wird im wahrsten Sinn des Wortes bei lebendigem Leib gefressen. „Die Besitzer kommen dann in die Praxis, weil es dem Kaninchen schlecht geht. Wenn wir das Tier dann umdrehen, wimmelt es bereits vor Tausenden von Maden. Eine einfache Prävention wäre das langsame Anfüttern der Kaninchen mit frischem Gras und auch das regelmäßige Saubermachen der Kaninchen – gerade an sehr heißen Tagen“, betont Tierarzt Wolfgang Studer.

Ein grundsätzliches Problem bestehe auch durch die Überpopulation bei Katzen. Es gebe immer mehr junge Katzen, die niemand haben wolle. Eigentlich herrsche ja Kastrationspflicht für Katzen in Vorarlberg, außer bei Zuchtkatzen, nur bleibe dies den Besitzern eigentlich selber überlassen. BI

„Einige der Fallen, in die Haustiere geraten können, ereignen sich im Sommer nahezu täglich.“

„Eine Vorsichtsmaßnahme wäre, die Katzen drinnen zu lassen, wenn das Gras hoch steht.“