Palmsonntag – ein Tag mit unterschiedlichem Gesicht

07.04.2017 • 15:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Diakon Werner Scheffknecht, Lustenau

Diakon Werner Scheffknecht, Lustenau

Denn zunächst erinnern wir uns in der gottesdienstlichen Feier an den Einzug Jesu in Jerusalem, als er von der Menschenmenge begeistert empfangen und in die Stadt hineinbegleitet wurde. Viele, die ihm so zugejubelt haben, mögen erhofft haben, dass er nun endlich seine Macht zeigen und die Römer aus dem Land hinaustreiben werde. Denn die Besatzung durch die Römer und damit der Verlust der Selbstständigkeit war das große Trauma der Juden. Vom Messias erwarteten sich daher viele die endgültige Befreiung und die Wiederaufrichtung des Reiches Davids.

Doch Jesus reitet nicht auf einem Schlachtross in Jerusalem ein, sondern auf einer Eselin.

Noch deutlicher hätte er seine Botschaft der Gewaltlosigkeit nicht unter Beweis stellen können. Wie sehr wünschten auch wir immer wieder, dass Gott seine Macht deutlicher durchsetzen würde, etwa, um die Kriegsparteien an den verschiedenen Orten in unserer Welt zum Frieden zu zwingen, aber auch, um alles andere Leid, auch das persönliche, hinwegzunehmen.

Doch Jesus ist nicht gekommen, um alle Last von uns zu nehmen, sondern sich selbst unter das Kreuz zu beugen.

So heißt es trefflich in einem urkirchlichen Hymnus: „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich selbst und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“ Voller Liebe hat er sich allen Menschen zugewandt, so dass sie einmal selbst bekennen mussten: „Er hat alles gut gemacht.“ Und doch war er gerade dadurch für die Mächtigen eine Gefahr, so dass sie meinten, ihn beseitigen zu müssen. Denn die Liebe wird von denen, die alles Tun auf Gewalt und die Durchsetzung von Macht über andere setzen, als ständige Anklage empfunden.

Und scheinbar hatten sie Erfolg, als er am Kreuz sein Leben aushauchte.

Und doch war seine Liebe stärker als der Tod. Er ist auferstanden und hat damit allen Menschen die Hoffnung geschenkt, dass alles Leid und selbst der Tod nicht alles sind in unserem Leben, sondern dass Gottes Liebe uns neues Leben in grenzenloser Fülle schenken kann und will.

Denn dazu ist der Sohn Gottes in die Welt gekommen und am Kreuz gestorben, um uns zu erlösen und uns zu zeigen, wie sehr Gott uns liebt, so dass er nicht zulassen kann, dass wir untergehn.

So ist die ganze Heilige Woche, in die wir mit dem Palmsonntag eintreten, geprägt von diesem doppelten Gesicht.

Auf der einen Seite denken wir natürlich an das Leiden und Sterben Jesu, in dem aber zugleich seine Liebe zu allen Menschen, selbst zu denen, die ihn verfolgt und ans Kreuz geschlagen haben, aufleuchtet und in seiner Auferstehung uns allen eine grenzenlose Hoffnung gegeben ist, dass unser Leben nur gut ausgehen kann, weil es in der unendlichen Liebe Gottes geborgen ist.

Das feiern wir in den kommenden Tagen voll Freude und Dankbarkeit.

Denn auch wenn in diesen Tagen das Leiden Jesu uns in besonderer Weise vor Augen geführt wird, dann leuchtet doch schon selbst in der Dunkelheit des Karfreitags das Osterlicht seiner und unserer Auferstehung als Frucht seiner Erlösungstat herein. So sind wir alle eingeladen, diese Tag in ganz besonderer Weise zu feiern. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm und durch ihn das ewigen Leben hat“, so bekennt Jesus selbst im Gespräch mit Nikodemus. Und in der Tat, die Liebe allein ist der Schlüssel zum Verständnis dieses ganzen Geschehens. Liebe erwartet allerdings Gegenliebe, um erkannt und voll entfaltet zu werden. So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ungetrübte Osterfreude aus der lebendigen Begegnung mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen.