„Ich bin dann mal weg . . .“

09.05.2018 • 16:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

So lautet der Titel des Buches, das im Jahr 2006 vom bekannten Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling auf den Markt gekommen ist. In diesem Buch beschreibt er seine Erlebnisse und Erfahrungen, die er auf dem Jakobsweg gemacht hat. Heute, am Fest Christi Himmelfahrt, wird uns in der Apostelgeschichte auch davon berichtet, dass Jesus „mal weg“ ist. Aber dieses „Mal-weg-Sein“ verbindet Jesus mit zwei ganz konkreten Aussagen, die uns und unser ganzes Leben betreffen.

Ich gehe hin, um euch einen Platz zu bereiten

Was heißt das nun konkret? Nun, Christen glauben daran, dass sie in einen „Lebensprozess“ mit hineingenommen sind, an dessen Ende nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern dass Gott das letzte Wort über den Menschen spricht. Stell Dir, liebe Leserin, lieber Leser, einmal vor, ein anderer Mensch müsste über Dich das „letzte Wort“ sprechen – oder Du müsstest „das letzte Wort“ über einen anderen Mitmenschen sprechen. Das könnte für beide Teile unter Umständen ziemlich haarig ausgehen. „Ist das dein letztes Wort?“ Diese Formulierung ist sicherlich, vor allem im Zusammenhang mit Negativerfahrungen des Lebens, bekannt. Im Unterschied zu uns Menschen ist das „letzte Wort“ Gottes nicht Hass, nicht Verdammnis, nicht Krieg, nicht Rache, nicht Tod, sondern Leben! Seit der Taufe hat der Christ diese Zusage Gottes in sich! Wage dein Leben, weil ich es mit dir lebe!

Du kannst gewiss ein, dass ich, der Gott des Lebens, auch am Ende deines irdischen Lebens, das Entscheidende für Dich mache! So viel wert bist Du mir schon! Ich nehme Dir die letzte Last, die letzte Sorge, die Frage nach dem „Was dann?“ ab! Du kannst sicher sein, ich bin Dir treu! Meine Zusage, die ich Dir in Deiner Taufe gegeben habe, wird niemals zurückgenommen! Der Christ, wenn er sein Christ-Sein richtig begriffen und verstanden und auch ein stückweit Verinnerlicht hat, ist in einen Lebensprozess mit hineingenommen, an dessen Ende nicht der Sarg oder die Urne steht, sondern das Leben. Wir leben, um zu sterben; wir sterben, um zu leben! Nicht, weil wir dies „machen“, sondern weil uns das geschenkt ist. „Alls muass ma afangs säll tua!“ Falsch! Alles, was Leben (auch über den Tod hinaus) ausmacht, Freundschaft, Liebe, Geborgenheit, Versöhnung, Friede, geglücktes Miteinander, ja, das Leben selbst, ist immer (manchmal unverdientes) Geschenk! Das will uns also das Fest „Christi Himmelfahrt“ verdeutlichen.

Ihr seid meine Zeugen dafür

Das ist die zweite Aussage! Der getaufte und gefirmte Christ als „lebendiger Zeuge“ dieser Lebenszusage Jesu? Ja! Wer sein Christsein als moralinsaures Leben versteht, hat gar nichts begriffen! Wer Gott nur als ausschließendes, moralisierendes, katalogisierendes Wesen versteht, geht an der Unheimlichkeit Gottes vorbei. Und so hat auch die Glaubensgemeinschaft der Christen, die Kirche (besser: die sogenannten christlichen Kirchen) ihren Auftrag zu verstehen: Nicht Ausschließlichkeitscharakter, sondern Großzügigkeit! „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!“ Christen, als Zeugen dieses lebensbejahenden Gottes, bauen niemals tödliche Strukturen auf.

Strukturen, die andere Menschen, hier und jetzt, vom Leben ausschließen. Eines der größten – im Moment – Ärgernisse innerhalb der Christenheit ist immer noch die die heftige Debatte, wer denn überhaupt würdig ist, zur Kommunion zu gehen! Ja bitteschön, Jesus Christus hat sich niemals, als er sich im Zeichen des Brotes und des Weines an die Seinen verschenkte, als Orden für tapferes und bravouröses Verhalten verstanden! Vielmehr: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich werde euch beim Leben helfen! Nur unter diesem Aspekt, dass Christen darum wissen, dass Jesus Christus ohne Wenn und Aber mit ihnen das Leben teilt, kann ein Christsein richtig gedeutet und verstanden werden.

Und dabei kommt eine Ahnung hoch, was dieses „Ihr seid meine Zeugen dafür“ in Wort und Tat ausrichten könnte! Ich schreibe hier bewusst „könnte“. Denn in einer Zeit, in der viele Getaufte und Gefirmte (aus welchen Gründen auch immer) zu satt geworden sind, sich niemals Gedanken über ihr eigenes Getauft- und Gefirmt-Sein gemacht haben, wird auch dieser heutige Feiertag, Christi Himmelfahrt, an ihnen spurlos vorbeigehen. Was soll’s? Gähn!

Roland Trentinaglia, Pfarrer inHohenweiler, Hörbranz und Möggers.
Roland Trentinaglia, Pfarrer in

Hohenweiler, Hörbranz und Möggers.