Familienpatenschaft ist ein Erfolgsprojekt

03.04.2017 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erich Härle (l.) ist Pate für die Familie Jouma.
Erich Härle (l.) ist Pate für die Familie Jouma.

Die Paten helfen bei Behördengängen, Spracherwerb und Alltagsproblemen.

lustenau. (lös) Gastfreundschaft wird bei der Familie Jouma wie bei allen syrischen Familien großgeschrieben, auch wenn man nicht viel hat. Vater Arif ist gelernter Koch, seit fast zwei Jahren ist er in Lustenau und hatte in Aleppo ein eigenes Restaurant mit dazugehörender Olivenplantage. Hier im Dorf kennt man den Kurden, seine Kochkünste und seine Familie. Er ist gut integriert, seine Kinder gehen zur Schule und sprechen nach erst einem Jahr in der neuen Heimat alle schon sehr gut Deutsch.

Doch aller Anfang war schwer, über den Verlust von Freunden der Familie und des Jobs half vor allem die Lustenauer Flüchtlingshilfe hinweg, das Netzwerk „Dô Sin“ und im Besonderen ein Mathematiklehrer mit sozialer Kompetenz. 

Helfen ist Sache des Herzens

Erich Härle hat das Ankommen, die Umstellung und das Heimweh erleichtert. Hamida und Adham, die Teenager der Familie, kennen und schätzen den Lehrer aus der Schule. Lernen können, das ist für die 16-jährige Tochter der Familie das Schönste in ihrem neuen Leben. In die Schule gehen zu dürfen, etwas, das für unsere Kinder selbstverständlich und manchmal lästig ist, nichts sehnlicher hatte sich Hamida in ihrer zerbombten Heimat gewünscht.

„Gebraucht wird bei jedem Besuch aber etwas anderes, und der Sprach­erwerb macht vieles leichter“, meint Erich. Am Anfang der Patenschaft konnte man sich noch nicht so gut unterhalten, jetzt wird aus den Behördengängen, der organisatorischen Hilfe und der Unterstützung langsam Freundschaft.

Ein Dank an Österreich

Arif kann die Härles jederzeit anrufen, wenn er sich irgendwo nicht auskennt, wenn er Probleme mit dem Amtsdeutsch hat oder Abläufe nicht versteht. „Das ist gut, ich fühle mich sicher mit Erich.“ Sicherheit hat für Familie Jouma eine ganz besondere Bedeutung. Adham kann hier endlich wieder eine ganze Nacht durchschlafen, obwohl es sehr lange gedauert hat, bis er die Bombennächte in Aleppo vergessen konnte. Mohamad hat vor allem die schrecklichen Besuche der IS oder der Soldaten Assads im Kopf, die mitten in der Nacht in der Wohnung standen, um den 19-Jährigen zu rekrutieren. Doch der Junge wollte kein Soldat sein, er wollte einfach nur als Spengler arbeiten und ist Österreich sehr dankbar dafür, dass er hier noch einmal in die Schule gehen kann, abseits von Krieg und Terror, bis er wieder einen Job findet.

Normalität lernen

Viele Gespräche sind es gewesen, die der Familie wieder ein Gefühl von normalem Alltag vermitteln konnten, einen Großteil davon hat Familie Jouma dabei Erich und Christel Härle zu verdanken. „Das ist nichts Großartiges, ich bin schon immer sozial engagiert gewesen“, sagt Erich bescheiden, „außerdem ist dieses Projekt auch nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen.“ Sich auf eine neue Kultur einlassen, sich auszutauschen und Neues kennenzulernen, das „hat einen ganz besonderen Reiz und hält fit“, so der 54-Jährige lachend. Außerdem machen Besuche bei den Joumas glücklich, nicht nur wegen der Herzlichkeit, sondern vor allem auch wegen der Einsicht, hier im Paradies zu leben und alles zu haben.

Weitere Paten willkommen

Familienpaten werden von der Flüchtlingskoordination der Gemeinde geschult, beraten und begleitet. Wenn auch Sie Interesse haben, eine Familie mit Bleiberecht in Lustenau im Alltag zu unterstützen und sich diese wichtige und sinnvolle Aufgabe für mindestens ein Jahr verbindlich vorstellen können, kontaktieren Sie Anya Fleischmann unter 8181-331 oder anya.fleischmann@lustenau.at.

Alia Jouma mit ihren Kindern Mohamad und Hamida und Familienpatin Christel Härle.  Foto: mg
Alia Jouma mit ihren Kindern Mohamad und Hamida und Familienpatin Christel Härle.  Foto: mg