Als das Feuer im Ebnit wütete

10.04.2017 • 16:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ebnit lockt heutzutage besonders im Frühjahr und Sommer mit zahlreichen Wandermöglichkeiten viele Tagesgäste an.  Foto: std
Das Ebnit lockt heutzutage besonders im Frühjahr und Sommer mit zahlreichen Wandermöglichkeiten viele Tagesgäste an. Foto: std

Eine Brandkatastrophe brachte das kleine Walserdorf auf 1000 Metern Seehöhe an den Rand des Ruins.

dornbirn. (ha) Vor fast genau 90 Jahren, genau am 30. Juni 1927, erlebte das kleine Walserdorf Ebnit oberhalb von Dornbirn seine bis dahin wohl schwärzeste Stunde: Innerhalb kurzer Zeit brannten die Kirche, die der heiligen Maria Magdalena geweiht ist, das Sägewerk, das Pfarrhaus und die Schule bis auf die Grundmauern nieder.

Kurzschluss in der Säge

Wie Chronist Eugen Peter schreibt, wurde das verheerende Feuer damals wohl durch einen Kurzschluss in der Säge ausgelöst. Rasend schnell griffen die Flammen unaufhaltsam auf das komplette kleine Ortszentrum über. Die aus Dornbirn, Hohenems, Lustenau und den Hämmerle-Fabriken angerückten Feuerwehren konnten nur noch das Übergreifen des Feuers auf Nachbarhäuser verhindern.

„Der Brand vernichtete nicht nur unschätzbare historische Werte, auch der rein materielle Schaden war so groß, dass die Ebniter – ohnehin durch den Straßenbau schwer verschuldet – für den Wiederaufbau nicht infrage kamen“, beschreibt der ehemalige Schuldirektor Eugen Peter die Lage im Dorf oberhalb von Dornbirn als äußerst kritisch.

Hilfe aus dem Tal

Für die Bewohner des Ebnit jedoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, auch weil sie auf Hilfe aus dem Tal hoffen konnten. Als Helfer in der Not erwies sich der damalige Landeshauptmann Dr. Otto Ender, der die Dornbirner und die Vorarlberger Bevölkerung zur großen Sammel­aktion aufrief.

Bereits im Spätherbst 1927 und im darauf folgenden schneearmen Winter räumten die Ebniter eigenhändig die Trümmer weg und schlägerten Bauholz für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Schon im Frühjahr 1928 wurde der Neubau der Kirche nach Plänen von Alfons Fritz in Angriff genommen.

Kirche wieder aufgebaut

Der Sommer 1929 stand dann ganz im Zeichen des Innenausbaus der Pfarrkirche, der im Dezember desselben Jahres abgeschlossen wurde. Zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe war das Werk vollendet. Zu Weihnachten nahmen die Ebniter ihre Kirche wieder in Besitz.

Die Chronik berichtet vom großen Tag: „Am Heiligen Abend um halb zwölf konnte Pfarrer Peter Längle unter freudiger Beteiligung der gesamten Dorfbevölkerung die Benediktion vornehmen und das Allerheiligste in feierlicher Prozession aus der Notkirche in die neue Kirche übertragen.“ 

Kunstwerke verbrannt

Auf immer verloren waren allerdings bedeutende Kunstwerke. Dem Feuer fielen unter anderem die drei Altäre samt kostbaren Altarbildern und die Kanzel zum Opfer. Retten konnte Pfarrer Peter Längle in letzter Minute wichtiges Inventar, wie etwa die Matrikenbücher, die Pfarrer-Spiegel-Chronik, den Graf-Kaspar-Kelch oder die jahrhundertealte Monstranz.

Ebnit als Ausflugsziel

Heute ist das Ebnit ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem bei der Dornbirner Bevölkerung. Sowohl im Winter als auch im Sommer gibt es in dem kleinen Bergdorf zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Zahlreiche Wanderwege führen von dem Luftkurort in alle möglichen Richtungen.

Die Ebniter Bevölkerung traf sich im Juni 1927 zum Gebet vor der Ruine der abgebrannten Pfarrkirche.  FOTO: STADTARCHIV DORNBIRN
Die Ebniter Bevölkerung traf sich im Juni 1927 zum Gebet vor der Ruine der abgebrannten Pfarrkirche. FOTO: STADTARCHIV DORNBIRN