„Die Dornbirner sind ein eigener Schlag“

20.04.2017 • 15:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Andrea Kaufmann (rechts) mit Weggefährtin Marie-Louise Hinterauer. Beide wurden 1995 als erste Frauen Stadträte in Dornbirn.
Andrea Kaufmann (rechts) mit Weggefährtin Marie-Louise Hinterauer. Beide wurden 1995 als erste Frauen Stadträte in Dornbirn.

Andrea Kaufmann im Interview zum Abschluss der VN-Bürgermeister-Serie.

Dornbirn. (abi) Als zwölftes Stadtoberhaupt seit der Erhebung zur Stadt im Jahre 1901 ist Andrea Kaufmann nun seit bald vier Jahren Bürgermeisterin der größten Stadt Vorarlbergs. Als Abschluss der Bürgermeister-Serie, in der die VN alle bisherigen Stadtoberhäupter der Messestadt vorstellten, steht Kaufmann nun im Interview Rede und Antwort.

Nach 112 Jahren in Männerhand, Dornbirn jetzt in strenger oder in fürsorglicher Frauenhand?

Kaufmann: Weder noch, zumindest nicht absolut. Fürsorglich dort, wo man es braucht. Vor allem in sozialen Bereichen, wo es darum geht, die Menschen zu verstehen. Aktuell natürlich bei den Diskussionen um Flüchtlinge. Und streng auch dort, wo es vonnöten ist. Bei einem Unternehmen mit 1800 Mitarbeitern muss Führung gelebt werden. Eine gute Struktur und klare Haltung, Entscheidungsfähigkeit und Verlässlichkeit sind bei mir sehr wichtige Aspekte. Und ja, ich habe die Position als erste Frau inne, doch ich denke, wir leben in einer Zeit, wo das nicht mehr zur Diskussion steht. Ein größerer Schritt war es, 1995 gemeinsam mit Marie Louise Hinterauer als erste Frauen in der Geschichte der Stadt in den Stadtrat gewählt zu werden.

Ist Bürgermeisterin Ihr Traumberuf?

Kaufmann: Ich bin jung in die Politik gekommen, an den Bürgermeistertitel habe ich damals aber nicht gedacht. Planung ist in der Politik ist nicht möglich, sie ständig im Wandel. So etwas geht Schritt für Schritt und muss sowohl persönlich als auch in die Lebenssituation passen. Und das war bei mir der Fall.

Ihr persönlicher Blick in die Zukunft: Bleiben Sie in der Politik?

Kaufmann: Veränderungen gehen in der Politik sehr schnell. Eine Zukunftsprognose ist da schwierig. Seit 2009 bin ich nun hauptberuflich in der Politik. Noch macht es Spaß, und so lange es noch etwas bringt, werde ich gerne bleiben. So lange ich mich noch mit voller Leidenschaft einbringen kann. Wenn das einmal nicht mehr der Fall sein sollte, werde ich mich aber auch nicht daran klammern.

Die Einwohnerzahl Dornbirns wächst stetig. Was, glauben Sie, ist der Grund?

Kaufmann: Die Stadt wächst stetig um 500 Einwohner pro Jahr. Das freut uns und wir haben den Luxus, noch genug Reserveflächen für Wohnbau zu haben. Das macht Zuzug möglich. Das Wachstum ist eine Folge von verschiedenen Faktoren: Die Stadt ist wirtschaftlich ein attraktiver Standort, und das fördern wir. Besonders im Wallenmahd und in Dornbirn-Nord siedeln sich viele tolle Betriebe an. Weiterhin setzen wir bei Themen wie Kinderbetreuung, Schulen, Sport und Freizeit einen Schwerpunkt. Wohnbauträger und Firmen engagieren sich in familienfreundlichem Wohnen und Gemeindewohnbau. Natürlich spielen auch viele weiche Faktoren eine wichtige Rolle.

Und für Sie persönlich, was macht Dornbirn aus?

Kaufmann: Dornbirns Bevölkerung ist ein eigener Schlag Menschen. Die Mischung von offen und pragmatisch in Kombination mit einer gewissen Urbanität finde ich toll. Dornbirn ist sehr international, 150 verschiedene Nationen leben in unserer Stadt. Tradition wird dort gelebt, wo es Sinn macht, und auch das Innovative hat seinen unbestrittenen Platz, das macht es unglaublich spannend. Die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt und deren Entwicklung wird in Dornbirn großgeschrieben: Bei dem „Learning Village“-Projekt gab es eine Beteiligung von 120 Bürgern, das ist wirklich nicht selbstverständlich.

Auf welches Projekt freuen Sie sich in diesem Jahr besonders?

Kaufmann: In diesem Jahr entstehen viele Möglichkeiten für die Stadt, vor allem in der Infrastruktur: Der Umbau der VS Haselstauden, die Bücherei, die Erneuerung der Fußgängerzone und natürlich das neue Messequartier. Wir setzen außerdem starke Akzente in der Prävention wie „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“. Inhaltlich liegt mir auch die Digitalisierungsoffensive am Herzen, ich bin nämlich ziemlich technikaffin. Start-up-Unternehmen soll ein optimales Umfeld geboten werden.

Was hat Sie durchs Leben bis hierher geführt? Fügung, Zufall oder Eigeninitiative?

Kaufmann: Ein Mischung aus Verschiedenem: Engagement mit Herz, Seele und viel Leidenschaft fällt eben auf. Gott sei Dank bin ich gesund und habe viel Energie. Es braucht eine positive Grundeinstellung, gesunden Humor und vor allem eine Familie, die voll dahintersteht. Das habe ich und das macht mir die Mitgestaltung der Stadt hoffentlich auch noch in den nächsten Jahren möglich.