Räuber entging nur knapp der Lynchjustiz

24.04.2017 • 18:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Wechselstube des Robert Rhomberg, in der bei einem Überfall im Jahr 1912 Schüsse fielen. Foto: Stadtarchiv
Die Wechselstube des Robert Rhomberg, in der bei einem Überfall im Jahr 1912 Schüsse fielen. Foto: Stadtarchiv

Bei Dornbirns erstem Banküberfall vor 105 Jahren wurde der Besitzer einer Wechselstube angeschossen.

Dornbirn. (ha) Man schrieb das Jahr 1912, als sich in der jungen Stadt Dornbirn der erste dokumentierte Banküberfall ereignete. Ort des Geschehens war die Wechselstube von Robert Rhomberg in der Bahnhofstraße 4.

Der angesehene Geschäftsmann betrieb im Erdgeschoß seines Wohnhauses eine Glas- und Porzellanhandlung sowie eine Wechselstube. Zwei Jahre nach deren Eröffnung musste Rhomberg feststellen, dass nicht nur ehrsame Bürgerinnen und Bürger seine Dienste in Anspruch nahmen. Wie Dornbirns Stadtarchivar Werner Matt im Band 20 der Serie „Dornbirner Schriften“ schreibt, wurde im noblen Bürgerhaus nahe dem Marktplatz ein bis dato noch nie dagewesenes neues Kapitel Dornbirner Kriminalgeschichte aufgeschlagen.

Drei Schüsse

Am 4. September 1912 betrat Alois Fromut die Wechselstube und gab vor, zwei Frankenstücke wechseln zu wollen. Kaum hatte sich Robert Rhomberg umgedreht, um den Geldschrank zu öffnen, feuerte der 27 Jahre alte arbeitslose Bäcker aus Böhmen aus einem Revolver drei Schüsse ab. Eine Kugel ging daneben, eine streifte den Geschäftsinhaber, die dritte traf ihn im Rücken.

Mit Einsatz des Säbels

Durch die Hilferufe des Angeschossenen alarmiert, eilten seine Gattin, Nachbarn und der in der Nähe befindliche Gendarmeriewachtmeister Josef Oberrauch zu Hilfe. Darauf nahm der Täter seine Beine unter den Arm und flüchtete in Richtung Rohrbach, verfolgt von Passanten und vom Gesetzeshüter auf dem Fahrrad. Als er versuchte, den Flüchtenden mit seinem Dienstfahrzeug zu rammen, bedrohte ihn dieser mit der Pistole. Der mutige Gendarm zog daraufhin seinen Säbel und hieb, unterstützt von seinen inzwischen angerückten Kollegen, auf den Missetäter ein. Dieser gab schließlich auf, nicht ohne vorher noch einen Schuss in die Luft abzufeuern.

Lynchjustiz entkommen

In der Chronik des Gendarmeriepostens Dornbirn ist der Fall dokumentiert. Dort ist nachzulesen, dass der verhinderte Bankräuber nur knapp der Lynchjustiz durch aufgebrachte Dornbirner entkommen war: „Die Bevölkerung musste mit allen Mitteln beschwichtigt werden.“ Alois Fromut konnte schließlich froh sein, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Er wurde später vom Geschworenengericht in Feldkirch wegen versuchten Raubmordes zu vier Jahren Kerker verurteilt.