Ein Haus und seine 400-jährige Historie

09.05.2017 • 16:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heute erinnert kaum noch etwas an das einst stilvolle Erscheinungsbild des Hauses. Foto: bet
Heute erinnert kaum noch etwas an das einst stilvolle Erscheinungsbild des Hauses. Foto: bet

Die Wurzeln des Jahreis-Hauses reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Hohenems. (VN-bet) Verblasste Wand-Inschriften, angejahrte Schmuck-Symbole, ungewöhnliche Details an den Fensterfronten: Manche Gebäude geben auf den ersten Blick Hinweise auf Geheimnisse, die sich in ihren Mauern verbergen. Andere bleiben rätselhaft oder tarnen sich als völlig unscheinbar. So etwa das Jahreis-Haus.

Um dem Flecken Ems einen wirtschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen, erließ Graf Kaspar am 21. März 1605 ein Edikt, mit dem Handel und Handwerk gefördert werden sollten. In der eigens dafür geschaffenen „Dompropsteigasse“ ließen sich tatsächlich Zuwanderer aus allen Himmelsrichtungen nieder, weil die Untertanenbedingungen durchaus attraktiv waren. Diese Gasse hatte seit ihrem Bestehen mehrere Benennungen, vor rund hundert Jahren erhielt sie den Namen Marktstraße. 

Anfänge des Hauses

Betrachtet man im Gemälde „Kulturlandschaft 1610“ die Marktstraße genauer, findet sich rechtsseitig der Straße als letztes ein recht imposantes Gebäude, bei dem es sich um das spätere Haus Nummer 38 handeln könnte. Wann das Haus Marktstraße 40 angebaut wurde, konnte bisher nicht eruiert werden, da sich im Stadtarchiv keine diesbezüglichen Baupläne finden lassen. Der für Hohenems sehr verdienstvolle Rabbiner Aron Tänzer veröffentlichte eine Übersicht über die 38 Häuser, die im Jahr 1777 in der Christen- und Judengasse einem Großbrand zum Opfer fielen. Darin scheinen an der in Rede stehenden Stelle respektable Gebäude auf. Die Namen ihrer Besitzer nennt er nicht.

Der erste namentlich überlieferte Eigentümer war der Gerbermeister Joseph Anton Amann. Sein Sohn Jakob Amann, von Beruf ebenfalls Gerber, verkaufte das obere Haus 1838 an den Bankier Emanuel Brettauer. Dieser begründete mit seinen Brüdern Leopold und Jonas die Firma „Ludwig Brettauer sel. Erben“, die einen bedeutenden Lederhandel aufwies und gleichzeitig auch Bank- und Handelsgeschäfte betrieb. 1857 wohnten zwei Familien mit 18 Mitgliedern und sieben Dienstboten in diesem Haus.

Der erste nachgewiesene Besitzer des Hauses Nr. 40 war 1850 der Wundarzt Jakob Schmid. In jenem Jahr erwarb der Hausierhändler Leopold Kurländer das Haus, dessen Witwe dann im Jahr 1857 das Haus an die Familie Brettauer veräußerte. Somit stand nichts mehr im Wege, beide Häuser zu einem Doppelhaus zu vereinigen. 

Haus Jahreis

Eine Glanzzeit erlebte das Doppelhaus durch den Stickereifabrikanten Carl August Jahreis. Nachdem er es im Jahr 1899 gekauft hatte, baute er es zu einer repräsentativen großbürgerlichen Villa um, in der die Wohlhabenheit zu „greifen“ war, ergänzt durch eine großzügige Parkanlage mit herrschaftlicher Stiege, Wirtschaftsgebäuden und Wintergarten für südländische Pflanzen und Sträucher. Der „kaiserlich und königliche Hoflieferant“, wie er stolz auf den Geschäftsbriefen festhielt, engagierte sich auch für den Bau und die Finanzierung des Kaiserin-Elisabeth-Krankenhauses, weshalb beide als Gründer und Stifter auf den Ehrentafeln in Dankbarkeit genannt sind.

Weitere  Nutzung

Da das Ehepaar Jahreis keine Kinder (lediglich eine Adoptivtochter) ihr Eigen nannte, war in dem weiträumigen Gebäude Platz für weitere Familien, etwa den Gendarmerie-Revierinspektor Lunardon, überhaupt für das Hohenemser Gendarmerie-Posten-Kommando und für die Familie des Franz Glatthaar, der darin viele Jahrzehnte eine Obst- und Gemüsehandlung betrieb. Nach dem Verkauf wurden das Äußere und Innere des Hauses und das Gartenareal so umgestaltet, dass fast nichts mehr an das stilvolle Ambiente der Jahrhundertwende erinnert. Es wird nun als Wohn- und Geschäftshaus genützt.

Das markante Haus in der Marktstraße war einst großzügig ausgestattet.   Foto: KK Hohenems
Das markante Haus in der Marktstraße war einst großzügig ausgestattet.  Foto: KK Hohenems