Mundart-Dichterin aus Passion und Tradition

Vorarlberg / 15.05.2017 • 16:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Mundartautorin mit Tochter Magdalena. Für sie schrieb sie ihr erstes Gedicht zu deren Hochzeit. Foto: EH
Die Mundartautorin mit Tochter Magdalena. Für sie schrieb sie ihr erstes Gedicht zu deren Hochzeit. Foto: EH

Sieglinde Fitz-Grabher verfasste 800 Gedichte in Mundart. Sie führte das Wirken ihres Vaters fort.

Lustenau. (eh) „S’Dichta han i vo minöm Vat’r“, stellt Sieglinde Fitz-Grabher allem voran. Als älteste Tochter von fünf Kindern des Lustenauer Heimatdichters Hannes Grabher (1894 bis 1965) trat sie als einzige in dessen Fußstapfen. „Und deini sind grouß g’sin“, erwähnt sie, was in Lustenau seit je her bekannt ist.

Vielleicht war es gerade die Größe dieses Mannes, die sie lange zurückhielt, in seine Nachfolge zu treten. 1974, als sie ihr erstes Gedicht schrieb, ging sie bereits ihrem 50. Lebensjahr entgegen. Der Anlass war die Hochzeit von Tochter Magdalena. Für das besondere Ereignis verfasste sie „Die Lustenauer Hochzeitsmesse“, die von Magdalenas Schwiegervater Wilhelm Fritz vertont wurde. „Und dieser war es auch, der mich zum weiteren Schreiben animiert hat“, weiß sie rückblickend.

In den darauffolgenden Jahren sind 800 Gedichte entstanden. Humorvolles und Besinnliches sei ihr dabei im wahrsten Sinne des Wortes aus der Feder geflossen. Darüber ist sie dankbar. Über ein Talent, das ihr mitgegeben wurde und über ein erfülltes Leben, in dem die Familie Mittelpunkt war, zieht die Mundartautorin in ihrem 92. Lebensjahr Bilanz.

Drei Werke in Mundart

Ihre Mundartgedichte sind in drei Büchern dokumentiert. „Ondrliechts“, „Im Ofo-n-eggli“ und „Ondrom Bóm“. Einen Wermutstropfen gebe es trotz allem: Hannes Grabher konnte es nicht mehr miterleben, dass seine älteste Tochter doch noch in seine Fußstapfen getreten ist. „Ar heöt si g’fröut“, sagt sie und lächelt.

Dabei schweift ihr Blick in die Ferne. Sie greift nach dem Buch, das auf dem Tisch liegt, und schlägt mittendrin jene Seite auf, die mit einem Lesezeichen gekennzeichnet ist. „Das ist mein Lieblingsgedicht“, sagt sie und liest die Zeilen bedächtig vor, in die sie ihr großes Vertrauen in Gottes Kraft hineingeschrieben hat. Auch der Tod könne sie nicht erschrecken, gibt sie mit einer gewissen Gelassenheit preis. „Und so ist es gut“, ergänzt die fünffache Mutter, die sich über ihre geistige Frische erfreut, die im hohen Alter schließlich nicht selbstverständlich sei. Leider habe die körperliche Gesundheit in den letzten Jahren nachgelassen. „Man wird müde.“ Doch in der Obhut ihrer Töchter fühlt sie sich gut versorgt.

Auszeichnung

Nicht ohne Stolz erwähnt Sieglinde Fitz-Grabher auch die Auszeichnung, das Goldene Verdienstzeichen der Marktgemeinde, das ihr im März 2010 verliehen wurde. Eine interessante Zeit erlebte sie in der Zusammenarbeit mit Walter Baur. Daraus ist ein Lustenauer Wörterbuch entstanden. „Damit die unzähligen ,Luschnouar Usdrück‘ nicht in Vergessenheit geraten“, lacht die Dialekt-Expertin und erwähnt zwei davon: „Ar glänzt wi a nöa Schilli“, oder „Sie häot viel Holz vorö Wända“. Das „Lustenauer Sagenbuch“ von Hannes Grabher übersetzte Fitz-Grabher vom ursprünglichen Kontext in die Dialektsprache. Unvergessen bleibt ihr auch ein Auftritt bei einer Veranstaltung in Lörrach. Dass die Lustenauer Mundart in Deutschland so gut angekommen ist, und vor allem so gut verstanden worden ist, empfand sie als weitere Anerkennung.

„Sei immer größer als der Augenblick“, ein Ausspruch, den sie von ihrer Mutter übernommen hat, war für ihr Leben prägend. Das Alter empfindet Fitz-Grabher als Geschenk. Neben den Gebrechen haben die Freuden in der Waagschale ein weit größeres Gewicht. Und die Zufriedenheit erkennt sie als höchstes Glück. „22 Urenkel haben viel dazu beigetragen. Der jüngste, Timo, ist vor zwei Jahren zur Welt gekommen, der älteste ist Matthias, er ist schon 24“, erzählt sie.

Zur Person

Sieglinde Fitz-Grabher

Geboren: 29. 8. 1925 in Lustenau

Wohnort: Lustenau

Familie: verw. seit 17 Jahren,
5 Töchter, 13 Enkel, 22 Urenkel

Hobbys: Lesen, Mundart, Handarbeiten

Lieblingsspeise: Käsknöpfli mit Gromporo-Salot

Lebensmotto: „Sei immer größer als der Augenblick“