„Igelmama“ mit Leib und Seele

Extra / 03.10.2014 • 18:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Lieblingsspeise der kleinen Igel: Muttermilch-Ersatz. Fotos: VN/Hofmeister
Die Lieblingsspeise der kleinen Igel: Muttermilch-Ersatz. Fotos: VN/Hofmeister

Anneliese Dalpez aus Nüziders hat sich voll und ganz den Igeln verschrieben.

Tanja Schwendinger

Nüziders. Schon beim Betreten des Hauses von Anneliese Dalpez aus Nüziders wird schnell klar: Die 73-Jährige hat ein Herz für Tiere. Neben elf Katzen tummeln sich auch Hasen, Schildkröten und Meerschweinchen im und vor dem Haus der Tierschutz-Obfrau.

In einer kleinen Karton-Schachtel auf dem Küchentisch raschelt es verdächtig. Was drin ist? „Das sind vier drei Wochen alte Igel-Babys“, erklärt Anneliese Dalpez stolz. Voller Neugier versuchen die noch unbeholfenen, stacheligen Vierbeiner aus der Kiste herauszuklettern. „Sie wissen aber genau, dass es jetzt etwas zu fressen gibt“, erklärt die Tierfreundin und schmunzelt. „Sie kennen mich einfach schon zu gut.“

Seit 1988 gilt die Nüzigerin als „Igelmama“ des Landes.

Die Not der Igel erkannt

Anneliese Dalpez hat die Not der Igel schon früh erkannt. „Das sind solch tolle Wesen, aber leider dürfen Tierheime keine Igel aufnehmen, und es gab sonst keinen im Land, der sich um diese besonderen Tiere gekümmert hat“, erklärt Dalpez und ergänzt: „Dann habe ich mich entschlossen, mich auf die Igel zu spezialisieren.“

Nicht lange hat es gedauert, bis sich die „Igelmama“ in Vorarlberg als Igelexpertin und große Igelschützerin einen Namen gemacht hat. Unterernährte, kranke und ausgekühlte Igel aus dem ganzen Land werden in ihre Obhut nach Nüziders gegeben. Waren es am Anfang nur einzelne Tiere, die sie für die Überwinterung aufgenommen hat, sind es heute bereits einige Hundert.

Die vergangenen Jahre betreute und überwinterte Dalpez zwischen 300 und 400 Igel pro Jahr. Momentan beherbergt sie 62, viele davon sind Jungtiere. Und jeden Tag werden es ein bis zwei Igel mehr. Ob irgendwann einmal Aufnahmestopp im „Igelhotel“ herrscht? Wohl kaum. „Ich kann keinen zurückweisen. Welcher Igel verdient es nicht, Zuwendung zu bekommen und gesund gepflegt zu werden?“, sagt Dalpez, während sie einem Jungtier liebevoll die Flasche gibt.

Keller als Igelunterkunft

Diese Leidenschaft benötigt neben viel Geduld und Zeit natürlich auch viel Platz. Deswegen hat Dalpez ihre Waschküche zu einer Igelstation umfunktioniert. Dort beherbergt sie die Jungtiere. Vor drei Jahren bekam sie die Erlaubnis, in Bludenz ein „Igeldorf“ zu errichten und die aufgefütterten und zum Winterschlaf vorbereiteten Igel dort unterzubringen. Das „Igeldorf“ besteht aus mehreren großen Holzkisten, in denen die Tiere überwintern können. Fast 24 Stunden täglich kümmert sich Dalpez um ihre Schützlinge. So lange, bis sie wieder ausgewildert werden können. „Wenn die Igel Ende Oktober mindestens 60 Dekagramm wiegen, kann ich sie wieder in die Freiheit entlassen. Bringen sie dieses Gewicht nicht auf die Waage, muss ich sie den ganzen Winter über füttern“, erklärt die Tierschützerin. „Denn wenn die Igel untergewichtig sind, fallen sie zwar in den Winterschlaf, aber sie halten den Winter nicht durch und wachen im Frühling nicht mehr auf.“

30 Euro täglich

So viele Tiere zu beherbergen, schlägt sich natürlich auch im Geldbeutel der 73-Jährigen nieder. Denn auf der Einkaufsliste stehen neben Muttermilch-Ersatz für die jüngsten auch Katzenfutter für die etwas größeren Igel. Ein erwachsener benötigt täglich 200 Gramm davon. „Das kostet mich jeden Tag 30 Euro.“ Aber auch die körperliche Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Neben dem täglichen Saubermachen der zahlreichen Gehege ist es vor allem die Fütterung, die viel Zeit in Anspruch nimmt, nämlich sechs bis sieben Stunden pro Tag. „Ich bin froh, dass ich Unterstützung von meinem Mann und den Töchtern erhalte, sonst würde es nicht gehen.“

„Igelmama“ aus dem Unterland

Verstärkung bekommt Dalpez seit zehn Jahren auch von Heidemarie Malin aus Schwarzach, der „Igelmama“ aus dem Unterland, die eine kleine Igel-Sammelstation in Schwarzach unter der Anleitung von Anneliese Dalpez betreibt. „Haben die Igel bei ihr keinen Platz mehr, werden sie gesammelt zu mir gebracht“, erklärt die Nüzigerin.

Wie lange die 73-Jährige noch weitermachen wird? „So lange, wie ich noch kann“, antwortet Dalpez prompt. „Ich hoffe, es werden sich in Zukunft auch andere Tierfreunde der Igel annehmen, wenn ich es einmal nicht mehr machen kann.“

Welcher Igel verdient es nicht, Zuwendung zu bekommen und gesundgepflegt zu werden?

Anneliese Dalpez
Auch die tägliche Kuschelration darf bei Anneliese Dalpez nicht fehlen.
Auch die tägliche Kuschelration darf bei Anneliese Dalpez nicht fehlen.
Viele der Igel müssen mit der Flasche aufgezogen werden.
Viele der Igel müssen mit der Flasche aufgezogen werden.