Museenzukunft mit einem Tunnel

05.11.2015 • 17:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Haag: „Wir brauchen gute Mitarbeiter, betreiben seit Jahren Schulungen, und die Frauen verdienen bei uns gleich viel wie die Männer.“
Sabine Haag: „Wir brauchen gute Mitarbeiter, betreiben seit Jahren Schulungen, und die Frauen verdienen bei uns gleich viel wie die Männer.“

KHM-Generaldirektorin Sabine Haag hat eine zentrale Strategie: Immer wieder bei der Politik anklopfen.

Bregenz. Nahezu 1,5 Millionen Besucher wurden zuletzt im Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. in den Häusern, die zu diesem Unternehmen gehören, gezählt; bei den Einnahmen steht man knapp unter der 10-Millionen-Marke. Die Kurve, die Generaldirektorin Sabine Haag im Rahmen ihres Referats aufzeigte, weist beinahe durchgehend nach oben. Somit stellt sich anschließend die Frage, ob der Weg überhaupt immer so weitergehen kann. Zwei, drei Jahre mit einem Rückgang halte man aus, meint sie. Der steile „Höhenflug“ werde sich in den nächsten Jahren nicht fortsetzen lassen, blickt sie voraus und damit auch auf eine zentrale Herausforderung, die sich dem Unternehmen stellt. Während die Einnahmen und vor allem auch die Subventionssumme nicht größer werden, steigen die Personalkosten. Somit müsste sie Personal abbauen, was sie nicht tun will und auch nicht tun kann, weil das auch eine Reduzierung des Angebots für das Publikum mit sich ziehen würde. Dieses hat sich das Kunsthistorische Museum mit attraktiven Projekten in den verschiedenen Abteilungen quasi herangezogen.

Hohe Besuchererwartungen

Die Museen haben sich grundsätzlich verändert, sind offener geworden, die Menschen kommen inzwischen mit hohen Erwartungen und die gelte es zu erfüllen. Laut einer jüngst erstellten Studie stammt die Hälfte der Besucher aus Österreich, abgesehen von den Kunstinteressenten aus den anderen EU-Ländern zieht die herausragende Sammlung, in deren Mittelpunkt die Gemäldegalerie mit einem einzigartigen Pieter-Breugel-Bestand und die Kunstkammer stehen, vor allem Touristen aus dem asiatischen Raum und den USA an. Ein weiterer Aspekt ist interessant, im Durchschnitt ist ein KHM-Besucher nämlich 42 Jahre alt und hat eine akademische Ausbildung. Sie habe gedacht, dass der Altersdurchschnitt etwas höher sei, sieht alle Anstrengungen, die man im Bereich der Kunstvermittlung in den letzten Jahren unternommen hat, aber somit bestätigt.

Zwei Museen verbinden

Angesichts der hohen Besucherfrequenz muss auch thematisiert werden, welche Steigerungsquote das KHM vor allem im Haupthaus am Maria-Theresien-Platz überhaupt noch verkraften kann. „Eine gute Frage“, erklärt Haag und lässt sich ein Projekt entlocken, das schon länger auf dem Plan ist, aber aufgrund der Errichtung eines Hauses der Geschichte nun wieder im Schatten steht. Sie plädiert nämlich für die Verbindung des Kunsthistorischen Museums mit dem Naturhistorischen Museum durch einen Tunnel. Die Besucherströme in den attraktivsten Häusern, die Österreich hat, könnten somit gelenkt werden. „Wir bleiben dran“, lautet ihre Strategie. Stets bei der Politik anklopfen, heißt es auch hinsichtlich der wissenschaftlichen Aufgaben. Mit entsprechenden Schulungsprogrammen und der Tatsache, dass es kein Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen gibt, werden die Mitarbeiter motiviert. Abgesehen von einer ständigen Präsenz etwa im Schloss Ambras in Innsbruck kann das KHM über Leihgaben in den Bundesländern sichtbar sein. Ein Mehr scheitert vorerst lediglich an den Kosten, nicht am Willen der gebürtigen Bregenzerin.

Wir müssen uns die notwendige Museumsarbeit mit den Einnahmen auch selbst verdienen.

Sabine Haag

Zur Person

Sabine Haag

Geboren: 1962 in Bregenz

Ausbildung: Studium Anglistik, Amerikanistik und Kunstgeschichte

Laufbahn: Direktorin der Kunstkammer, seit 2009 Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien