Ein „Quälgeist“ mit hehren Zielen

17.11.2015 • 08:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Als Fitnessbetreuer bringt Stephan Haller schlaffe Zeitgenossen auf Touren.

dornbirn. Seine Kunden nennen ihn scherzhaft auch „Quälgeist“. Stephan Haller (20) nimmt diese Bezeichnung gelassen. Schließlich ist es sein Beruf, schlaffe Zeitgenossen auf Touren zu bringen. „Deswegen kommen die Leute ja“, merkt der redselige Sulzberger folgerichtig an. Im vergangenen Jahr hat Haller im „Kraftwerk“ in Dornbirn eine Lehre als Fitnessbetreuer begonnen. Nach Absolvierung des Zivildienstes eröffnete sich dem gelernten Koch die Chance, seine Liebe zum Sport in berufliche Münze umzuwandeln.

Viel Begeisterung

Im „Kraftwerk“ wird hauptsächlich stromunterstütztes Muskeltraining angeboten. Es ist eine Arbeit mit einem fast immer gleichen Ablauf. Dennoch erzählt Stephan Haller voller Begeisterung davon. „Es sind die vielen unterschiedlichen Menschen, welche die Abwechslung bringen“, sagt er. Wiewohl die Übungen höchstens in der Abfolge variieren, so sei doch jedes Training anders, schwärmt der junge Mann in höchsten Tönen von seinem Lehrberuf, den es seit 1998 gibt. Zuerst lief die Sache unter Ausbildungsversuch, 2003 wurde der Fitnessbetreuer zum Regellehrberuf. Und er genießt steigende Beliebtheit. Gegenwärtig werden in 17 Fitnessbetrieben 27 Lehrlinge ausgebildet.

Doch nicht nur Pflichtschulabsolventen interessieren sich für diesen Job. Auch über Arbeitsprojekte wie Integra und den Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (fab) finden immer wieder Sportbegeisterte in diesen Lehrberuf. Derzeit sind es zwölf. Sie können schon nach zwei Jahren zur Lehrabschlussprüfung antreten. Ansonsten umfasst der Fitnessbetreuer eine dreijährige Lehrzeit. Für Manfred Scheel, den Sprecher der Fitnessbranche im Land, zählt, dass die Betriebe ihre Fachkräfte dank Lehre selbst ausbilden können. „Damit schaffen wir uns qualifizierte Mitarbeiter“, sagt er. Und es sind Mitarbeiter, die meist im Unternehmen bleiben. „Ein Lehrling ist für jeden Ausbildungsbetrieb gut investiertes Geld“, meint Scheel, der in diesem Zusammenhang auch der Landesberufsschule in Feldkirch ein gutes Zeugnis ausstellt.

Wohlbefinden schaffen

Zudem bietet der Beruf ein vielseitiges Arbeitsplatzangebot. Gut ausgebildete Fitnessbetreuer sind in Gesundheitsbetrieben ebenso gefragt wie in Ferienanlagen sowie Freizeitzentren. Und es eröffnen sich Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu Spitzenjobs im Sportmanagement. Auch Stephan Haller möchte nach der Lehrzeit seine bis dahin erworbenen Kenntnisse durch ein Diplom ergänzen. Das persönliche Ziel soll in einer Tätigkeit als Personaltrainer münden. Menschen mit konventionellem Training zu Wohlbefinden und einem straffen Körper zu verhelfen, steht als Berufswunsch bei Stephan Haller ganz oben.

Dabei geht er mit gutem Beispiel voran. Schon als er noch in der Küche arbeitete, nahm er sich nach Feierabend zu Hause immer noch Zeit für eine Trainingsstunde. So spät konnte es gar nicht sein, dass Stephan nicht noch Hanteln stemmte oder Gewichte zog. „Das Training war mein Ausgleich zum Beruf“, erzählt er. Dass er während der Kochlehre in der Schule auch sehr viel über Ernährungslehre hörte, erwies sich als zusätzliche Motivation bei der Suche nach einem anderen Beruf. „Ernährung hat mich immer schon interessiert“, sagt er. Nachsatz: „Ich esse ja selbst gerne.“ Was ihm dank regelmäßiger körperlicher Aktivitäten nicht anzusehen ist. Im Gegenteil. Aus dem „schmalen Hemd“ von einst wurde ein wohlproportionierter junger Mann.

Kontaktfreudigkeit

Ein gewisses Maß an Sportlichkeit gehört nämlich dazu, will jemand Fitnessbetreuer werden. Denn im Schulbetrieb stehen auch Sporteinheiten auf dem Stundenplan. Rhetorische Fähigkeiten sowie Kontaktfreudigkeit sind ebenfalls kein Schaden. Immerhin geht es um die fachgerechte Betreuung von Personen, die sich einen Trainingserfolg erwarten. Durch die richtige Beratung soll der gewährleistet werden. Stephan Haller nimmt seine Arbeit am Menschen ernst. Er ist darauf bedacht, dass die Übungen möglichst effektiv erfolgen. Sein leutseliges Geplauder lässt die Zeit wie im Flug vergehen.

Das Erlernen von Bürotätigkeiten gehört für Stephan Haller ebenso zur Ausbildung wie die richtige Bedienung von Fitnessgeräten. Fotos: vn/hartinger
Das Erlernen von Bürotätigkeiten gehört für Stephan Haller ebenso zur Ausbildung wie die richtige Bedienung von Fitnessgeräten. Fotos: vn/hartinger