„Mein Beruf ist auch meine ganz große Leidenschaft“

Extra / 17.11.2015 • 09:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit 1999 ist Michaela Steiner Inhaberin der Sankt Martin Apotheke in Dornbirn. Ihre Berufswahl hat sie nie bereut.  Foto: beate Rhomberg
Seit 1999 ist Michaela Steiner Inhaberin der Sankt Martin Apotheke in Dornbirn. Ihre Berufswahl hat sie nie bereut.  Foto: beate Rhomberg

Pharmazeutin Michaela Steiner aus Dornbirn hat sich mit ihrer Apotheke verwirklicht.

dornbirn. „Mein Beruf ist meine große Leidenschaft“, sagt Michaela Steiner. Die 56-Jährige ist die Inhaberin der Sankt Martin Apotheke in Dornbirn und weiß, wovon sie spricht. Denn bereits seit 1989 – nach Abschluss ihres Pharmaziestudiums in Innsbruck – ist sie Apothekerin, zehn Jahre später hat sie sich selbstständig gemacht und die Apotheke in der Eisengasse von ihrem Vater übernommen. „Das Schönste am Pharmazeutenberuf ist die Tatsache, dass man mit fachlichem Wissen im Hintergrund den Menschen eine Hilfestellung geben kann“, ist die Dornbirnerin überzeugt.

Kein Arzt-Ersatz

Der traditionsreiche Beruf des Apothekers ersetze nie den Arzt, stellt Steiner klar. Diese Abgrenzung ist ihr sehr wichtig. Während Ärzte mit der Diagnose und Therapie von Krankheiten betraut sind, beschäftigen sich Pharmazeuten primär mit Arzneimitteln, ihrer Herstellung, Lagerung, Zubereitung und Anwendung. Trotzdem steht der Kontakt zu den Menschen auch bei Apothekern an oberster Stelle. „Die Beratung macht einen großen Teil unserer Arbeit aus“, erläutert Steiner. So sind etwa Rückfragen bei der Medikamentenausgabe sehr wichtig. Sie nennt ein Beispiel: „Viele Antibiotika attackieren den Darm. Da muss sich ein Apotheker natürlich erkundigen, ob bereits eine Empfindlichkeit besteht.“

Immer mehr Frauen

Pharmazeuten sind Anlaufstelle für viele Fragen: Nicht nur zum Thema Medikamente und deren Wirkstoffe, sondern auch hinsichtlich gesundem Lebensstil, Ernährung, Unverträglichkeiten oder Allergien, um nur einige Beispiele zu nennen. „Es kommt sogar vor, dass die Menschen uns einzelne Tabletten bringen und nachfragen, welche Medikamente das überhaupt sind“, erzählt Steiner. Auch die Durchführung solcher Analysen gehört zum Berufsbild dazu.

Als Inhaberin der Apotheke ist Steiner mit einer Vielfalt von Aufgaben betreut: Neben typisch pharmazeutischen Tätigkeiten, wie dem Aushändigen von Medikamenten, Beratung und Arzneimittelkontrolle, kümmert sie sich um eine Vielzahl von administrativen Aspekten, etwa der Dokumentation, dem Einkaufs- und Personalmanagement, der Preiskalkukation und dem Personal. „Da wächst man dann nach und nach hinein“, weiß die Dornbirnerin. Die Sankt Martin Apotheke hat elf Mitarbeiterinnen. „Mittlerweile sind immer mehr Frauen als Pharmazeutinnen tätig“, sagt Steiner. „Da hat sich im Vergleich zu früher sehr viel getan.“

Apotheker kann werden, wer ein neunsemestriges Studium der Pharmazie abschließt, etwa an den Universitäten Innsbruck, Graz oder Wien. „Das Studium ist sehr intensiv und praxisorientiert. Wer sich dafür interessiert, sollte vor allem im Bereich der Naturwissenschaften versiert sein. Biologie, Chemie, Physik und Latein sind dabei die wichtigsten Schulfächer“, erklärt Steiner. Neben den Pharmazeuten gibt es in den Apotheken auch pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten (kurz: PKA), die unterstützend im Verkauf tätig sind, Kunden beraten, bei der Herstellung von Medikamenten assistieren, Waren bestellen oder Arzneimittel vorbereiten. Dafür muss eine dreijährige Lehre absolviert werden. „Wir bilden eigentlich immer aus“, sagt Steiner. Gerade habe der Lehrling der Sankt Martin Apotheke seine Lehre erfolgreich abgeschlossen.

„Selbstverwirklichung“

„Für mich bedeutet mein Beruf mittlerweile ein Stück Selbstverwirklichung“, sagt die langjährige Pharmazeutin. „Mein Herz hängt wirklich sehr an der Apotheke.“ Obwohl der Beruf mit viel Verantwortung und mitunter fordernden Dienstzeiten (Stichwort: Nachtdienst) verbunden ist, will sie das Wort „Stress“ nicht gelten lassen. Schließlich könne dieser auch positiv ausfallen, „wenn man seinen Beruf liebt“.

Sie habe sich oftmals schon rückblickend gefragt, welche Laufbahn sie heute wohl wählen würde, wenn sie noch einmal 18 wäre und sich für ein Studium entscheiden müsste. „Dabei komme ich aber immer auf dasselbe Ergebnis: Ich würde wieder Pharmazie studieren und Apothekerin werden“, bekräftigt Michaela Steiner mit einem Kopfnicken.