Botschafter für ein blühendes Ländle

Extra / 03.07.2016 • 18:32 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Immer mehr Interessierte werden zu Botschaftern des blühenden Lands.
Immer mehr Interessierte werden zu Botschaftern des blühenden Lands.

Toller Einsatz für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co.

Dornbirn. Die Bodensee Akademie und das Netzwerk blühendes Vorarlberg boten in diesem Frühjahr erstmals einen Ausbildungslehrgang zur Blühbotschafterin und zum Blühbotschafter an. Und das mit vollem Erfolg: Alle Plätze waren rasch besetzt. Und nun gibt es 26 frischgebackene Mentoren für die Anliegen der bestäubenden Insekten und der Artenvielfalt in Vorarlbergs Kulturlandschaft.

In den fünf Modulen des Lehrgangs bekamen die Teilnehmer einen Überblick darüber, welche wichtigen ökologischen Aufgaben bestäubende Insekten wahrnehmen und wie Lebensraum und Nahrungsquellen geschaffen und erhalten werden können. Besonders wichtig ist es, dabei nicht nur die Honigbiene im Blick zu haben, sondern auch Hummeln und andere Wildbienen, von denen es in Vorarlberg über 300 verschiedene Arten gibt, die für die Vielfalt der heimischen Pflanzenwelt und Tierwelt unentbehrlich sind. Blühen kann es überall: im Hausgarten, auf öffentlichen Flächen, in Wohnanlagen, auf Straßenbegleitflächen, in Betriebsgebieten, auf landwirtschaftlichen Flächen, an Wegrändern, entlang von Kleingewässern und am Waldrand. Überall ist Platz für Blumen, blühende Stauden und Gehölze, die nicht nur für Insekten gut sind, sondern auch für Vögel und Kleintiere. „Und nicht zuletzt ist der Blütenreichtum einer intakten Kulturlandschaft auch für uns Menschen wertvoll, sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht“, informiert Simone König von der Bodenseeakademie. „Durch die Bestäubungsleistung der Insekten steigt der Ertrag bei vielen Kulturpflanzen um ein Vielfaches, etwa bei Himbeeren und Erdbeeren um 50 Prozent, bei Birnen um 71 Prozent, bei Zwetschken um 75 Prozent und bei Äpfeln sogar um 86 Prozent.“

Zum Erhalt der Artenvielfalt

Der Lehrgang schulte bei den Teilnehmern den Blick, Potenziale von und für Blühflächen zu erkennen. Mit wenig Aufwand kann viel für die Artenvielfalt getan werden. Rasenflächen bergen viele Blühpflanzen in sich, wenn man sie wachsen lässt. An Straßen- und Wegrändern, auf Böschungen und in Gartenecken entwickeln sich wertvolle Standorte, wenn sie nicht zu ordentlich gepflegt sind, weniger gemäht werden, dürre Stängel im Herbst stehen bleiben, Ast- und Steinhaufen belassen werden. Ebenso wie das „Seinlassen“ war auch das aktive Tun Inhalt des Lehrgangs. „Die erfahrenen Referenten vermittelten Basiswissen zu den Themen bienenfreundliche Bepflanzung rund ums Jahr, Nisthilfen, Anlage von naturnahen Gärten und Blumenwiesen, öffentliches Bunt statt öffentlichem Grün und Strategien für Blütenreichtum im Randbereich von landwirtschaftlichen Flächen. Besonders wurde der Wert von Mager- und Streue­wiesen hervorgehoben“, erklärt Simone König.

Der Lehrgang war der erste Teil dieser Ausbildung zum Blühbotschafter. Ab Herbst folgen weitere Treffen, in denen praktische Erfahrungen ausgetauscht werden und in ausgewählten Anwendungsbereichen eine fachliche Vertiefung erfolgt. Der Lehrgang wird auch 2017 wieder angeboten werden. So soll im Laufe der Jahre ein fachkundiger und gut vernetzter Kreis von BotschafterInnen für eine blühende Landschaft aufgebaut werden.

Blütenreichtum einer intakten Kulturlandschaft ist wertvoll.

simone könig
Weitere Lehrgänge „Blühende Landschaft“ folgen im Herbst und im Frühling 2017. Fotos: Bodenseeakademie
Weitere Lehrgänge „Blühende Landschaft“ folgen im Herbst und im Frühling 2017. Fotos: Bodenseeakademie
Artenvielfalt in der Kulturlandschaft ist wichtig und wird wohl künftig noch an Bedeutung gewinnen – gerade im Hinblick auf die Bedrohung der Bestäuber, vor allem der Bienen. Dieser Lehrgang, der somit voll im Trend liegt, hat auch die feinen Unterschiede zwischen der Idealvorstellung einer Landnutzung und den realistischen Möglichkeiten, die sich in der Praxis bieten, thematisiert.  
              Mag. Markus Grabher, Umweltbüro Grabher

Artenvielfalt in der Kulturlandschaft ist wichtig und wird wohl künftig noch an Bedeutung gewinnen – gerade im Hinblick auf die Bedrohung der Bestäuber, vor allem der Bienen. Dieser Lehrgang, der somit voll im Trend liegt, hat auch die feinen Unterschiede zwischen der Idealvorstellung einer Landnutzung und den realistischen Möglichkeiten, die sich in der Praxis bieten, thematisiert.

Mag. Markus Grabher,
Umweltbüro Grabher

Experten und der praxisnahe Fokus sorgten für guten Einblick in verschiedene Aspekte einer funktionierenden blühenden Landschaft. Die Teilnehmer wurden über häufige, aber vermeidbare Fehler bei der Bereitstellung von Nisthilfen für Wildbienen informiert. Denn interessierten BürgerInnen wird in diesem Zusammenhang in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle zukommen.  
              Mag. Bernhard Schneller, Biologe und Hummelexperte

Experten und der praxisnahe Fokus sorgten für guten Einblick in verschiedene Aspekte einer funktionierenden blühenden Landschaft. Die Teilnehmer wurden über häufige, aber vermeidbare Fehler bei der Bereitstellung von Nisthilfen für Wildbienen informiert. Denn interessierten BürgerInnen wird in diesem Zusammenhang in Zukunft eine immer bedeutendere Rolle zukommen.

Mag. Bernhard Schneller,
Biologe und Hummelexperte

Durch die Bewusstseinsschulung habe ich bemerkt, wie sensibel das ganze System ist, wie achtsam wir sein müssen, um Lebensräume für Insekten zu wahren. Ich möchte zukünftig mit Bürgermeistern Allgemeinflächen insektenfreundlich gestalten. Vernetzen statt Einzelkämpferdenken.Und mehr zum gemeinsamen Tun. Beim Haus an der Lutz habe ich mit Flüchtlingen schon Wildblumen angesät. 
              Christine Mackowitz, Pharmazeutin und Blühbotschafterin

Durch die Bewusstseinsschulung habe ich bemerkt, wie sensibel das ganze System ist, wie achtsam wir sein müssen, um Lebensräume für Insekten zu wahren. Ich möchte zukünftig mit Bürgermeistern Allgemeinflächen insektenfreundlich gestalten. Vernetzen statt Einzelkämpferdenken.Und mehr zum gemeinsamen Tun. Beim Haus an der Lutz habe ich mit Flüchtlingen schon Wildblumen angesät.

Christine Mackowitz, Pharmazeutin und Blühbotschafterin

Wir können nicht auf eine großflächige Änderung landwirtschaftlicher Wirtschaftsmethoden warten. Mit einer blühenden Umwelt können wir die Landwirtschaft bei einer existenzsichernden Umgestaltung unterstützen. Naturschutz gelingt nur, wenn wir alle regional Verantwortung für eine gesunde Natur übernehmen. Wichtig ist das gemeinsame Engagement.
              Reinhard Köck, Mitglied Naturvielfaltgruppe und aktiv bei der Naturwacht Lustenau

Wir können nicht auf eine großflächige Änderung landwirtschaftlicher Wirtschaftsmethoden warten. Mit einer blühenden Umwelt können wir die Landwirtschaft bei einer existenzsichernden Umgestaltung unterstützen. Naturschutz gelingt nur, wenn wir alle regional Verantwortung für eine gesunde Natur übernehmen. Wichtig ist das gemeinsame Engagement.

Reinhard Köck, Mitglied Naturvielfaltgruppe und aktiv bei der Naturwacht Lustenau

Dieses Rausgehen finde ich immer gut, weil es den Blick verändert und sehr inspirierend ist. Während des Lehrgangs wurde mir bewusst, dass weniger oft mehr ist – wie wilde Ecken und mal was stehen lassen. Dass Geduld eine wichtige Tugend in Sachen Blühangelegenheiten ist! Ich habe viel neues Wissen erlangt, Vorzeigeprojekte gesehen und interessante Kontakte geknüpft.  
              Katharina Purin, Biogemüsegärtnerin und Imkerin

Dieses Rausgehen finde ich immer gut, weil es den Blick verändert und sehr inspirierend ist. Während des Lehrgangs wurde mir bewusst, dass weniger oft mehr ist – wie wilde Ecken und mal was stehen lassen. Dass Geduld eine wichtige Tugend in Sachen Blühangelegenheiten ist! Ich habe viel neues Wissen erlangt, Vorzeigeprojekte gesehen und interessante Kontakte geknüpft.

Katharina Purin,
Biogemüsegärtnerin und Imkerin

Ich bewirtschafte Mager- und Streuewiesen in Göfis, die bei der Wiesen­meisterschaft mehrfach ausgezeichnet wurden. Die wertvolle Arbeit der Wiesenpflege wurde besonders hervorgehoben. Wiesen und viele Landschaftselemente sind Kulturjuwelen, die von Landwirten gepflegt werden. Vielfältige Nutzung ist wichtig – Einzelbäume, Mähwiesen, Weiden – alles gehört dazu.
              Karl Mathis, 
            
              Biobauer und Wiesenmeister

Ich bewirtschafte Mager- und Streuewiesen in Göfis, die bei der Wiesen­meisterschaft mehrfach ausgezeichnet wurden. Die wertvolle Arbeit der Wiesenpflege wurde besonders hervorgehoben. Wiesen und viele Landschaftselemente sind Kulturjuwelen, die von Landwirten gepflegt werden. Vielfältige Nutzung ist wichtig – Einzelbäume, Mähwiesen, Weiden – alles gehört dazu.

Karl Mathis,

Biobauer und Wiesenmeister

Stichwort. Netzwerk blühendes Vorarlberg

Die 2011 von der Bodensee Akademie, dem Land Vorarlberg und dem Vorarlberger Imkerverband ins Leben gerufene Gemeinschaftsinitiative hat inzwischen viele PartnerInnen gewonnen und ein leistungsfähiges, weit über das Land Vorarlberg hinaus Beachtung findendes Netzwerk aufgebaut.

Gemeinsames Ziel ist es, die Vorarlberger Kulturlandschaft bienen- und insektenfreundlich zu gestalten, zu bewirtschaften und zu pflegen.

Weitere Partner dieser Initiative sind: Abteilung Umwelt- und Kimaschutz, Flussbauamt, Gemeinden, Umweltverband Vorarlberg, Verband Obst- und Gartenkultur, Naturschutzbund Vorarlberg, Bildungs- und Knowhow-Träger wie Umweltbüro Markus Grabher, Ökologieinstitut Vbg., BSBZ Vorarlberg, BIO AUSTRIA Vorarlberg, Landwirtschaftskammer und LFI, Gärtner und Landschaftsplaner, Inatura und in der konkreten Umsetzung viele weitere PartnerInnen vor Ort.

Koordinationsstelle des Netzwerkes ist die Bodensee Akademie, eine NGO, die sich seit 20 Jahren in Form von Gemeinschaftsinitiativen für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt.

www.blühendes-vorarlberg.at