Dem Rhein seine Bedrohung nehmen

Extra / 29.12.2016 • 17:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auf das Rhesi-Projekt wird bereits jetzt mit Plakat-Infoständern aufmerksam gemacht.
Auf das Rhesi-Projekt wird bereits jetzt mit Plakat-Infoständern aufmerksam gemacht.

Jahrhundertprojekt Rhein, Erholung, Sicherheit (Rhesi) soll noch mehr können.

St. Margrethen. Der Rhein hat für die Bewohner am Strom im Laufe der Geschichte schon sehr viel Unglück gebracht. Nie vergessen sind zum Beispiel die gigantischen Überschwemmungen um die Jahrhundertwende zwischen 19. und 20. Jahrhundert, als etwa Lustenau komplett unter Wasser stand. Der Rhein schrieb im gleichnamigen Tal mehrere traurige Geschichten.

Wallner drückt aufs Tempo

Andererseits: Das Rheintal hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem attraktiven Wirtschafts-und Wohnraum entwickelt. Experten haben berechnet, dass ein 300-jähriges Hochwasser in der Region einen Schaden von 5,6 Milliarden Franken verursachen könnte. Daher haben 2005 die Regierungen Vorarlbergs, Liechtensteins und der Kantone Graubünden und St. Gallen das Entwicklungskonzept Alpenrhein unterzeichnet. Ziel ist es, den Rhein hochwassersicher, ökologisch wertvoller und als Naherholungsgebiet für die Rheintaler lebenswert zu machen. Alles Intentionen, die sich im Kürzel Rhein (Rhein, Erholung, Sicherheit) wiederfinden.

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (49) fordert eine zügige Weiterentwicklung des Projekts. „Wir müssen auf den zeitlichen Aspekt achten. Wir brauchen ein zielgerichtetes und lösungsorientiertes Arbeiten, daher ist der Start des Generellen Projekts jetzt wichtig“, stellt Wallner klar. Das „Generelle Projekt“ ist der Plan des Jahrhundertvorhabens. Er soll trotz der Einsprüche von Naturschützern wegen Testbohrungen zur Trinkwasserversorgung im Rheinvorland im kommenden Jahr fertig sein. „Das wollen wir schaffen. Entweder durch den Verzicht auf die Testbohrungen oder eine entsprechende Behandlung der Einsprüche, welche die Testbohrungen erlaubt“, betont Projektleiter Markus Mähr (42).

Bald sechs Jahre kümmert sich der Röthner um Rhesi und versucht die Planungen voranzutreiben. Schon längst ist ihm dabei bewusst, „dass es ein Weg der kleinen Schritte ist. Aber es geht weiter, und ich hoffe wirklich, dass wir bald wissen, wohin die Reise geht.“

Die vielen Interessen

Noch sind wichtige Entscheidungen offen. Zum Beispiel jene, ob es zu Dammabrückungen bei Koblach und im Raum Hard/Fußach kommen wird. Das heißt, ob in jenen Bereichen der Außendamm weiter nach hinten Richtung Siedlungsgebiet verrückt wird, um dem Fluss noch mehr Raum zu geben. Eine Maßnahme, für die sich Natur- und Umweltgruppen begeistern, welche die Landwirtschaft jedoch verteufelt. Die Bauern wollen nicht noch mehr fruchtbares Ackerland verlieren, als ihnen Rhesi ohnhin kosten wird.

Der Rhein soll vom Illspitz bis zur Bodenseemündung sogenannte Trittsteine bekommen – vier oder fünf an der Zahl. Es handelt sich dabei um Stellen, an denen der Fluss aufgeweitet wird. Damit sollen aus Sicht der Projektplaner zwei Ziele erreicht werden: Zum einen sollen diese Maßnahmen die Hochwassersicherheit erhöhen, zum anderen soll sich an diesen Stellen eine Ökologie entwickeln können.

Hat der Fluss mehr Platz und Ausweichmöglichkeiten, verringert sich auch die Fließgeschwindigkeit. Oberstes Ziel in puncto Hochwassersicherheit: Die Durchflusskapazität soll von 3100 Kubikmetern auf 4300 Kubikmeter erhöht werden.

Dass der Rhein ökologisch nahezu tot ist, ist eine Tatsache. Mit der Aufweitung des Flusses und der Reduktion der Fließgeschwindigkeit sollen wieder Lebewesen vom Bodensee in den Fluss gelangen. Kiesbänke und Ruhewasserzonen wären zudem ideal für die Ansiedlung von tierischem und pflanzlichem Leben.

Nebst Hochwasserschutz und Aufwertung der Ökologie soll der Rhein auch den Bewohnern des Rheintals wieder mehr Lebensqualität bringen – durch die Errichtung von Erholungsgebieten.

Wann was passiert, hängt wesentlich von den Entwicklungen im neuen Jahr ab. Sollte alles nach Plan gehen, rechnet Markus Mähr mit einem Baubeginn im Jahre 2021.

Geht es nach den Umweltgruppen, so soll der Rhein auch im unteren Rheintal einmal so sein wie bei den Mastrilser Auen in der Schweiz. Der Fluss soll großzügig aufgeweitet werden.
Geht es nach den Umweltgruppen, so soll der Rhein auch im unteren Rheintal einmal so sein wie bei den Mastrilser Auen in der Schweiz. Der Fluss soll großzügig aufgeweitet werden.
Rhesi ist ein Projekt, das für uns absolute Priorität genießt. Mir ist bewusst, wie wichtig die Hochwassersicherheit im Rheintal ist. Ein Hochwasser wäre gerade dort eine wirkliche Katastrophe.  
               Markus Wallner, LH Vorarlberg

Rhesi ist ein Projekt, das für uns absolute Priorität genießt. Mir ist bewusst, wie wichtig die Hochwassersicherheit im Rheintal ist. Ein Hochwasser wäre gerade dort eine wirkliche Katastrophe.

Markus Wallner, LH Vorarlberg

Rhesi ist eine Jahrhundertchance für eine gewaltige ökologische Qualitätsverbesserung am Rhein. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen - für unsere Kinder und Kindeskinder.  
               Hildegard Breiner, Naturschutz

Rhesi ist eine Jahrhundertchance für eine gewaltige ökologische Qualitätsverbesserung am Rhein. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen – für unsere Kinder und Kindeskinder.

Hildegard Breiner, Naturschutz

Statements.

» Rhesi: Kürzel für Rhein, Erholung und Sicherheit

» Projektinhalt: Hochwasserschutzprojekt für den Alpenrhein vom Illspitz bis zur Bodenseemündung auf 26 Kilometern Länge

» Ziel: Erhöhung der Durchflusskapazität von derzeit 3100 m3 auf 4300 m3

» Planungsbeginn: 2011

» Geplante Umsetzungsdauer:
20 Jahre

» Betroffen: 26 Kommunen auf beiden Seiten des Rheins; 13 in der Schweiz, 13 in Österreich

» Ungefährer Gesamtkosten­rahmen: 500 Millionen Euro