Frauen haben einen Sinn fürs Geld

07.03.2019 • 07:49 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vorarlbergerinnen sind bei Finanzen sehr sicherheitsorientiert.

Vorarlbergerinnen sind bei Finanzen sehr sicherheitsorientiert.

Ist Geldanlage für Vorarlbergerinnen wirklich zu kompliziert, zu langweilig und sollte deshalb den Männern überlassen werden?

„Viele Frauen verfügen über einen untrüglichen Sinn fürs Machbare – eine unschätzbare Eigenschaft, wenn es ums Geld geht. Vorurteile in Bezug aufs Investieren und mangelndes Selbstvertrauen bremsen sie jedoch häufig aus“, berichtet Ines Frei, Veranlagungsexpertin der Sparkasse: „Dabei zeigt unsere Beratungspraxis, dass auch Damen ein gutes Händchen fürs Familienkapital haben.“ Mit den richtigen Strategien können natürlich auch sie mehr aus ihrem Geld machen.

Sicherheitsorientierung

Rund ein Drittel der Vorarlbergerinnen gibt in der aktuellen Studie „Frauen und Investments“ von Erste Bank und Sparkassen an, in Bezug auf ihre Finanzen sehr sicherheitsorientiert zu sein. Aber nur 19 Prozent der Vorarlberger behaupten dasselbe von sich. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass die meisten Frauen im Ländle ihr Geld gleich auf dem Konto liegen lassen (83 Prozent) oder zum Sparbuch greifen (75 Prozent). „Das Sparbuch sollte immer ein fixer Bestandteil der Veranlagungsstrategie sein – die finanzielle Basis sozusagen“, unterstreicht Ines Frei: „Die Sparkassen empfehlen, einen kurzfristig verfügbaren Sicherheitspolster von etwa drei Nettomonatsgehältern auf dem Sparbuch zu parken.“ So muss für ungeplante Ausgaben wie Reparaturen von Waschmaschine, Auto oder Ähnlichem das Konto nicht überzogen werden.

Für alles, was über das finanzielle Basislager hinausgeht, könnten aber – im Dauer-Niedrigzinsniveau – rentab­lere Anlageformen gefunden werden, zumal eine ausgewogene Vorsorgestrategie auf mehreren Standbeinen ruht. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: Aus 5000 Euro auf einem Sparbuch mit einer Verzinsung von aktuell 0,02 Prozent werden nach fünf Jahren inflationsbereinigt 4500 Euro. Wer im selben Zeitraum auf einen Investmentfonds mit rund 50 prozentigem Aktienanteil setzt, hätte bei einer angenommenen Rendite von 3,1 Prozent p. a. mehr als 5800 Euro erwirtschaftet.

Desinteresse führt in Sackgasse

Doch im Zusammenhang mit Wertpapieren sind Frauen überaus zurückhaltend. Während 26 Prozent der Vorarlberger ihr Geld in Investmentfonds angelegt haben, trauen sich nur 11 Prozent der Frauen im Ländle an diese Anlageform heran. Die Ursachen hierfür sind laut Studie vielfältig: So sind 46 Prozent der Vorarlbergerinnen (Männer: 24 Prozent) der Ansicht, dass Geldanlage in Wertpapieren zu komplex ist und sie über das dafür notwendige Wissen nicht verfügen. „Aus unseren Gesprächen erfahren wir immer wieder, dass das Thema Wertpapiere Unbehagen auslösen kann. Dabei steht die Furcht Geld zu verlieren oft an oberster Stelle. Gleichzeitig erleben die Menschen wirtschaftliche Vorgänge, insbesondere den Finanzmarkt, als undurchsichtig – gerade weil sie mit so vielen Möglichkeiten konfrontiert sind“, berichtet Ines Frei. Und weiter: „Einfacher wird die Geldanlage sicherlich mit einer guten Beratung. Gleichzeitig sollte frau sich nicht davon abhalten lassen, nur Finanzprodukte zu kaufen, die sie auch versteht.“ Um erfolgreiche Lösungen entwickeln zu können, ist es sehr wichtig, alle Fragen zu stellen, die sich ihnen aufdrängen. „Falsche Scheu kann an dieser Stelle Geld kosten“, weiß die erfahrene Beraterin.

28 Prozent der befragten Frauen (Männer: 12 Prozent) geben unumwunden zu, dass sie sich für Geldanlage und Wertpapiere überhaupt nicht interessieren. „Frauen sollten sich ihrer Verantwortung für die eigenen Finanzen aber viel bewusster sein – gerade im Hinblick auf die eigene Altersvorsorge“, rät Anlageexpertin Frei eindringlich.

Die steigende Lebenserwartung und die statistische Tatsache, dass Frauen älter als Männer werden, sollte eigentlich Motivation genug sein. So bilden die gesetzlichen Pensionsansprüche auch für viele Vorarlbergerinnen die Basis für ein geregeltes Einkommen im Alter. Da sie aber rund 40 Prozent weniger als die männlichen Erwerbstätigen in Vorarlberg verdienen (Quelle: Statistik Austria, Nettoeinkommen 2017), ist auch ihre Versorgung in der Pension ­weniger gut gesichert.

Über die Fondssparpläne

In der vorliegenden Studie führen übrigens Männer (15 Prozent) und Frauen (18 Prozent) ein kleineres Einkommen ähnlich häufig als Grund für mangelndes Interesse an Wertpapieren an.

„Dass Geldanlage am Wertpapiermarkt für kleinere Sparbeträge keinen Sinn macht, hält sich hartnäckig als Vorurteil“, so die Expertin: „Aber schon mit einem Sparbetrag von 50 Euro pro Monat lohnt es sich, über einen Fondssparplan nachzudenken.“

Beim Fondsparplan werden im regelmäßigen Abstand Anteile an einem oder mehreren Investmentfonds nach individueller Wahl gekauft. Die Einzahlungshöhe kann jederzeit nach oben oder unten angepasst oder gänzlich ausgesetzt werden – ohne Bindungs­dauer. Schon 26 Prozent der Vorarlberger haben diese Anlageform für sich entdeckt, aber nur elf Prozent der Vorarlbergerinnen. Ines Frei: „Fondssparpläne sind risikoreicher als Sparbücher, schließlich wird ja am Finanzmarkt investiert. Bei einem längeren Veranlagungszeitraum sollten sich die Kursschwankungen aber immer mehr ausgleichen, sodass ein günstiger Mischkurs und damit Ertrag erzielt werden kann.“ Deshalb bilden Fondssparpläne auch für Einsteigerinnen einen interessanten Hebel beim langfristigen Vermögensaufbau.

Die Fondssparpläne bieten auch für Einsteigerinnen einen interessanten Hebel beim langfristigen Vermögensaufbau.

Ines Frei Anlageexpertin Sparkasse