Stabilitätsanker für das Portfolio

Extra / 07.03.2019 • 08:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Goldanteil im Portfolio sollte höchstens fünf bis zehn Prozent betragen.

Der Goldanteil im Portfolio sollte höchstens fünf bis zehn Prozent betragen.

Eine langfristig strategisch ausgerichtete Veranlagung muss, um erfolgreich zu sein, ausbalanciert und robust sein. Das Portfolio sollte aus verschiedenen aufeinander abgestimmten Wertpapieren bestehen und individuell auf den jeweiligen Anleger angepasst werden.

Neben den bekannten Anlageklassen wie Aktien und Anleihen sind auch Stabilisatoren wie Gold und Garantiezertifikate eine Diversifikationsmöglichkeit für das Portfolio. Die VN sprachen darüber mit Jürgen Rupp, Finanz-/Kapitalmärkte, Wertpapier- und APM-Consulting bei der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg.

Der Goldpreis stieg zuletzt an.

Gold ist eine Anlage, welche keine laufenden Zinsen für den Anleger mit sich bringt. Steigen die Zinsen und Renditen der Anleihen, wird der Kauf von Gold gegenüber Sparbüchern und Anleihen weniger attraktiv, der Goldpreis sollte in einem solchen Umfeld tendenziell eher unter Druck geraten. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, verteuert sich Gold mit einem Anstieg des US-Dollar gegenüber anderen Währungen. Ein stärkerer US-Dollar wirkt sich daher normalerweise dämpfend auf den Goldpreis aus. Gold findet oft als Absicherung gegenüber starker Inflation seine Anwendung. Auch in Zeiten erhöhter Unsicherheit an den Finanzmärkten oder geopolitischer Krisen profitiert Gold oft von seinem historischen Status als „sicherer Hafen“ .

„Derzeit profitiert das Edelmetall Gold vor allem von der Aussicht auf zunächst nicht weiter steigenden Zinsen in den USA. Das erhöht seine relative Attraktivität beispielsweise im Vergleich zu Anleihen. Da für 2020 ein US-Konjunkturrückgang erwartet wird, dürften in Zukunft in den USA sogar Zinssenkungen erforderlich werden. Die seit 2017 den Goldpreis belastende restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank dürfte dann drehen und somit den Weg für einen höheren Goldpreis ebnen“, erläutert Jürgen Rupp. Und weiter: „Nach längerer Durststrecke ist der Goldpreis die letzten sechs Monate um mehr als zehn Prozent gestiegen. Auch einer der Treiber hinter dieser Kursentwicklung sind die Notenbanken, die sich auf Gold als Diversifikationswährung für ihre Reserven besinnen und wieder als stärkere Käufergruppe in Erscheinung treten. Sie haben im vergangenen Jahr so viel Gold gekauft wie seit Anfang der 1970er Jahre nicht mehr, als noch der Goldstandard unter den Zentralbanken galt.“

Auch die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten spielt dem Goldpreis in die Karten. Wenn es an den Aktienmärkten kriselt, entwickelt sich der Goldpreis oft gegenläufig zu den Aktienkursen und wirkt als Stoßdämpfer im Portfolio. Der Goldpreis verhält sich somit anders als andere Anlagenklassen, sprich er weist eine geringe oder negative Korrelation mit anderen Anlageklassen auf. Daher kann Gold auch als sinnvolle Diversifikationskomponente ins Portfolio aufgenommen werden. Jedoch sollte der Gold­anteil des Portfolios auf maximal fünf bis zehn Prozent beschränkt bleiben.

Garantiezertifikate

Rupp: „Um in volatilen Zeiten das Portfolio zu stabilisieren und trotzdem nicht auf attraktive Erträge zu verzichten bieten sich auch Garantiezertifikate an. Diese Zertifikate haben einen Schutz für das eingesetzte Kapital am Laufzeitende und ermöglichen dem sicherheitsorientierten Anleger, gleichzeitig an der Wertentwicklung von Aktienindizes mit zu partizipieren.“

Garantiezertifikate eignen sich für die defensive Portfolio­beimischung und auch für sicherheitsorientierte Investoren als Einstiegsprodukt in die Welt der Aktien. Durch den Kapitalschutz am Laufzeitende erhalten Anleger in jedem Fall das abgesicherte Kapital zurück. Eine zusätzliche Aktienkomponente bietet Anlegern zudem die Möglichkeit eine solide Rendite zu erwirtschaften.

Garantiezertifikate können sich auf einen oder mehrere Aktienwerte beziehen. Auch bestimmte Themenbereiche, wie beispielsweise nachhaltige Investments, lassen sich mit Garantiezertifikaten gezielt abbilden. Durch diverse Auszahlungsprofile können Anleger mit Garantiezertifikaten nicht nur von steigenden Kursen profitieren, sondern auch Seitwärtsrenditen und sogar Gewinne in leicht fallenden Märkten erwirtschaften.

Ein Beispiel

Ein Beispiel für ein wachstums­orientiertes Garantie-Zertifikat mit einer Laufzeit von sechs Jahren: Der Anleger erwirbt um 1000 Euro ein Garantiezertifikat mit 70 Prozent Partizipation auf den amerikanischen S&P 500 Index. Angenommen, der Index notiert nach sechs Jahren bei 1500 Punkten. Diese Wertentwicklung von plus 50 Prozent wird mit dem Partizipationsfaktor multipliziert und am Laufzeitende zusätzlich zum Kapitalschutz ausbezahlt. Bei einer Partizipation von 80 Prozent entspricht dies einer Rendite von 35 Prozent, welche zusätzlich zum Nominalbetrag am Laufzeitende zur Auszahlung kommt.

Während der Laufzeit dieses Kapitalschutzzertifikats ist der Kurs abhängig vom Wert des zugrundeliegenden S&P 500 Index. Ungünstige Entwicklungen des S&P 500 Index können somit unter der Laufzeit Wertschwankungen des Kapitalschutzzertifikats verursachen. Der Kapitalschutz gilt ausschließlich am Laufzeitende. Während der Laufzeit kann der Wert des Kapitalschutzzertifikats unter den vereinbarten Kapitalschutzbetrag fallen. „So gibt es mehrere Möglichkeiten das Portfolio etwas defensiver aufzustellen und trotzdem nicht auf weitere attraktive Erträge verzichten zu müssen“, erklärt Rupp abschließend.

Eine langfristig strategisch ausgerichtete Veranlagung muss, um erfolgreich zu sein, ausbalaciert und robost sein.

Jürgen Rupp Raiffeisenlandesbank Vorarlberg