Kinder fördern und beschützen

Extra / 23.06.2019 • 18:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Alexander Geyrhofer gibt Tipps, wie Eltern das Internet für Kinder sicherer machen können und diskutiert anschließend in einer Expertenrunde über das Thema. Günther Loewit erklärt, wie Eltern ihrem Nachwuchs die Kindheit zurückgeben und sie zur Selbstständigkeit erziehen können.
Alexander Geyrhofer gibt Tipps, wie Eltern das Internet für Kinder sicherer machen können und diskutiert anschließend in einer Expertenrunde über das Thema. Günther Loewit erklärt, wie Eltern ihrem Nachwuchs die Kindheit zurückgeben und sie zur Selbstständigkeit erziehen können.

Die Buch am Bach bietet zwei Abendveranstaltungen für Eltern und Lehrende an.

Götzis „Wir schaffen die Kindheit ab“ – so lautet das Thema des ersten Vortrags, den der Landarzt und Bestseller-Autor Günther Loewit gleich am ersten Abend der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse halten wird. Am Dienstag, ab 19.30 Uhr erklärt der 61-Jährige, warum er die Kinder aus ihrem goldenen Käfig holen will und warum sie nur flügge werden, wenn sie vorher fliegen dürfen. Der Autor des Buches „Wir schaffen die Kindheit ab! Helikoptereltern, Förderwahn und Tyrannenkinder“ plädiert für die Schaffung familien- und kinderfreundlicher gesellschaftlicher Grundlagen, damit wieder mehr Kinder auf die Welt kommen. Seiner Meinung nach sind Kinder heutzutage rar und gelten deshalb als kostbar. Dies hat zur Folge, dass Eltern ihren Nachwuchs überproportional beschützen und behüten.

Die Erwachsenen räumen ihnen alle Hürden aus dem Weg, damit sie bloß nie fallen oder scheitern können – und halten sie damit klein. Kindern wird jeder materielle Wunsch erfüllt, sie werden mit Konsumgütern überhäuft, was ihnen aber fehlt, ist Geborgenheit und Zuwendung.

Die dauernde Förderung des Nachwuchses sorgt aber auch für dauernde Überforderung bei Eltern, Erziehern und Kindern. Günther Loewit zeigt auf, wie die Gesellschaft zwischen Erziehungsperfektionismus und Vernachlässigung die gesunde Mitte im Umgang mit den Kindern verloren hat, und wohin der Egoismus der kinderfeindlichen Selbstverwirklichungsgesellschaft führt. Gleichzeitig macht er anhand ausgewählter Beispiele deutlich, wie Eltern wieder zu einem entspannten und befreiten Umgang mit ihren Kindern zurückfinden können.

“Kinder sicher im Internet“

Ein Leben ohne Internet, Handy und Tablet ist für viele Erwachsene kaum mehr vorstellbar. Die digitalen Medien haben deren Alltag längst erobert. Doch wie steht es mit dem Nachwuchs? Dieser ist zwar ein „digital native“ und kann mit der Technik umgehen, doch wie sieht es mit Inhalten, Fotos und Privatsphäre aus? Wie können Eltern größeres Übel verhindern und Gefahren, die im Internet lauern, besser einschätzen? Der Polizist und Gewaltpädagoge Alexander Geyrhofer liefert Eltern am Mittwoch, dem zweiten Vortragsabend auf der Buch am Bach, zu diesem aktuellen Thema nützliche Tipps und Infos. Grundsätzlich sieht es Geyrhofer nicht negativ, dass das Internet sämtliche Lebensbereiche durchdringt. Man müsse nur wissen, worauf man sich einlasse. Und daran hapert es. Viele Eltern geben ihren Sprösslingen nicht das nötige Rüstzeug mit; sie gehen damit erstens unvorbereitet und zweitens ungeschützt ins Netz.

Mit seinem Buch „Kinder sicher im Internet“ wollte der 55-Jährige den Eltern klar machen, dass man Kinder an der Hand nehmen muss. Sie können nicht alleine auf das Internet losgelassen werden, sie müssen geführt werden. Dafür müssen sich Eltern Medienkompetenz aneignen. „Ich kann Kinder nicht einfach vor den PC setzen und sich selbst überlassen. Eltern müssen sich immer für die Internetaktivitäten der Kinder interessieren. Wissen, welche Spiele sie spielen, welche Seiten sie ansehen, ein kindergerechtes Nutzerprofil erstellen etc.“, erklärt Geyrhofer. Man müsse ihnen sagen, was sie dürfen und was die nicht dürfen.

Wohin das Nichtwissen bei Kindern und Jugendlichen führt, beschreibt Geyrhofer sehr eindrucksvoll. Laut einer Umfrage glaubt fast jeder vierte Bursche, dass Nacktfotos zum Flirten dazugehören. Das ist verhängnisvoll, wie man sich nur unschwer denken kann. Junge Leute müssen wissen, dass sie verfängliche Darstellungen unter gar keinen Umständen verbreiten dürfen.

Im Anschluss an den Vortrag diskutieren Andreas Prenn (SUPRO), Landesschulsprecherin Nina Mathies und Judith Thurnher (Expertin für Informationskompetenz im aha) gemeinsam mit Alexander Geyrhofer beim „Talk am Abend“ über die Gefahren im Internet.

Andreas Prenn (Leiter der Suchprophylaxe) weiß, was Eltern über einen vernünftigen Umgang mit neuen Medien wissen sollten.

Andreas Prenn (Leiter der Suchprophylaxe) weiß, was Eltern über einen vernünftigen Umgang mit neuen Medien wissen sollten.

Judith Thurnher (Mitarbeiterin im aha im Bereich Informationskompetenz und Jugend & Politik) vermittelt Kindern in Workshops Know-how.

Judith Thurnher (Mitarbeiterin im aha im Bereich Informationskompetenz und Jugend & Politik) vermittelt Kindern in Workshops Know-how.

Nina Mathies (AHS-Landesschulsprecherin) schildert, was sie über das Thema „Sicher im Internet“ denkt.

Nina Mathies (AHS-Landesschulsprecherin) schildert, was sie über das Thema „Sicher im Internet“ denkt.

Abendvorträge

Vortrag „Wir schaffen die Kindheit ab“

Dr. Günther Loewit, Dienstag, 25. Juni 2019, 19.30 Uhr, Kulturbühne Ambach Götzis

Vortrag „Kinder sicher im Internet“

Alexander Geyrhofer, Mittwoch, 26. Juni 2019, 19.30 Uhr, Kulturbühne Ambach Götzis, mit anschließendem „Talk am Abend“; Moderation VN-Redakteur Mike Prock

Karten

5 Euro Eintritt, VN-Abonnenten erhalten zwei Tickets zum Preis von einem, Karten sind an der Abendkassa erhältlich. Die Reinerlöse gehen an die VN-Aktion „Ma hilft“.