„Im Großen und Ganzen war die Matura okay“

03.07.2019 • 12:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nina Mathies hat sich im abgelaufenen Schuljahr mit großem Einsatz für die Schüler eingesetzt. Die Matura absolvierte sie mit Auszeichnung.
Nina Mathies hat sich im abgelaufenen Schuljahr mit großem Einsatz für die Schüler eingesetzt. Die Matura absolvierte sie mit Auszeichnung.

Mathies spricht sich für Abschaffung von Mathe als Pflichtgegenstand der schriftlichen Klausur aus.

Schwarzach Sie ist noch bis Juli als Landesschulsprecherin der AHS in Amt und Würden und hat in dieser Funktion ein aufregendes Jahr hinter sich. Die Dornbirnerin Nina Mathies spricht im Interview über die diesjährige Matura, die künftige Reifeprüfung und was Schüler und Jugendliche ganz allgemein bewegt.

 

Wie ist es Dir persönlich bei der Matura gegangen?

Mathies Sehr gut. Ich habe mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Da ich schon in den vergangenen Jahren Zeugnisse mit ausgezeichnetem Erfolg hatte, wäre ein anderes Ergebnis bei der Matura zugegeben auch ein bisschen enttäuschend gewesen.

 

Wie war die Matura heuer ganz allgemein?

Mathies Wenn wir mit Mathe beginnen wollen: Die freie Zeiteinteilung für die beiden Aufgabenteile erwies sich als eine große Erleichterung. Die Möglichkeit zur Halbierung der Punkte bei einzelnen Aufgaben war rein theoretisch. Von 24 Aufgaben gab es nur zwei mit der Möglichkeit einer Punkteteilung. Die Texte im zweiten Teil waren nach wie vor sehr komplex. Bei der Deutsch-Matura gab es einen guten Themenmix. Im Fach Englisch wird die Matura künftig eine größere Herausforderung. Sie wird schwerer, was aber nachvollziehbar ist. Im Großen und Ganzen war die Matura heuer okay.

 

Was könnte man künftig bei der Reifeprüfung ändern?

Mathies Ich denke, dass im Fach Mathematik das größte Veränderungspotenzial liegt. Das Angstfach sollte nicht mehr zwingend zum Repertoire der schriftlichen Gegenstände gehören. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine Wahlmöglichkeit insofern gibt, als sich Schüler zwischen elementarer und vertiefender Mathematik entscheiden dürfen.

 

Was werden abseits der Matura die größten Herausforderungen für Schüler in den kommenden Jahren sein?

Mathies Eine der größten Aufgaben der Schüler wird sein, sich für politische Bildung und das Fach Geschichte einzusetzen. Vor allem politische Bildung ist wichtiger denn je. In einer Zeit des Rechtsrucks überall gewinnt die seriöse Informationsbeschaffung immer größere Bedeutung. Das kann man in einem Fach politische Bildung lernen.

 

Die vergangenen Monate standen im Zeichen weltweiter Schülerproteste für das Klima, Stichwort Greta Thunberg. Wie hast du diese Bewegung erlebt?

Mathies Natürlich positiv. Es ist doch beeindruckend, wenn Schüler sich für Themen wie das Klima engagieren. Und es ist sehr wichtig. Wenn Politiker nicht handeln, müssen eben junge Menschen die Initiative ergreifen. Viele Politiker, die über unsere Zukunft entscheiden, leben nicht mehr, wenn die jetzige Schülergeneration in ihr Alter kommt. An dem, was hier alles in Bewegung gekommen ist, sieht man, dass Junge sehr wohl Einfluss auf das Verhalten von Erwachsenen nehmen können. Mich hat auch gefreut, dass sich im Zuge von „Fridays for future“ andere Bewegungen herausgebildet haben: Zum Beispiel „Parents for future“ oder „Scientists for future“. Und Greta Thunberg hat bewiesen, dass sie trotz ihres Engagements ihren Pflichten in der Schule weiterhin nachgekommen ist.

 

Die Politik hat ja auch schon reagiert, oder?

Mathies Ja. Sogar die FPÖ gibt sich jetzt als Partei, die der Umwelt dienen möchte. Wenn wir gerade bei der Politik sind. Das Engagement der Schülerinnen und Schüler weltweit war auch ein deutliches Zeichen gegen die kolportierte Politikverdrossenheit der Jugend. Junge Menschen zeigen Interesse an der Politik. Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen.

 

Gibt es andere Themen, für die sich Schüler engagieren sollten?

Mathies Ja gewiss. Schüler müssen sich dafür einsetzen, dass die Wirtschaft nicht zu viel Einfluss auf Schulen nehmen darf. Sie müssen sich dafür einsetzen, dass man in Europa nicht einfach Grenzen zusperren darf. Weil das fällt uns in zehn, 20 Jahren auf den Kopf. Als Basis für all das Engagement braucht es jedoch Wissen. Und da sind wir wieder bei der politischen Bildung. Ebenso müssen Schüler weiter für ihr Recht zur Mitbestimmung in schulischen Belangen kämpfen. Noch sind sie in weitreichende Entscheidungen, die sie betreffen, zu wenig eingebunden.

 

Du bist jetzt aus der Schule draußen und bald nicht mehr Landesschulsprecherin. Wie schwer fällt dir der Abschied von dieser Funktion?

Mathies Ich werde mich weiterhin für die „Aktion kritischer Schüler“ engagieren. Zumindest im nächsten Schuljahr, auch wenn ich nicht mehr an der Schule bin. Ich bleibe mit der Schule verbunden. Mein Einsatz für die Interessen von Schülern geht weiter.

„Mathe sollte nicht mehr zwingend zum Repertoire der schriftlichen Maturafächer gehören.“