Dreifache Mutter sprang dem Tod von der Schippe

Extra / 29.12.2019 • 15:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Maria mit ihren Töchtern am Ufer des Bodensees. Das Foto entstand Anfang November, also zwei Monate nach dem Schlaganfall.
Maria mit ihren Töchtern am Ufer des Bodensees. Das Foto entstand Anfang November, also zwei Monate nach dem Schlaganfall.

Eine dreifache Mutter überlebte einen schweren Schlaganfall ohne Folgeschäden. Das hat sie als Mensch verändert.

altach Maria (43) war am 1. September dem Tod sehr nahe. Die dreifache Mutter brach nach einer Wanderung mit ihrer Familie auf einer Berghütte plötzlich zusammen. Ihr Mann Christof (54) und ihre Kinder Clara (10), Teresa (6) und Martha (4) mussten mitansehen, wie die geliebte Mama beziehungsweise Ehefrau mit dem Hubschrauber weggeflogen wurde. 45 Minuten später war die bewusstlose Frau im Krankenhaus.

Der Kampf zurück ins Leben

Als Maria nach der Not-OP aufwachte, sagte man zu ihr: „Sie hatten einen sehr schweren Schlaganfall.“ Die 43-Jährige konnte es kaum glauben. „Ich dachte mir: ,Das passiert doch nur alten Menschen.‘“ Nach dem vierten Tag im Spital erwachte ihr Kampfgeist. „Jetzt war ich bereit, mich ins Leben zurück zu kämpfen.“ Sie kämpfte nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familie: „Ich hatte Angst, dass ich meinen Kindern keine Geborgenheit mehr geben, sie nicht mehr in der Schule unterstützen und meinem Mann keine Rückendeckung mehr im Beruf geben kann. Diese großen Sorgen trieben mich an.“

Die Schlaganfallpatientin arbeitete hart, um wieder gesund zu werden, unterzog sich den verschiedensten Therapien (Physio- und Ergotherapie, Logopädie) und stellte sich nur wenige Tage nach dem Schlaganfall schon wieder geistigen Herausforderungen wie dem Lösen von Rätselaufgaben. Marias großes Glück war, dass die Rettungskette reibungslos funktionierte und sie sehr schnell auf die „Stroke Unit“ im Krankenhaus Feldkirch gebracht wurde, wo Patienten mit schweren Schlaganfällen bestmöglich behandelt werden können.

Linke Körperhälfte war gelähmt

Als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war ihre linke Körperhälfte vollständig gelähmt. „Der Notarzt beruhigte aber meinen Mann. Er sagte zu ihm, dass wir gut in der Zeit lägen und die Chancen groß seien, dass keine Folgeschäden zurückbleiben.“ Der Notfallmediziner sollte recht behalten. „Anfangs hatte ich noch Schwierigkeiten mit dem linken Fuß. Ich hinkte. Auch die linke Hand war kraftlos. Außerdem hatte ich Wortfindungsstörungen.“ Aber im Zuge der Therapien verschwanden auch diese Beeinträchtigungen.

Inzwischen hat Maria schon wieder Bergwanderungen unternommen, jede einzelne empfand die sportliche Volksschullehrerin, die als junge Frau gerne Halbmarathons lief, als Meilenstein. Denn: „Ich hatte große Angst, dass ich nie mehr wandern oder Skifahren gehen kann.“

Ihre älteste Tochter Clara verstand nicht, „dass ich wieder auf den Berg gehe. Aber ich wollte mich konfrontieren und meine Angst überwinden. Denn ich will leben, und zwar so, dass es für mich und alle gut und wertvoll ist.“

Voller Demut und zutiefst dankbar

Dass sie den schweren Schlaganfall ohne Folgeschäden überlebt hat, hat sie zutiefst dankbar und demütig gemacht. „Ich hatte eine Armada von Schutzengeln.“ Die dreifache Mutter und gläubige Frau aus Altach weiß: „Der Herrgott hätte mich genauso gut abberufen können. Aber er dachte sich wohl, dass ich auf Erden noch gebraucht werde.“ Es verändert einen als Mensch, wenn man dem Tod so nahe war und ihm gerade noch von der Schippe gesprungen ist. „Ich bin zufriedener geworden, gehe wertschätzender mit mir um und habe ein größeres Gottvertrauen.“

Gefahr ist gebannt

Ihr Körper und ihre Seele sind fast wieder heil, letztere begann aber erst zu gesunden, als man die Ursache des Schlaganfalls herausfand und sie beseitigte.

„Ich war sehr erleichtert, als man mir am 8. November bei einem Eingriff das Loch in der Herztrennwand verschloss. Die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls dürfte damit gebannt sein.“