Ohne Künstlerinnen geht nichts mehr

Extra / 29.12.2019 • 15:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die amerikanische Künstlerin Bunny Rogers auf dem Kunsthaus-Dach in Bregenz. Mit ihr beginnt das Ausstellungsjahr 2020. kub
Die amerikanische Künstlerin Bunny Rogers auf dem Kunsthaus-Dach in Bregenz. Mit ihr beginnt das Ausstellungsjahr 2020. kub

2020 geht es nicht um die Quote, Frauen garantieren die Qualität.

Bregenz, Dornbirn Seit es Museen und Kunsthäuser gibt, waren Frauen dort gut vertreten, allerdings als Motiv auf Bildern. Nicht selten hatten sie dabei möglichst wenig an und fast immer wurden sie von Männern gemalt. Daran änderte sich auch lange nachdem sich Frauen den Zugang zu Ausbildungsstätten erkämpft hatten nichts. Das Missverhältnis wird seit Jahrzehnten von Ausstellungsmacherinnen thematisiert, verändert hat sich einiges, aber noch immer zu wenig, deshalb verkündete Maria Balshaw, Chefin der Tate Britain, ab April 2019 zumindest ein Jahr lang nur Werke von Künstlerinnen zeigen zu wollen. Ihr Konzept wurde nicht nur begrüßt, sondern auch hämisch kommentiert, aber auf jeden Fall hat Balshaw damit Schlagzeilen gemacht.

Konsequent

Auch im Kunsthaus Bregenz sprach man darüber. Die Aktion erweise sich als lediglich lachhaft, wenn sich keine Folgen zeigen, wenn sie ohne Konsequenzen bleibt, bemerkte die Schweizer Künstlerin Miriam Cahn im Gespräch mit den VN. Auch andere Museen hätten schon solche Aktionen realisiert, beließen danach aber alles beim Alten. Sie bezeichnet sich als Gerechtigkeitsfeministin und fordert ein Bewusstsein für Gleichbehandlung. Vergangenes Jahr wurde mit ihren Arbeiten in Bregenz eine Einzelausstellung realisiert. Für das nun begonnene Jahr hat KUB-Direktor Thomas Trummer konsequent ein ausgeglichenes Programm angekündigt. Zwei Künstlerinnen und zwei Künstler werden jeweils das ganze Haus bespielen. Den Auftakt macht die junge US-Amerikanerin Bunny Rogers (geb. 1990), die sich mit Ritualen der Trauerarbeit auseinandersetzt. Im Herbst will die aus Kroatien stammende Künstlerin Dora Budor (geb. 1984) mit ihren Arbeiten konkret auf die architektonischen Voraussetzungen im Kunsthaus eingehen.

Das ist noch nicht alles. Ein Aspekt des Programms ist bereits sichtbar. An der zum Bodensee hin gerichteten Außenfassade des KUB hängt ein riesig aufgezogenes Werk der aus Feldkirch stammenden Künstlerin Anne Marie Jehle (1937–2000), die ein umfangreiches Œuvre mit gesellschaftskritischen Aspekten hinterließ, das viel zu wenig bekannt ist. Weiters mit ihren Arbeiten im Kunsthaus vertreten sind Anri Sala (geb. 1974) und Peter Fischli (geb. 1952).

Die große Geste

„Sie beherrscht die große Geste“, sagte Thomas Häusle, Leiter des Kunstraumes Dornbirn, über die Schweizer Künstlerin Silvie Fleury. Mit einem für das einzigartige Gebäude geschaffenen Werk, das zudem auf witzige Weise aktuelle narzisstische Tendenzen im digitalisierten Alltag aufgreift, hat sie dem Unternehmen viele Besucher beschert. Zwei Künstlerinnen mischen auch hier im neuen, vierteiligen Jahresprogramm mit. Es sind dies die deutsche Alexandra Bircken (geb. 1967), die in ihre Arbeiten meist auch biologische Aspekte einfließen lässt, und Claudia Comte (geb. 1983). Die Schweizerin zitiert und hinterfragt gerne Kunstepochen und Mechanismen in der Kunst. Das weitere Kunstraum-Programm bestreiten der Österreicher Werner Reiterer (geb. 1964) und der niederländische Objektkünstler Joep van Lieshout (geb. 1963), der meist mit seinem Team, dem bekannten Atelier Lieshout, auftritt.Das Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz hat im vergangenen Sommer der Vorarlberger Malerin Alexandra Wacker gehört.

Heuer beabsichtigt die Stadt Bregenz, dort Werke aus der eigenen Sammlung zu präsentieren. Künstlerinnen werden wohl nicht übersehen, denn sonst sticht die Sommerausstellung zu negativ aus dem Jahresprogramm heraus, das die Berufsvereinigung bildender Künstler mit Präsidentin Maria Simma-Keller verantwortet. Sie hat zahlreiche Künstlerinnen im Programm und bereitet unter anderem eine große Präsentation mit Arbeiten der deutschen Bildhauerin Ina Weber vor.

Im Vorarlberger Ausstellungsprogramm sind Künstlerinnen endlich entsprechend vertreten.