„Das Gesicht des Staates wird ein anderes sein“

Extra / 11.11.2020 • 16:10 Uhr

Die Digitalisierung wird das Gesicht der Verwaltung und der Staatsorganisation wesentlich verändern, berge aber große Chancen. „Sie hat jedoch einen massiven Zentralisierungspreis“, sagt Verfassungsjurist und Föderalismusexperte Peter Bußjäger. Es werde vermutlich nicht mehr so wichtig sein, wo etwas erledigt wird, sondern wie. Was in 75 Jahren tatsächlich Sache ist, wisse niemand. In Bußjägers Vision bleibt eine Kompetenzverteilung auf den diversen Ebenen – Bund, Land, Gemeinden – bestehen. So bewege das Thema Wohnen auch weiterhin die Menschen. Regionale Entwicklungsmöglichkeiten seien hier wichtig. „Wahrscheinlich wird in 75 Jahren das Gesicht des Staates aber ein anderes sein. Die Verwaltung wird zu einem großen Teil online stattfinden und wir werden nicht mehr genau wissen, wo derjenige ist, der unsere Angelegenheit bearbeitet.“ Persönliche Kontakte verlieren bei Amtsgeschäften an Stellenwert. „Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage.“ Bußjäger will nicht prophezeien, ob es in 75 Jahren die vier Bezirkshauptmannschaften noch gibt. Auch kann er nicht vorhersagen, wie viele Kommunen Vorarlberg noch haben wird. Aber es werde sicher nicht mehr 96 Gemeindeämter geben müssen. „Meine Vision wäre, dass wir die Gemeinden mit ihren Entscheidungskompetenzen erhalten.“ Gleiches gelte für die Landesverwaltung. „Der dahinterstehende administrative Apparat wird aber ein sehr einheitlicher sein.“