Demos und VN-Aktionen

Extra / 11.11.2020 • 15:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlberger, Liechtensteiner und Schweizer demonstrierten in Feldkirch gegen die geplante Nutzung von „schmutziger Energie“ in Rüthi (1965).
Vorarlberger, Liechtensteiner und Schweizer demonstrierten in Feldkirch gegen die geplante Nutzung von „schmutziger Energie“ in Rüthi (1965).

Die Vorarlberger Nachrichten haben die Anti-Atom-Bewegung von Anfang an unterstützt.

Vorarlberger verhinderten den Bau eines Kernkraftwerks in Rüthi. Vorarlberg trug maßgeblich dazu bei, dass das bereits gebaute AKW Zwentendorf nie in Betrieb gegangen ist. Nach dem Super-GAU in Tschernobyl startete die Aktion „Vorarlberg hilft Strahlenopfern“. Mit der Initiative „Vorarlberg gegen Atom“ sprachen sich fast 90.000 Bürger dieses Landes für den Ausstieg aus der Atomenergie aus. Die VN waren immer dabei. Als Initiatoren und als Unterstützer.

Begonnen hat es Mitte der 1960er-Jahre. In der Schweizer Gemeinde Rüthi wurde der Bau eines Heizölkraftwerks geplant, in Sennwald sollte eine Raffinerie entstehen. Die geplante Nutzung von „schmutziger Energie“ in der Nachbarschaft wurde diesseits der Grenze gar nicht goutiert. Unterstützt vom damaligen VN-Chefredakteur Franz Ortner gründeten engagierte Bürger das Aktionskomitee „Gesunder Lebensraum Vorarlberg“. Am 12. September 1965 demonstrierten in der Feldkircher Innenstadt rund 25.000 Personen aus Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz gegen die umweltfeindliche Politik der Schweizer. Keines der beiden Projekte wurde realisiert, dafür aber in Rüthi der Bau eines AKW geplant. Die VN haben dazu beigetragen, dass auch dieses verhindert wurde.

In den 1970er-Jahren entstand in Zwentendorf bei Wien ein Kernkraftwerk. Mit dem massiven Widerstand aus Vorarlberg stimmte bei der Volksabstimmung am 5. November 1978 die knappe Mehrheit für ein Nein zum AKW Zwentendorf. Somit ist das AKW Zentendorf nie ans Netz gegangen. Der Widerstand im Westen wurde von der Umweltaktivistin Hildegard Breiner und ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann Franz Viktor angeführt.

Tschernobyl und Fukushima

„Schwerster Atomunfall seit Menschengedenken“ titelten die VN am 30. April 1986. Vier Tage zuvor wurde durch die Explosion von entstehendem Wasserstoff ein Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl zerstört. Am 1. Mai zogen radioaktiv verstrahlte Wolken über Schweden, Deutschland, Österreich und die Schweiz. In Vorarlberg wurde die Bevölkerung aus Sorge wegen erhöhter Radioaktivität vor der Konsumation von frischem Gemüse und Pilzen gewarnt. Mit Unterstützung der VN wurde die Aktion „Vorarlberg hilft Strahlenopfern“ ins Leben gerufen, um vor allem leukämiekranke Kinder im Krankenhaus von Gomel therapieren zu können. Insgesamt flossen rund zwei Millionen Euro in die Hilfsaktionen für die Opfer von Tschernobyl.

Auch die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 hat die Vorarlberger bewegt. Das bewies das Resultat der VN-Aktion „Vorarlberg gegen Atomkraft“, die eine Woche nach der Reaktor-Havarie ins Leben gerufen und in den darauffolgenden Wochen von insgesamt 87.420 Personen unterzeichnet wurde. Gefordert wurden damit das sofortige Abschalten von alten Hochrisikoreaktoren in Europa, der Ausstieg aller europäischen Länder aus der Atomkraft und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Am 25. Mai 2011 brachten VN-Chefredakteur Christian Ortner und Landeshauptmann Herbert Sausgruber in Brüssel EU-Energiekommissar Günther Oettinger dieses klare Votum zur Kenntnis.

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