Mobilität im Zeichen der Klimaziele
Die Mobilität verändert sich grundlegend. Der Verbrennungsmotor verliert an Bedeutung, E-Fahrzeuge werden wichtiger, die Menschen nutzen mehr öffentliche Verkehrsmittel. Das ist die Erwartung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zur Zukunft der Mobilität – zumindest, wenn Österreich die Klimaziele ernst nehme, erklärt Ulla Rasmussen, VCÖ-Expertin für Energie, Klima, Ressourcen und Gesundheit. Die Bundesregierung habe sich die Klimaneutralität bis 2040 auf die Fahnen geschrieben. „Es wird sich also viel ändern müssen.“
Bei den Neuzulassungen von Pkw lasse sich bereits ein Trend Richtung Elektrofahrzeuge ausmachen, sagt Rasmussen. Schon jetzt zählt Vorarlberg bei den Neuzulassungen neben Oberösterreich zu den Spitzenreitern unter den Bundesländern: Sechs Prozent der im ersten Halbjahr 2020 neu zugelassenen Pkw fahren nur mit Strom. Der österreichweite Durchschnitt liegt bei 4,3 Prozent. „Sollte Österreich das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ernst nehmen, muss es spätestens 2028 ein Aus für Neuzulassungen der Verbrenner-Pkw geben, damit 2040 nicht nur Neuzulassungen, sondern auch der Bestand emissionsfrei werden kann“, erklärt Rasmussen. Dieser Feststellung liege die Annahme zugrunde, dass ein Auto etwa zwölf Jahre lang fährt.
Dass auch Wasserstoffmotoren eine ähnlich wichtige Rolle wie Elektroantriebe spielen werden, bezweifelt die Expertin. In der Wasserstoff-Strategie der EU-Kommission würden mehrere Einsatzmöglichkeiten genannt – der Pkw-Bereich sei nicht dabei. Der Fokus liegt vor allem auf Schifffahrt und Flugverkehr. Aus der Sicht des VCÖ eine gute Nachricht. Es sei nicht nur von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen, sondern nur von „low carbon“ die Rede. Zudem müsse auch mit erneuerbarer Energie sorgsam umgegangen werden.
Öffentliche Verkehrsmittel und Mitfahrgelegenheiten sollten in Zukunft mehr genutzt werden, besser noch das Fahrrad, betont Rasmussen. Wie der VCÖ kürzlich berechnet hat, stehen die Österreicher im EU-Vergleich gut da: Durchschnittlich werden fast 3500 Kilometer pro Person und Jahr mit Öffis zurückgelegt. Nur Tschechien hat einen höheren Wert. Der EU27-Schnitt liegt bei 2170 Kilometern. Mit dem Auto werden knapp 8900 Kilometer gefahren. In ländlichen Regionen spiele das Auto auch in Zukunft eine größere Rolle als in den Städten.
Was autonomes Fahren angeht, verweist die Expertin auf unterschiedliche Stufen, die zum Teil schon umgesetzt werden. Als Beispiel nennt sie die fahrerlose Metro in Kopenhagen. Bis zur Vollautomatisierung von Pkw oder Lkw werde es lange dauern. Zudem verweist Rasmussen auf Risiken. Ohne die notwendigen Rahmenbedingungen führe auch das autonome Fahren zu mehr Verkehrsbelastung und Schadstoffausstoß.