Organe aus dem 3D-Drucker

Extra / 11.11.2020 • 16:09 Uhr

Die Menschen werden zwar älter, nicht aber unbedingt gesünder. Das sagt der Public-Health-Experte Armin Fidler über den zukünftigen Gesundheitszustand der Bevölkerung. Ihre Lebenserwartung wird steigen, aber nicht zwingend die Lebensqualität. Um daran etwas zu ändern, müsse mehr an Prävention und Gesundheitskompetenz gearbeitet werden, betont der Mediziner und nennt Beispiele: „Bei den Risiken wie ungesunde Ernährung, Alkohol, Rauchen und zu wenig Bewegung sind wir als reiches und gut vernetztes Land im internationalen Vergleich nicht so gut, wie wir sein könnten.“

Für die kommenden 75 Jahre macht Fidler mehrere Trends aus, etwa in der technologischen Entwicklung in der Medizin. Zukünftig könnte es beispielsweise möglich sein, dass die benötigten Medikamente direkt auf die jeweilige Krankheit zugeschnitten werden, wie bereits heute in manchen Bereichen der Onkologie. Schon jetzt gebe es Versuche mit Kontaktlinsen, die aus der Tränenflüssigkeit den Blutzuckergehalt von Diabetikern messen können. Dem Experten für öffentliche Gesundheit zufolge ist es auch denkbar, dass die Menschen künftig eine Kapsel schlucken, die aus dem Darm Fotos, Proben und chemische Analysen liefert.

Apps, die Fotos von Leberflecken direkt an den Hautarzt zur Analyse schicken, sind bereits in Anwendung. Bei der Züchtung von Organen aus Stammzellen gebe es großes Potenzial. „Möglicherweise lässt sich auf diese Weise in Zukunft eine neue Leber oder eine neue Niere herstellen oder Organteile mit dem 3D-Drucker ausdrucken.“

Es sei wahrscheinlich, dass Epidemien oder Pandemien wie die Coronakrise auch in den nächsten Jahrzehnten eine Rolle spielen. Fidler erinnert daran, dass die Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht davon verschont geblieben ist. Stichwort: Ebola, SARS, MERS, Schweinegrippe, Vogelgrippe oder AIDS. In Zukunft könnten sich die Herausforderungen aber verschärfen. „Die Bevölkerung wächst, immer mehr Menschen leben in Städten und nah beieinander. Diese Problematik sehen wir auch beim Coronavirus: Das Infektionsgeschehen konzentriert sich in Vorarlberg fast nur auf die stark bevölkerte Stadtregion Rheintal.“

Als globales Risiko sieht der Gesundheitsexperte die Zunahme von Antibiotikaresistenzen gegen bakterielle Infektionen, welche derzeit schon alarmierend für die Medizin seien.

„Mit der Coronakrise sind wir eigentlich noch relativ glimpflich davongekommen“, betont Fidler. Die Sterblichkeitsrate sei vergleichsweise gering. So gebe es Epidemien mit 40 Prozent Mortalität. Für die Zukunft wünscht sich der Experte eine bessere Reaktion auf weltweite Gesundheitskrisen. „Wir müssen sensibilisierter sein und dürfen uns nicht mehr so lange in falscher Sicherheit wiegen.“