Positive Akzente für Vorarlberg

Extra / 11.11.2020 • 15:22 Uhr
Heuer ging der Preis an Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig. Damit wurde der Wert kulturellen Schaffens gewürdigt.
Heuer ging der Preis an Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig. Damit wurde der Wert kulturellen Schaffens gewürdigt.

Seit 1970 wird jährlich der Dr.-Toni-Russ-Preis und -Ring verliehen.

„Dieser Preis ist der Nobelpreis Vorarlbergs“, sagte der damalige Landeshauptmann Martin Purtscher vor vielen Jahren bei der Verleihung des Dr.-Toni-Russ-Preises und -Ringes. Er unterstrich damit die große Bedeutung dieser Auszeichnung, die seit dem Jahr 1970 jährlich im Gedenken an den am 2. September 1969 verstorbenen Herausgeber und Chefredakteur der VN, DDr. Toni Russ, verliehen wird. Nach dem Tod von Frau Rosa Russ wurde der Preis, der ihr immer sehr am Herzen gelegen ist, in Dr.-Toni-und-Rosa-Russ-Preis und -Ring umbenannt. Der Jury gehören die Redakteure, der Herausgeber der VN sowie die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger an. Der Preis wird Persönlichkeiten aus Vorarlberg verliehen, die durch ihre vorbildliche Privatinitiative positive Akzente für das Land und seine Menschen setzen. Die Familie der Russ-Preisträger setzt sich aus Persönlichkeiten zusammen, die in fast allen Lebensbereichen ein vorbildliches Engagement gezeigt haben.

Verdiente Mitbürger

Der frühere Präsident der Bregenzer Festspiele, Günter Rhomberg, erinnert sich: „Obwohl in den Sechziger- und Siebzigerjahren oftmals nicht der Meinung der Redaktion der VN, habe ich die Auszeichnung verdienter Mitbürger, vor allem aus dem Sozialbereich, für richtig und wichtig gehalten. Dabei wurden engagierte und zumeist ehrenamtlich tätige Menschen unseres Landes, welche im Stillen wirkten, vor den Vorhang geholt. Dass ich Ende der Achtzigerjahre von Herrn Eugen Russ gefragt wurde, ob ich selbst bereit wäre, diesen Preis entgegenzunehmen, überraschte mich sehr. Hatte ich mich doch in Fragen der Neuorganisation der Bregenzer Festspiele in einer Gegenposition zu den VN befunden. Die Begründung für mich war insofern einleuchtend, als die Redaktion die Absicht hatte, jemanden aus dem Kulturbereich auszuwählen. Ich habe es dann auch als große Ehre empfunden, im Jahre 1990 in den Kreis der Preisträger und honorigen Persönlichkeiten innerhalb der Vorarlberger Zivilgesellschaft aufgenommen zu werden.“

Bertl Widmer war ehemaliger Geschäftsführer der Julius Blum GmbH in Höchst. Er meint: „Ich erinnere mich sehr gerne an die Verleihung des Toni-Russ-Preises und -Ringes. Es war ein öffentlicher Schluss für ein gelungenes und intensives Berufsleben. Meinem Laudator, Pater Dr. Herwig Büchele SJ, gab es die Möglichkeit, über den sozialen Nutzen von Arbeit und Führung zu referieren. Ich selbst habe die Auszeichnung immer als Wertschätzung für die gesamte Belegschaft aufgefasst, denn Impulse kann man einzeln setzen, aber für das Umsetzen braucht es alle. Ich glaube, dass dies alles auch im Sinne meines früheren Mentors Kaplan Emil Bonetti, selbst auch Toni-Russ-Preisträger, war, der mich in jungen Jahren zu Blum vermittelte.“

Gute Entscheidungen

Architekt Hermann Kaufmann stellt fest: „Ich war ursprünglich skeptisch zum Toni-Russ-Preis eingestellt. Jetzt hat sich mein Bild klar geändert, seit ich an den Diskussionen um die nächsten Preisträger teilgenommen habe. Dieses sehr offene Verfahren garantiert gute Entscheidungen. Aus meiner Sicht ist es gelungen, Personen auszuzeichnen, die trotz der höchsten Ehre nicht abgehoben sind und einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag in ihrem Wirken leisten. In einem solchen Zirkel mit dabei zu sein, ist erfreulich. Ich habe bemerkt, dass die Auszeichnung sehr stark zur eigenen Glaubwürdigkeit beiträgt. Gerade bei einem Thema, bei dem es unzählige ,Fachleute‘ gibt, werden die Diskussionen respektvoller und zielführender. Auch stärkt eine solche Auszeichnung einem das Rückgrat, und man wird gehört, wenn es darum geht, notwendige und kritische Positionen zu vertreten.“

Gemeinwohl

Konrad Lerch ist Gründer des Götzner Mehrkampf-Meetings. Heute sagt er: „Bei Betrachtung der Galerie der Preisträger, die alle einen großen Beitrag zum Gemeinwohl geleistet haben, erfüllte es mich bei der Verleihung 1998 mit Freude und Stolz, dass ich diese hohe Auszeichnung erfahren durfte. Der Dr.-Toni-Russ-Preis war für mich auch ein Zeichen hoher Wertschätzung für das gesamte OK-Team, welches seit der Gründung der Veranstaltung 1975 ehrenamtlich tätig ist. Die hohe Präsenz nach der Verleihung in den VN und anderen Medien hatte zur Folge, dass weite Kreise der Bevölkerung das Meeting hautnah erleben wollten.“

„Der Preis war für mich auch ein Zeichen der hohen Wertschätzung für das gesamte OK-Team.“