„Zukunftsenergie: Wasserstoff!“

Extra / 19.11.2020 • 10:43 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
BWS: Neben der Umstellung der Essgewohnheiten soll mit dem Moor-Projekt den Schüler(inne)n der Wert heimischer Ökosysteme bewusst gemacht werden.
BWS: Neben der Umstellung der Essgewohnheiten soll mit dem Moor-Projekt den Schüler(inne)n der Wert heimischer Ökosysteme bewusst gemacht werden.

Ausgezeichnet wurden die HTL Dornbirn, die Bezauer Wirtschaftsschule und die HTL Rankweil.

DORNBIRN, BEZAU, RANKWEIL „Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Um diesen grünen Energieträger auch Privathaushalten zugänglich zu machen, ist ein effektives und leistbares Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff erforderlich. Gerade in Kombination mit neuen – und auch bereits bestehenden – Photovoltaikanlagen entsteht ein großes Potenzial“, heißt es in der Projektbeschreibung von Leah Hartmann und Anna-Lena Schleszies von der HTL Dornbirn. „Bei der Wasserelektrolyse ist derzeit kostenintensives Platin im Einsatz, das weltweit nur an wenigen Standorten ineffizient, bei nur 0,0006 % Platinanteil im Erz, unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut wird. Bislang gibt es keine andere zufriedenstellende Lösung. Die von uns verwendeten leitenden Fasern bilden eine günstige Alternative bei der Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse, da sie im Vergleich zu herkömmlichen Elektrodenmaterialien eine größere Oberfläche aufweisen. Durch den Verbund von erneuerbaren Energien mit der Wasserelektrolyse kann der erzeugte Gleichstrom direkt nach der Energiegewinnung weiterverwendet werden und es entfällt die verlustbehaftete Gleichrichtung von Wechselspannung. Somit kann überschüssige Energie aus sonnigen Perioden durch die Elektrolyse in chemische Energie, die im Wasserstoff gespeichert wird, umgewandelt und bei Bedarf abgerufen werden. In weiterer Folge kann durch bereits bestehende Verfahren beispielsweise Methan – oder durch eine Brennstoffzelle – elektrischer Strom erzeugt werden. Bisher wurden aussagekräftige Ergebnisse im kleinen Maßstab erzielt und es wird zuversichtlich an Optimierungen und einer vergrößerten Anlage gearbeitet. Wir sind getrieben von der Intention, mit diesem Projekt unseren Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft zu leisten.“ Die Freude über den VN-Klimaschutzpreis 2020 ist groß: „Unsere Zukunft verbessern und die Umwelt schützen, damit auch unsere Nachkommen ein erstrebenswertes Leben auf unserem Planeten führen können. Das ist unsere Motivation und unser Ziel. Um es zur Realität zu machen, braucht es einen Beitrag jedes einzelnen Mitmenschen. Es ist eine Ehre und bedeutet uns von Green H2 viel, eine Auszeichnung wie den Klimaschutzpreis zu erhalten. Zugleich wird uns die erhoffte Möglichkeit geboten, über diese große Plattform unsere Nachricht in die Welt zu tragen: Lasst uns loslegen und gemeinsam eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft gestalten!“

Zwei Bezauer Projekte

Ein unterschätzter Verbündeter im Kampf gegen die Klimaerwärmung und einem Bregenzerwälder Pionier auf die Finger geschaut: In der Bezauer Wirtschaftsschule steht im Naturwissenschaftsunterricht von Mag. Johannes Kreutziger Freilanddidaktik hoch im Kurs. Wenige Gehminuten von der Schule entfernt lernen die Schüler(innen) der HTL und GASCHT, wie man Biogemüse im Bregenzerwald anbaut. Die solidarische Landwirtschaft in Bezau ist Versorger von 20 Familien und ein lebendiges Beispiel für nachhaltigen Tourismus. Christoph Kaufmann ist der Gründer von „Land.Wird“ und Projektpartner der Schule. Die Schüler(innen) packen in regelmäßigen Abständen beim Gemüseanbau an, setzen Knoblauch, ernten Karotten und graben Kartoffeln aus. Dabei eignen sie sich fundamentales Wissen über den Gemüseanbau und die unterschiedlichen Pflanzenfamilien an. Spielerisch bekommen sie tiefe Einblicke in die Planung, Organisation, Umsetzung und Schwierigkeiten eines solch ambitionierten Projektes. Die jungen Köche verarbeiten das frisch geerntete Biogemüse in der Schulküche, lernen dabei die hohe Qualität der Ware zu schätzen und werden kreativ bei der Umsetzung von saisonalen und regionalen Gerichten.

Heimische Ökosysteme

Im Kampf gegen die Klimaerwärmung reicht jedoch die Umstellung der Essgewohnheiten und Verzicht auf Importprodukte nicht aus! Es ist nötig, das Bewusstsein der Jugendlichen für die einheimischen Ökosysteme und deren Bedeutung für den Umwelt- und Klimaschutz zu stärken. Dies gelingt am besten in der Natur. Das Projekt „Vielfalter“, gestaltet von Naturführer Lukas Rinnhofer mit der inatura als Projektpartner, bringt Schwung in die Klassen der GASCHT. Bei einer Exkursion zum Hochmoor in Reuthe werden selbstständiges und forschendes Lernen mit dem Klimaschutz in Einklang gebracht. Obwohl Moore nur 3% der Landoberfläche ausmachen, speichern diese doppelt so viel CO2 wie sämtliche Wälder zusammengenommen. Leider werden Moore jedoch besonders stark von den Folgen des Klimawandels und der menschlichen Nutzung getroffen. Daher ist es essenziell, die verbleibenden Moorflächen in Vorarlberg zu schützen und Renaturierungsmaßnahmen zu setzen, bevor es für die Rettung dieser gewaltigen CO2-Senken zu spät ist.

„Der Klimaschutzpreis ist für mich besonders wichtig, um den Einsatz für den Klimaschutz zu würdigen“, sagt Mag. Johannes Kreutziger von der BWS. „So werden ,Best Practice Beispiele‘ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich hoffe, dass die Projekte andere Menschen inspirieren, aktiven Klimaschutz zu betreiben! Denn nur so können wir die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels abschwächen und zukunftsfähige Anpassungsstrategien entwickeln.“

Handlungsmöglichkeiten

Im SOPK-Unterricht (Soziale und personale Kompetenz) hat die Klasse 2bhbt 2019/20 der HTL Rankweil unter der Anleitung ihrer Lehrpersonen Mirijam Geßler und Andreas Neyer in mehreren Kleingruppen ein Videoprojekt zum Thema „Klimawandel – Klimaschutz“ im eigenen Lebensumfeld durchgeführt.

Ziel war es, im Präsenzunterricht ein Konzept für ein Video sowie einen Plan zur konkreten Umsetzung zu erstellen und das Drehen dann komplett in der Freizeit zu erledigen. Die einzigen Vorgaben seitens der Lehrkräfte waren das Thema sowie der Auftrag, ein Video aus der persönlichen Lebensrealität der SchülerInnen dazu zu drehen. Als Produkt sollte sodann ein Videobeitrag entstehen, in welchem sich die Schüler(innen) mit dem Themenkomplex Klimawandel und Klimaschutz kritisch auseinandersetzen und ihren eigenen positiven wie negativen Beitrag reflektieren. Die Auswahl der Ausrichtung, Inhalte, Zielgruppe etc. oblag dabei komplett den Schüler(inne)n, um sie in ihrer Kreativität und Meinungsbildung nicht einzuschränken. Das eingereichte Projekt von Kumsal Boyraz, Merve Celikkaya, Eva Glettler und Laura-Sophie Schmid widmet sich dem Thema Müllvermeidung als Beitrag zur Verminderung der eigenen CO2-Emmissionen und zeigt einige einfache Handlungsmöglichkeiten auf, die Jugendliche in ihrem Alltag haben, um umwelt- und klimabewusster zu leben. Andreas Neyer: „Für mich persönlich ist der VN-Klimaschutzpreis ein gelungener Anreiz für die Menschen in Vorarlberg, insbesondere für Jugendliche, sich mit dem komplexen Thema Klimaschutz auseinanderzusetzen, die Dringlichkeit zu erfassen und vielleicht sogar die eine oder andere Strategie zu entwerfen, unseren negativen Einfluss auf das Klima zu reduzieren.“

„Der Klimaschutzpreis macht Best-Practice-Beispiele der breiten Öffentlichkeit zugänglich.“

„Zukunftsenergie: Wasserstoff!“
„Zukunftsenergie: Wasserstoff!“
„Zukunftsenergie: Wasserstoff!“
Leah Hartmann und Anna-Lena Schleszies von der HTL Dornbirn entwickelten ein Verfahren zur Wasserstoffherstellung für Privathaushalte.
Leah Hartmann und Anna-Lena Schleszies von der HTL Dornbirn entwickelten ein Verfahren zur Wasserstoffherstellung für Privathaushalte.
HTL Rankweil: Das Projekt von Kumsal Boyraz, Merve Celikkaya, Eva Glettler und Laura-Sophie Schmid zum Thema Müllvermeidung zeigt einfache Handlungsmöglichkeiten auf, um umwelt- und klimabewusster zu leben.
HTL Rankweil: Das Projekt von Kumsal Boyraz, Merve Celikkaya, Eva Glettler und Laura-Sophie Schmid zum Thema Müllvermeidung zeigt einfache Handlungsmöglichkeiten auf, um umwelt- und klimabewusster zu leben.

JURYBEGRÜNDUNG

Für Leah Hartmann und Anna-Lena Schleszies ist Wasserstoff der Energieträger der Zukunft, der Privathaushalten mit dem von ihnen entwickelten, effektiven und leistbaren Herstellungsverfahren zugänglich wird.

Die Schüler(innen) der Bezauer Wirtschaftsschule engagieren sich einerseits im Praxisunterricht fürs „Ökosystem Moor“ und zudem für nachhaltige, solidarische Landwirtschaft, z. B. mit „Biogemüse für Tourismusbetriebe“.

Mit dem Video „Klimawandel-Klimaschutz“ der 2bhbt-Klasse der HTL Rankweil kann sich jede(r) mit dem Themenkomplex kritisch auseinandersetzen und den eigenen positiven oder negativen Beitrag reflektieren.

Partnerstatement

Zu keiner Zeit war das Bewusstsein für Belange des Klima- und Umweltschutzes so hoch wie jetzt. Gerade im Energiebereich vergeht kein Tag, an dem das Engagement der Menschen – ob Alt

oder Jung – nicht deutlich spürbar wäre. Wir freuen uns, wenn das Gefühl der Verantwortung durch große und kleine Initiativen immer breiter verteilt wird. Mit dem Klimaschutzpreis streuen wir Ideen, die durch die breite Öffentlichkeit hoffentlich Nachahmung finden. Wir gehen gerne mit guten Beispielen voran. Helmut Mennel, Mitglied des Vorstands illwerke vkw

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