“Absolut unseriös und unverantwortlich”

Extra / 10.11.2022 • 18:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Sachen Energiewende kritisiert Manager Wolfgang Eder die Politik: „Es bringt nichts, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen.“
In Sachen Energiewende kritisiert Manager Wolfgang Eder die Politik: „Es bringt nichts, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen.“

voestalpine-Aufsichtsratschef Wolfgang Eder über Resignation in der Krise und eine nachhaltige Industrie.

Bregenz Wolfgang Eder ist einer der bekanntesten Manager Österreichs – einer der wenigen, deren Name auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff ist. Eder war über 40 Jahre in der voestalpine tätig, davon 15 Jahre (2004 bis 2019) als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Konzerns. Im Juli 2019 wurde Eder als Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt. Nach einer verlängerten Cooling-off-Periode von knapp drei Jahren übernahm er heuer im Frühjahr den Vorsitz im Kontrollgremium des weltweit tätigen Stahl- und Technologiekonzerns. Der Wirtschaftskapitän ist aber nicht nur als erfolgreicher Führer dieses österreichischen Industrieflaggschiffs ein Begriff: Er nahm und nimmt auch klar Stellung zu wirtschaftspolitischen Agenden, was ihm in der Politik wie auch in der Wirtschaft nicht nur Freunde macht.

„Gefährliche Lage“

Beim Vorarlberger Wirtschaftsforum brach Eder eine Lanze für die Globalisierung und unterlegte sein Plädoyer auch mit Zahlen: Waren es vor 20 Jahren noch 38 Prozent der Menschen, die in extremer Armut leben, waren es 2019 nur noch 8,3. „In der Pandemie ist die Armut wieder gestiegen“, stellt er fest und warnt davor, sich wieder zurückzuentwicklen. „Der Rückzug in den Hinterhof hat keine Zukunft.

Eder sieht aber auch die gefährliche Lage, die durch die derzeitige multiple Krise entstanden ist. „Die schwerste aller Fragen, die man derzeit stellen kann ist, ist die Frage, wie man aus den derzeitigen Krisen kommt. Das Problem, das wir im Moment haben, entsteht durch die Überlagerung von Krisen verschiedenster Art: Der Krieg in der Ukraine, die Pandemie, die immer noch da ist, dann gibt es eine weltpolitische Verschärfung zwischen China und den USA. Es ist in Wirklichkeit eine Mischung aus dramatischen Krisensituationen ist und daraus en5twickeln immer mehr Menschen resignative Züge. Daraus entsteht eine sehr breite Negativstimmung, die bis in die Unternehmen hineinschwappt“, analysiert er.

„Wir müssen schauen, dass wir möglichst schnell die Knöpfe finden, an denen wir drehen müssen, um eine Trendumkehr einzuleiten. Da kann man jetzt hoffen, dass im nächsten Jahr die Wende kommt, dass die Zinsen nicht mehr steigen, dass die Inflation zurückgeht. Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben, rät er, nicht resignieren. „Die Dinge werden sich ändern. Aber Unterlegen mit Fakten kann ich das nicht. Für die Menschen ist es eine wirklich schwierige Situation“.

Dass eine Energiewende notwendig ist, ist für ihn klar. „Ich war immer ein Verfechter einer ganz konsequenten Nachhaltigkeitspolitik, ich habe aber versucht, der Politik klar zu machen, dass das nicht von heute auf morgen funktioniert. Wir reden von vielen Lebensbereichen, von notwendigen technologischen Neuentwicklungen. Es kann vieles am Papier entwickelt werden, aber ob es funktioniert sieht man erst in der Praxis.“ Es bringt überhaupt nichts den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, weil die Firmen einfach über den Schatten ihrer Verantwortlichkeit, dass die Dinge auch funktionieren, nicht drüberspringen können. Das wäre absolut unseriös, unverantwortlich und auch ununternehmerisch, wenn ich auf Basis von Ideen Milliardenbeträge investieren würde.“

Zur Person

Wolfgang Eder
Vorsitzender Aufsichtsrat Voestalpine AG, Vorsitzender Aufsichtsrat

Geboren 5. Februar 1952 in Steinbach am Attersee

Ausbildung 1976 Jusstudium an der Universität Salzburg,
Promotion zum Dr.jur., Studienassistent am Institut für österreichisches und internationales Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Salzburg

Laufbahn 1977 bis 1978 Experte für Gesellschaftsrecht  bweim IMAS-Institut, 1978 Eintritt in VOEST, ab 1982 Prokurator, 1988 Bereichsleiter (Konzernkoordination, Recht und Beteiligungen, internationale Beziehungen, Umweltbelange), Generalsekretär Voest-Alpine Stahl AG. Ab 1995 Mitglied des Vorstandes, 2001 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender, ab 1. April 2004 Vorstandsvorsitzender voestalpine AG. 2014 bis 2016 Präsident des Weltstahlverbandes 

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