“Die Energiewende können wir schaffen”

Extra / 10.11.2022 • 17:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Eveline Steinberger ist es wichtig, dass Technologien mit einfacher Anwendbarkeit und Einfachheit punkten.
Für Eveline Steinberger ist es wichtig, dass Technologien mit einfacher Anwendbarkeit und Einfachheit punkten.

Wieso Energie- und Start-up-Expertin Eveline Steinberger für die Zukunft sehr  optimistisch ist.

Bregenz Eveline Steinberger ist Expertin in Sachen Energie. Als Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von „The Blue Minds Company“ beschäftigt sie sich mit den Fragen der globalen Energiewende, der Entwicklung von Geschäftsmodellen auf Basis der Digitalisierung und mit Investitionen in Start-ups. Zuvor war sie 20 Jahre in verschiedenen leitenden Positionen in den Bereichen Energie und Infrastruktur mit internationaler Verantwortung tätig, unter anderem beim Verbund und bei Siemens.

In Krisen stecken Chancen

Die derzeit herrschende Energiekrise bereitet aber auch Steinberger Sorgen. Denn mit ihrem Unternehmen hat unter anderem in den Solarglas-Produzenten Interfloat aus Brandenburg investiert. „Dort ist man als Produzent von den hohen Energiepreisen natürlich massiv betroffen. Ich hoffe aber, dass wir hier rausfinden. Krisen verändern die Player am Spielfeld. Das ist traurig. Aber dadurch entstehen auch neue Chancen. Wer Innovation bringt, hat die Nase vorne“, so die Unternehmerin.

Glas immer halb voll

Steinberger ist aber fest davon überzeugt, dass die Energiewende zu schaffen ist. „Ich bin jemand, der das Glas immer halb voll sieht. Wir müssen nur diese Technologien, die teilweise schon marktfertig sind, in die Märkte bringen. Dazu braucht es mehr Unterstützung, durchaus auch von politischer Seite. Im jetzigen Umfeld gibt es aber keinen Grund zu sagen, das schaffen wir nicht“, so Steinberger.

Vieles möglich

Von technologischer Seite sei heute schon ganz vieles möglich. „Man wundert sich eher, dass manche Technologien nicht mehr Verbreitung finden. Gerade die Kombination von Künstlicher Intelligenz und Internet der Dinge hat im Energiebereich schon begonnen, vieles zu verändern“, so die Unternehmerin, die auch an die Elektromobilität glaubt. „Bei Pkw kann man das jetzt schon sagen, dass E-Mobilität nicht nur eine Nische bleiben wird. Wo wir sicherlich noch Nachholbedarf haben, ist die Ladeinfrastruktur.“

Aber generell seien im Transportbereich auch andere Technologien vielversprechend. „Grüner Wasserstoff macht beispielsweise im Schwertransport viel Sinn. Genauso spielen Bio-Fuels eine Rolle. Dadurch können Abfälle in Treibstoff transformiert werden.“

Unterschied zu Israel

Beim Wirtschaftsforum sprach Steinberger auch über die Unterschiede zu Israel, wo die Blue Minds Company ein Büro hat. „Dort herrscht eine Fehlerkultur, in der man auch scheitern darf. Und es gibt keine hierarchischen Strukturen. Man kann an jede Türe klopfen.“

Bei Start-ups ist Eveline Steinberger als Investorin vor allem das Mindset, also die Mentalität und Denkweise, der Gründer wichtig. „Man muss sehr agil sein, denn es läuft nicht immer nur in eine Richtung. Da braucht es Charakterstärke um das durchzuhalten. Wichtig ist mir auch Diversität, also die unterschiedlichsten Qualifikationen mit im Team zu haben.“

Zur Person

Eveline Steinberger

Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin The Blue Minds Company

Geboren 27. Jänner 1972

Ausbildung Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Karl-Franzens Universität Graz, Executive Management Studium an der Insead, Frankreich.

Laufbahn leitende Positionen in den Bereichen Energie und Infrastruktur (Aufbau des Endkundengeschäfts für Verbund sowie das Energiegeschäft für Siemens in CEE); Mitinitiatorin der Innovationsdrehscheibe WeXelerate, Aufsichtsratsmitglied der Unicredit Bank Austria AG, der deutschen BayWa r.e AG und der Evergreen Privatstiftung; 2014 Gründung von The Blue Minds Company

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