Affenzauber serviert mit Tarantel

13.05.2018 • 16:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die beiden Autoren Christian Futscher (l.) und Jürgen Thomas Ernst.
Die beiden Autoren Christian Futscher (l.) und Jürgen Thomas Ernst.

Schüler eröffnen mit ihrem Schulhausroman die 25. Literaturtage im Theater am Saumarkt.

Feldkirch Mit Büchern und Lesen hat Niklas Hipp eigentlich nichts am Hut. Daraus macht der Zwölfjährige keinen Hehl. Die Idee, dass seine Klasse, die 2a der Mittelschule Feldkirch Oberau, am Projekt „Schulhausroman“ teilnehmen würde, fand der Bub erstmal nur langweilig. Jetzt aber sitzt er stolz auf der Bühne mit einem breiten Grinsen im Gesicht und liest aus dem Roman, an dem er selbst mitgeschrieben hat. „Das mit der Tarantel im Kapitel Affenzauber kommt von mir“, verkündet der Schüler freudig und bejubelt mit seinen Mitschülern das Glück, erstmals das eigene Buch in Händen zu halten.

Nicht minder begeistert von diesem besonderen Moment zeigen sich auch die „Größeren“ aus der DL2-Klasse der Polytechnischen Schule Feldkirch. Sie haben ebenfalls mitgemacht und eine Geschichte um einen Prinzen, der am liebsten Veggie-Leberkässemmel rot-weiß-grün isst, und um Liebe und Liebeskummer gestrickt. Schulhausroman ist ein Projekt, das von Richard Reich und Gerda Wurzenberger 2005 in der Schweiz ins Leben gerufen und nun erstmals auch in Vorarlberg umgesetzt wurde. Zur Präsentation sind die beiden eigens ins Theater am Saumarkt gekommen und freuen sich, dass die erste eigene Lesung der Schüler nicht nur der krönende Abschluss, sondern auch der Auftakt der 25. Feldkircher Literaturtage ist. Diese stehen heuer unter dem Titel: ‚Was Literatur kann’. Und sie kann sehr viel, wie die Schüler in nur einer Stunde dem Publikum bewiesen.

Blödsinn machen

„Was die Literatur aber am besten kann, ist, sie macht unglaublich viel Spaß“, sagt Autor Christian Futscher, der gemeinsam mit Autor Jürgen Thomas Ernst, die Schüler beim Schreiben begleitet hat. „Wenn die Schüler feststellen, dass Blödsinn möglich ist und nicht braves Aufschreiben im Vordergrund steht, dann können sie ihre Fantasie sprudeln lassen und es entstehen witzige Sachen.“ Tatsächlich amüsierten sich die Besucher, darunter auch Stadträtin Ingrid Scharf, Frauke Kühn und  Marie-Rose Rodewald-Cerha von literatur:vorarlberg netzwerk,  Autorin Erika Kronabitter und  Sabine Benzer (Theater am Saumarkt) nicht nur über die lustigen Ideen in den Geschichten, sondern staunten auch über die Kreativität, die so zutage kam.

Die Theorie dazu kam im Anschluss mit einem Vortrag von Johannes Odendahl (Uni Innsbruck). Um die Frage „Wie kann man Literatur in die Schule bringen“ drehte sich die abschießende Diskussion, an der auch Andreas Schumann (PH Vorarlberg) teilnahm. Sie bietet, wie es Odendahl zuvor formulierte, die Möglichkeit, aus der Welt der Zwänge aufzutauchen und Luft zu holen. Luft, die angereichert ist vom Spiel mit der Sprache, vom Ausloten zwischen Sinn und Unsinn und in der Realität und Fantasie miteinander verschmelzen. Oder wie es Niklas Hipp treffend formuliert: „Ich tüftle gerne, jetzt weiß ich, dass man das auch beim Schreiben kann.“ CRO

Den ersten eigenen Roman in Händen: Ein ganz besonderer Moment für Alina Illmer, Borja Fermin und Niklas Hipp (v.l.n.r). Marion Hofer
Den ersten eigenen Roman in Händen: Ein ganz besonderer Moment für Alina Illmer, Borja Fermin und Niklas Hipp (v.l.n.r). Marion Hofer