Eine Kabarettistin über ihren Draht nach oben

Vorarlberg / 14.03.2019 • 17:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gabi Fleisch erzählte aus den Stationen ihres Lebens und wie die Jungschar sie auf die Bühne brachte. Christof Egle
Gabi Fleisch erzählte aus den Stationen ihres Lebens und wie die Jungschar sie auf die Bühne brachte. Christof Egle

Auftakt zu Götzner Fastenpredigten mit Gabi Fleisch.

Götzis Die Bühne ist ihr Leben und ihr Leben ist eine Bühne. Die Rede ist von der seit vielen Jahren erfolgreichen Kabarettistin Gabi Fleisch. Einmal ruhigere Töne schlug die 59-jährige bei der ersten Götzner Fastenpredigt 2019 vergangenen Sonntag an. Fleisch stammt aus einer Geschäftsfamilie. Glaube und Religion wurden in Form von Kirchgängen und einem „Vater unser“ vor dem Essen gelebt, die Familie war aber nicht streng religiös. Vielmehr waren Glaube, Kirche und Gott etwas Selbstverständliches, wie Fleisch rückblickend analysiert. Laut eigener Aussage hatte sie eine glückliche Kindheit, was aber fehlte, war Zeit. Durch das eigene Geschäft waren Vater und Mutter oft beschäftigt, für die Kinder blieb nur der Abend. Vor allem der Vater fehlte dem „Papa­kind“. So entwickelte sich der Neid auf Freundin Bärbel, die pünktlich um fünf daheim sein musste. Als Kind habe sie das als Liebe missinterpretiert erzählt Fleisch, ohne aber den Neid der Freundin zu vergessen, die gerne auch die Freiheit ihrer Freundin Gabi genossen hätte.

„Ich war angekommen“

Davor hatte die gebürtige Götznerin in ihrer Kindheit oft zuhause „Messe“ gespielt, verbunden mit dem Höhepunkt der Kommunion mittels einer Backoblate. Begierig nach der Erfahrung der Hostie, holte sich Fleisch dann im Rahmen einer Schülermesse „die Kommunion ohne Lizenz“, was ihr entsprechenden Ärger mit den Eltern und ihrer geliebten Religionslehrerin einbrachte. Fleisch wurde trotzdem Mitglied der katholischen Jungschar und dort dann in die Theatergruppe „versetzt“. Hier verspürte sie das erste Mal das Gefühl einer Bühne. Noch heute würde sie das Lachen und den Applaus nach dem gespielten Sketch hören. Hier wurde die Götznerin glücklich, das Bühnenfieber hatte sie gepackt: „Ich war angekommen“, wie sie feststellte. Sie wollte mehr und es wurde mehr. Aus dem schüchternen Kind wurde der Pausenclown und später die umjubelte Kabarettistin unter anderem bei „Grüß Gott in Vorarlberg“ oder „Scheffknecht und Breuss“.

Die Bühne war aber mehr für sie und ist es noch heute. Es ist ihr Zufluchtsort, trotz gnadenloser Kritik gibt das Theater Halt und auch Trost für das Leben. Noch heute schickt Fleisch vor einem Auftritt, mit heftig vor Nervosität schlagendem Herzen, einen Wunsch gen Himmel: „Hüt kascht mr abr scho a klä helfa“ ist ihr Anliegen. Seit einiger Zeit ist Fleisch auch als Lektorin in der Kirche tätig, wenn ihr auch manchmal der Humor dort fehlt, getreu ihrem Motto: „Lebe nie, ohne zu lachen, denn es gibt Menschen, die von deinem Lachen leben.“

Die weiteren Fastenpredigten in Götzis finden jeden Sonntag in der Fastenzeit in der Pfarre St.Ulrich um 9 Uhr im Rahmen der regulären Gottesdienste statt. Kommenden Sonntag erzählt Margit Hofer, ehemalige Lehrerin, warum sie vermutet, dass Gott mehr an sie glaubt, als sie an ihn. CEG

„Lebe nie, ohne zu lachen, denn es gibt Menschen, die von deinem Lachen leben.“