Keine Empfehlung für Vitamin D

Gesund / 22.03.2013 • 11:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nach den dunklen Wintermonaten zieht es die Menschen wieder hinaus ans Licht. Foto: vn/steurer
Nach den dunklen Wintermonaten zieht es die Menschen wieder hinaus ans Licht. Foto: vn/steurer

Apotheker sprachen sich bei Tagung gegen eine allgemeine Einnahme aus.

Mangelhaft. In jüngster Zeit ist – wieder einmal – ein Vitamin in „Gesundheits- und Wellness-Mode“ gekommen: das Vitamin D. Es ist wichtig für den Knochenaufbau, ein Mangel dürfte aber auch in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen. „Doch bisher gibt es keine ausreichenden Beweise dafür, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten bei Herzleiden einen eindeutig positiven Effekt hat“, betonte Karin Amrein von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Graz bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

Vitamin D (Calcitriol) wird bei ausreichender Sonnenlichtexposition vom Körper selbst gebildet. Das erfolgt vor allem in den Nieren, aber auch andere Gewebe sind daran beteiligt. In der jüngeren Vergangenheit haben Studien mehrfach belegt, dass viele Menschen eigentlich einen Vitamin-D-Mangel haben. Karin Amrein: „Ein Vitamin-D-Mangel ist sehr häufig, dies vermutlich in erster Linie lebensstilbedingt durch immer weniger Aktivitäten im Freien sowie vermehrten, teils vielleicht sogar übertriebenen Sonnenschutz.“

Dürftige Beweislage

In Deutschland zeigte eine Studie, dass die Hälfte der unter einjährigen Babys ein Vitamin-D-Defizit aufweist. Die Expertin: „In Graz wissen wir aus eigenen Daten, dass weniger als 40 Prozent gesunder Blutspenderinnen einen normalen Vitamin D-Spiegel haben. Bei kritisch Kranken weisen 60 bis 100 Prozent einen Vitamin D-Mangel auf.“

Da es offenbar einen Zusammenhang zwischen solchen Defiziten mit zahlreichen Erkrankungen – vor allem Rachitis, Osteoporose, aber auch Herz-Kreislauf-Leiden – gibt, läge es nahe, das Vitamin in Form von pharmazeutischen Präparaten einzunehmen. Doch die Beweislage ist hier noch dürftig. Amrein: „Einige Studien mit primär muskuloskelettalen Endpunkten (Einfluss auf die Osteoporose) und bis zu 36.000 Teilnehmern konnten bisher jedoch keinen Benefit einer Vitamin-D-Gabe zeigen.“

Während die tägliche Einnahme von Vitamin D und Kalzium seit Langem eine Basis für die Behandlung des krankhaften Knochenabbaus vor allem bei Frauen nach der Menopause darstellt, kann noch nicht zur Vitamin-D-Prophylaxe in Sachen Herzkrankheiten geraten werden. „Derzeit gibt es zu wenig wissenschaftlich untermauerte Hinweise, für eine Vitamin- D-Supplementation in der Primär- oder Sekundärprophylaxe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so Amrein.

Weitere Studien laufen

Unter Primärprophylaxe versteht man die Verhütung von Erkrankungen, unter Sekundärprophylaxe die Verhinderung weiterer Schäden im Rahmen einer Erkrankung.Allerdings laufen derzeit international sehr große Studien mit bis zu 20.000 Teilnehmern, um die offenen Fragen zu prüfen.

Bisher allerdings sind eigentlich alle Versuche fehlgeschlagen, mit Vitamin-Präparaten verschiedenste Erkrankungen zu verhüten.