Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Irgendwie zynisch

Gesund / 09.08.2013 • 11:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wenn es junge Menschen auch nach jahrelangem Lernen kaum wagen, sich vom Rockzipfel der Ausbildner zu lösen, sollten die Alarmglocken nicht nur klingeln, sondern scheppern. Denn dann läuft etwas schief. Wenn also 82 Prozent der Jungmediziner vor allem aufgrund mangelnden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten keine Praxis führen wollen, müsste eigentlich schon der Teufel los sein. Stattdessen wird ein teilweise kleinkariertes Gefecht um die Verantwortlichkeit von Lehrpraxen geführt.

Die SPÖ mokiert sich, weil der Entwurf zur Neuregelung der Ärzteausbildung einzig vom ÖVP zugehörigen Wirtschaftsminister noch nicht unterschrieben sei. Der kontert, dass es der rote Gesundheitsminister ist, der die Versendung zur Begutachtung zurückhält. Gut, es ist Wahlkampf. Wem dieses Hin- und Herschieben letztlich dienen soll, wissen aber vermutlich nicht einmal mehr die Protagonisten in diesem Drama.

Fest steht, dass dem Land die Ärzte ausgehen. In Vorarlberg wurde zumindest das schon früher erkannt. Im Osten brauchte es dazu eine Studie. Wenn jetzt ums Geld gestritten wird, mutet das irgendwie zynisch an. Jahrelang wurde zum „Wohle der Patienten“ aufgerüstet. Da war nichts zu teuer. Doch jetzt geht es an die Substanz. Da ist umdenken angesagt. Heißt es im Leitbild der Medizinunis doch: Heute ist Ziel „der wissenschaftlich und praktisch in der Medizin ausgebildete Arzt, der zur eigenverantwortlichen und selbstständigen ärztlichen Berufsausübung befähigt ist“. Vielleicht würde ja Nachlesen allen Verantwortlichen auf die Sprünge helfen.

marlies.mohr@vn.vol.at