Für mehr Sicherheit auch in der Vertikalen

Gesund / 23.08.2013 • 10:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klettersteige stehen bei Wanderern hoch im Kurs. Ihre Bewältigung ist aber alles andere denn ein Kinderspiel. Foto: alpenverein
Klettersteige stehen bei Wanderern hoch im Kurs. Ihre Bewältigung ist aber alles andere denn ein Kinderspiel. Foto: alpenverein

Zehn Empfehlungen des Alpenvereins zur Benützung von Klettersteigen.

Selbsteinschätzung. Eine realistische Selbsteinschätzung bei der Tourenplanung sei der Schlüssel, betont Bergsportexperte Michael Larcher vom Österreichischen Alpenverein (OeAV). „Wählen Sie für Ihre Tour einen Klettersteig, dem Sie nicht nur gewachsen, sondern dem Sie überlegen sind. Ein Sturz am Klettersteig ist immer ein Unfall, auch mit der modernsten Ausrüstung. Klettersteige begehen ist nicht Sportklettern. Dort gehört Stürzen dazu – Stürze am Klettersteig sind aber aufgrund der vielfältigen Verletzungsgefahr tabu. Das Klettersteigset sollte nicht als Sicherheitsausrüstung gesehen werden, sondern als Notfallausrüstung, die den Totalabsturz verhindert“, erklärt Larcher.

Wettlauf um Rekorde

Vor allem Klettersteige in den höchsten Schwierigkeitsstufen seien derzeit im Trend, laut Larcher gibt es einen regelrechten Wettlauf um den Titel des „schwierigsten Klettersteigs“. Einen weiteren Appell richtet er daher an die Erbauer: „In aller Deutlichkeit: Dieser Wettlauf ist ein grober Unfug, wie überhaupt der Trend zu immer schwierigeren Klettersteigen ein gefährlicher Irrweg ist. Wer die Schwierigkeit in der Senkrechten sucht, der wechsle zum Klettersport. Dort warten derzeit zwölf Schwierigkeitsgrade. Die Zielgruppe für Klettersteige sind nicht vorrangig Kletterer. Es sind die ambitionierten Bergwanderer, die etwas Nervenkitzel und die Luft unter den Sohlen suchen.“

Sicherheit am Klettersteig

Sorgfältig planen! Planung ist der Schlüssel für sichere und genussvolle Touren. Informiere dich genau über Schwierigkeit und Länge, Zu- und Abstieg, Wetter und Verhältnisse.

Das Ziel den persönlichen Voraussetzungen anpassen. Zu hoch gewählte Schwierigkeiten mindern das Erlebnis und können zu gefährlichen Situationen führen.

Vollständige, normgerechte Ausrüstung verwenden: Klettergurt, Klettersteigset und Helm: Nur die konsequente und richtige Anwendung der Ausrüstung ermöglicht eine sichere Begehung von Klettersteigen. Für den Notfall sind Erste-Hilfe-Paket und Mobiltelefon (Euro-Notruf 112) dabei.

Bei Gewittergefahr nicht einsteigen: Blitzschlag bedeutet Lebensgefahr. Regen, Nässe und Kälte erhöhen das Sturzrisiko.

Drahtseil und Verankerungen kritisch prüfen: Steinschlag, Schneedruck, Frostsprengung oder Korrosion können Schäden an der Steiganlage verursachen. Nicht in gesperrte Klettersteige einsteigen.

Partnercheck am Einstieg: Kontrolliert gegenseitig: Gurtverschluss, Verbindung Klettersteigset mit Klettergurt, Helm.

Ausreichende Abstände einhalten: Zwischen zwei Fixpunkten darf nur eine Person unterwegs sein.

Klare Absprache beim Überholen: Kommunikation und Rücksichtnahme verhindern gefährliche Situationen bei Überholmanövern oder Gegenverkehr.

Achtung Steinschlag: Achtsames Steigen verhindert Steinschlag.

Natur und Umwelt respektieren: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften anreisen. Müll und Lärm vermeiden.

Buchtipp

Handbuch Klettersteig – Sicherheit und Taktik auf Eisenwegen

» 3. komplett überarbeitete Auflage

» aussagekräftige Bilder und
Illustrationen, kompakter Text

» Die Klettersteig-Lehrschrift des Alpenvereins informiert über Schwierigkeitsbewertung, Risikofaktoren, Planung, Ausrüstung und Klettersteigtechnik.

» Erhältlich bei den Alpenvereinssektionen oder im OeAVshop auf www.oeavshop.at