Sauerstofftankstellen für Vorarlberg geplant

Gesund / 30.08.2013 • 10:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Wien wurde das Pilotprojekt gut aufgenommen: Dieser Patient befüllt sein Sauerstoffgerät unkompliziert in der Apotheke.
In Wien wurde das Pilotprojekt gut aufgenommen: Dieser Patient befüllt sein Sauerstoffgerät unkompliziert in der Apotheke.

Pilotprojekt für COPD-Patienten wird österreichweit ausgedehnt – drei Stationen im Land.

Sauerstoff. (VN-sas) Rund 400.000 Menschen leiden österreichweit an der Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Die Weltgesundheitsorganisation erwartet, dass die COPD bis zum Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache in den entwickelten Wirtschaftsländern sein wird. Viele Patienten brauchen zum Atmen medizinischen Sauerstoff, der aus mobilen Tanks über die Nase verabreicht wird. Um die Mobilität und die Lebensqualität dieser Patienten zu erhöhen, werden österreichweit bald 26 Sauerstofftankstellen eingerichtet, wo die mobilen Tanks kostenlos aufgeladen werden können.

Auch für Vorarlberg sind drei solcher Sauerstofftankstellen angedacht, wie Vorarlbergs Apothekerkammer-Präsident Jürgen Rehak informiert: „Fix etabliert werden solche Tankstellen in der Bregenzer Stadtapotheke sowie in der Apotheke im Dornbirner Messepark. Auch für Bludenz ist eine Einrichtung vorgesehen – hier ist jedoch noch kein Standort spruchreif“, führt Rehak im VN-Gespräch aus. Er kann das Projekt nur gutheißen, „schließlich geben diese Tankstellen den Patienten die Möglichkeit, ihren Aktionsradius deutlich zu erhöhen“, unterstreicht er. Er freut sich, bis das Projekt in ganz Österreich umgesetzt wird, „in der Testregion Wien hat es sich sehr bewährt“.

Atemnot als Anzeichen

COPD ist eine chronische Atemwegserkrankung. „Die Krankheit äußert sich durch chronischen Husten, häufige Schleimbildung und Atemnot“, erklärt Oberärztin Dr. Sylvia Hartl, Präsidentin der Österreichischen Pneumologischen Gesellschaft. Die chronische Entzündung zerstört dabei die Lungenstruktur, das heißt, dass auch die feinen Lungenbläschen, die den Sauerstoff in den Körper aufnehmen, zerstört werden. Sauerstoff wird aber von allen Organen zum Leben benötigt. Daher kommt es im Lauf der Erkrankung unbehandelt auch zu schweren Folgeschäden an allen Organen, die die Lebenserwartung verkürzen können. „Was in der Regel mit Atemnot beginnt, beeinflusst das Leben zunehmend stärker. COPD führt sehr oft, insbesondere wenn sie nicht rechtzeitig oder nicht angemessen behandelt wird, zu persönlichem Leid, Einschränkungen in der Lebensperspektive, zerstörten Hoffnungen, Depressionen, reduzierter Mobilität, schlechterer Lebensqualität und verkürzter Lebenserwartung“, so Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion.

Nicht heilbar, aber behandelbar

Als chronische Erkrankung ist COPD nicht heilbar, jedoch behandelbar. Das Behandlungsziel besteht darin, das Fortschreiten der Erkrankung zu mindern oder aufzuhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Behandlung erfolgt vorwiegend mittels inhalierbarer Medikamente. Die Früherkennung spielt eine große Rolle, um Folgeschäden zu vermeiden. Man geht davon aus, dass in Österreich mehr als 25 Prozent der über 40-Jährigen von COPD betroffen sind. Besonders dramatisch: Viele leiden an den Folgen, ohne von der Erkrankung zu wissen.

Ab einem gewissen Stadium brauchen manche Patienten reinen Sauerstoff zum Atmen. Unter der dauerhaften Gabe von Sauerstoff kommt es zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, bisweilen sind sogar fast normale körperliche Betätigungen möglich. Vielleicht noch mehr als bei anderen Arzneimitteln steht beim medizinischen Sauerstoff der Faktor Lebensqualität in engem Zusammenhang mit der therapeutischen Wirkung. Durch vermehrte Bewegung wird auch ein Abbau der Muskulatur vermieden.

In der Regel werden die Patienten in ihrer Wohnung mit einem Sauerstofftank versorgt. Um sich jedoch auch außerhalb der Wohnung bewegen zu können, an die frische Luft zu kommen, Einkäufe zu erledigen oder einen Arztbesuch absolvieren zu können, wird ein tragbares Sauerstoffgerät verwendet. Die Tanks dieser Sauerstoffgeräte müssen jedoch aufgrund der geringen Kapazität regelmäßig nachgefüllt werden. „Mehr Sauerstofftankstellen bedeuten mehr Lebensqualität und mehr Mobilität für unsere COPD-Patienten“, fasst Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, zusammen. Die Aktion ist eine Kooperation mit der Österreichischen Lungenunion und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Diese Tankstellen geben den Patienten die Möglichkeit, ihren Aktionsradius deutlich zu erhöhen.

Jürgen Rehak