Weniger Blut und kleinere Narben

Gesund / 18.10.2013 • 11:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
OA Dr. Werner Müller vom LKH Bregenz ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Laparoskopie. Foto: VN/Hofmeister
OA Dr. Werner Müller vom LKH Bregenz ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Laparoskopie. Foto: VN/Hofmeister

Sanfte Methoden haben die Chirurgie zum Nutzen des Patienten verändert.

Feldkirch. (VN-mm) Bildlich und praktisch bekamen die Besucher des Mini Med Studiums vorgeführt, was Laparoskopie und minimal invasive Chirurgie in der Praxis bedeuten. Primar Dr. Etienne Wenzl, Leiter der Chirurgie im LKH Feldkirch, brachte als Anschauungsmaterial eine „Pistole“ mit, die beim Durchtrennen und Verschließen von Gewebe im Körperinneren verwendet wird. OA Dr. Werner Müller, Chirurg im LKH Bregenz, ließ unter anderem Fotos und Filme sprechen. Sie waren zuweilen zwar etwas blutig anzusehen, zeigten jedoch eindrucksvoll, wie sehr sanfte Methoden die Chirurgie vor allem zum Nutzen der Patienten verändert haben. Für die Ärzte selbst bedeuten sie eine lange Lernphase.

Groß gegen Klein

An den Beginn seines Vortrags stellte OA Dr. Werner Müller den Vergleich. Nämlich jenen, was es heißt, einen großen Schnitt oder nur einen kleinen Schnitt zu machen. „In der offenen Chirurgie schneidet der Chirurg alle Schichten der Haut durch“, erklärte Müller. Das heißt, er muss sich zuerst durch Haut, Fettgewebe, Faszien, Muskelgewebe und Bauchfell arbeiten, ehe er im Bauchraum ankommt. Während des Eingriffs halten Haken oder Hände den OP-Bereich offen. Auch die Narbe nach dem Bauchdeckenverschluss fällt bei der offenen Chirurgie entsprechend groß aus. Das wiederum kann zu Wundheilungsstörungen führen.

Anders bei der Laparoskopie. Sie benötigt Schnitte, die oft nur 3 bis 3,6 Zentimeter groß sind. Positiv für den Patienten: Es werden weniger Nerven durchgeschnitten, und es bleiben deutlich kleinere, mitunter sogar kaum sichtbare Narben zurück. Doch es gehe nicht allein um die Ästhetik, so der Bregenzer Chirurg. Auch die nachoperativen Schmerzen sind ein Thema. Kleinere Schnitte machen naturgemäß weniger Probleme.

Durch Studien abgesichert

Die Vorteile der Laparoskopie sind inzwischen auch durch Studien gut abgesichert. „Die Lungenfunktion ist besser, die Infektionsrate geringer, es gibt weniger Verwachsungen im Bauchraum, und der Patient kann das Spital früher verlassen“, listete Werner Müller auf. Im LKH Bregenz, wo die Laparoskopie bereits 1990 Einzug hielt, werden etwa Gallenblasen nur noch laparoskopisch entfernt. „Hier ist diese Technik der offenen Operation klar überlegen“, betonte Müller. Gleiches gilt für Blinddärme und Leistenbrüche. Beim Dickdarm halten sich offene und laparoskopische Methode noch die Waage. Im Zusammenhang mit Darmkrebs gingen die Meinungen lange auseinander. Jetzt scheint klar: Auch in der Tumorchirurgie ist die Laparoskopie eine brauchbare Option. Keine Anwendung findet sie, wenn der Tumor zu groß oder bereits in andere Organe eingewachsen ist und eine ungünstige Lage aufweist. Müller: „Es handelt sich oft um eine individuelle Entscheidung.“

Schwer zu erlernen

In Laufe der Zeit haben die Chirurgen den Nabel als Zugang zum Bauchraum entdeckt. So lassen sich Narben noch besser kaschieren. Immerhin 45 Prozent der Patienten ist ein gutes kosmetisches Ergebnis wichtig, wie eine Umfrage ergab.

Allerdings hat auch die Laparoskopie ihre Grenzen. Eine schwere Herzinsuffizienz, Verwachsungen im Bauchraum von früheren Operationen oder ein ausgeprägter Darmverschluss machen den Einsatz unmöglich. Außerdem ist die Laparoskopie schwer zu erlernen und verursacht höhere Kosten, weil Spezialinstrumente nötig sind und sich die Operationsdauer verlängert. Laut Müller braucht ein Chirurg 30 bis 70 Eingriffe, bis OP-Zeiten und Kosten sinken.

Ebenbürtige Methode

Mit der Brustkorbchirurgie befasste sich Primar Etienne Wenzl in seinem kurzweiligen Vortrag. Auch er demonstrierte anhand von Bildern den Unterschied zwischen großer und minimal invasiver Chirurgie (MIC). „Bei einem Notfall wird das Brustbein immer noch in der Mitte gespalten“, erläuterte Wenzl. Bei geplanten Operationen im Brustkorb kommt hingegen meist die „Schlüssellochchirurgie“ zum Einsatz. Dafür brauche es das neueste Equipment, die Ruhigstellung der Lunge auf der OP-Seite und ein erfahrenes Team.

Diese Voraussetzungen sind in seiner Abteilung im LKH Feldkirch gegeben. So führt Etienne Wenzl bereits drei Viertel der großen Lungenresektionen mittels minimal invasiver Technik durch. Selbst bei Lungenkrebs ist die MIC der offenen Chirurgie ebenbürtig. Thymusentfernungen werden nur noch auf diese Weise behandelt. Gleiches gilt für Tumore an der Speiseröhre.

Für Operateure bedeute das ein Um- und Neulernen. Aber: „Chirurgen müssen bereit sein, eingefahrene Geleise zu verlassen.“ Wobei es in erster Linie um die Vorteile für den Patienten geht, die jenen der Laparoskopie in nichts nachstehen.

Interessierte junge Leute.
Interessierte junge Leute.