Getrübte Urlaubsfreuden durch allerlei Exotisches auf dem Teller

Gesund / 01.08.2014 • 11:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Corrected by Zoli

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Nahrungsmittel-Aller-gien sind zwar eher selten, für Betroffene aber gefährlich.

Wien. Fisch, Meeresfrüchte oder exotische Früchte: Sie gehören zum Urlaub am Meer wie der Sandstrand. Doch Menschen, die auf Bestandteile dieser Delikatessen allergisch reagieren, drohen mitunter heftige Reaktionen. Damit der Traumurlaub nicht zum Albtraum wird: Erste Anzeichen einer Allergie unbedingt beim Arzt austesten lassen und Allergie-Auslöser strikt meiden. Moderne Testmethoden in den österreichischen Allergie-Ambulatorien und -Ambulanzen können einfach, rasch und verlässlich Allergene und deren Gefahrenpotenzial aufzeigen.

Symptome

Pelziges Gefühl auf der Zunge, Juckreiz im Rachen, geschwollene Lippen, juckender Hautausschlag am ganzen Körper, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall: kein schöner Ausklang eines romantischen Dinners am Strand. „Diese Beschwerden sind typische Anzeichen einer Nahrungsmittel-Allergie, bedingt durch eine Überreaktion des Immunsystems auf harmlose Eiweißmoleküle in einem Lebensmittel“, weiß Dr. Daniel Blagojevic, ärztlicher Leiter des Wiener Allergieambulatoriums Rennweg. Und diese kann binnen Minuten bedrohlich werden: „Bereits ein kleiner Bissen kann solche Beschwerden auslösen. Im Extremfall wird auch die Atmung blockiert, der Kreislauf bricht zusammen und es kommt zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock.“

Damit solche Situationen gar nicht erst vorkommen, muss das unverträgliche Lebensmittel strikt gemieden werden. Dazu ist es notwendig den Allergie-Auslöser zu kennen. Blagojevic rät: „Die Diagnose einer Nahrungsmittel-Allergie ist sehr komplex und sollte nur durch einen erfahrenen Spezialisten erfolgen.“ Am Beginn der Allergie-Diagnose stehen das Arztgespräch, das Führen eines Beschwerdetagebuchs und ein Hauttest. Nächster Schritt ist eine Blutuntersuchung. Dabei wird dem Patienten eine kleine Probe entnommen und auf IgE-Antikörper untersucht.

Unterschiedliches Risiko

Mit der Entwicklung der molekularen Allergiediagnostik wurden diese Tests in den letzten Jahren sehr genau. Dabei werden nicht wie bisher die Allergene als Ganzes, sondern nur die relevanten Eiweiß-Moleküle im Blut nachgewiesen. „Die Kenntnis einzelner Allergen-Moleküle in einem Nahrungsmittel eröffnete neue Möglichkeiten in der Diagnose. Ein großes Potenzial der molekularen Testmethoden ist, dass sehr präzise festgestellt werden kann, ob echte Allergien vorliegen, und ob und wie gefährlich sie sind“, so der Allergie-Experte. Dennoch bleibe es wichtig, dass die Testergebnisse gemeinsam mit der Krankengeschichte bzw. mit den Symptomen analysiert würden. Einer Testung sollte immer ein konkreter Verdacht vorausgehen. Manche Allergene werden durch Hitze und die Verdauung zerstört, weshalb sie im gekochten Zustand besser vertragen werden bzw. bleiben die Reaktionen lokal auf den Mund bzw. Magen-Darm-Trakt beschränkt. Besonders widerstandsfähig sind allerdings Nahrungsmittel-Allergene der Lipid Transfer Protein-Familie (LTP).

Sie verursachen milde bis schwere Symptome und haben in erster Linie in Südeuropa Bedeutung. Diese pflanzlichen Nahrungsmittel-Allergene sind vor allem in Rosengewächsen (Apfel oder Pfirsich), aber auch in der Kiwi, Banane, in Zitrusfrüchten oder im Granatapfel zu finden. Bei manchen Menschen kann schon ein kleiner Bissen zu schweren allergischen Reaktionen führen. Bei Kiwis reicht unter Umständen die bloße Berührung für die Entstehung einer Nesselsucht aus. „Mit der molekularen Diagnostik können wir auch solche Hochrisikopatienten von Patienten mit harmloseren Sensibilisierungen (Allergiebereitschaft) besser unterscheiden“, so der Allergologe.

Immer häufiger am Tisch

Fisch und Meeresfrüchte zählen bei Jugendlichen und Erwachsenen zu den häufigsten Auslösern einer Nahrungsmittel-Allergie. Auch sie haben sehr stabile Allergene, die weder durch Erhitzen noch durch Magensäure zerstört werden können. Und sie wachsen sich oft nicht wie etwa eine Milch- oder Eiweiß-Allergie im Laufe der Jahre aus, sondern sind ein lebenslanger Begleiter. 95 Prozent der Fischallergiker reagieren auf Allergene aus der Familie der Parvalbumine, von denen kleine Mengen genügen, um starke Reaktionen auszulösen. Auch Krabben, Hummer, Langusten, Tintenfisch und Garnelen sind starke Allergie-Auslöser. Besonders bei letzteren kann schon der Hautkontakt einen allergischen Schock zur Folge haben. „Heimische Süßwasserfische wie Barsch, Hecht oder Zander sind seltener allergieauslösend als Salzwasserfische, Krusten- und Schalentiere. Obwohl einige Fischallergiker durchaus manche Fischarten vertragen, sollten sie aber unbedingt auf alle Fischprodukte verzichten“, rät Blagojevic.

Heute haben wir die Möglichkeit, rund ums Jahr Lebensmittel aus aller Herren Länder im Supermarkt zu erwerben. Nehmen Allergien gegen Nahrungsmittel dadurch zu? „Bei Kindern konnte europaweit tatsächlich eine generelle Zunahme an Nahrungsmittel-Allergien festgestellt werden. Bei Erwachsenen ist die Häufigkeit mit ein bis drei Prozent seit Jahren relativ unverändert. Es wird aber vermutet, dass durch das veränderte Essverhalten in Zukunft beispielsweise Meeresfrüchte- und Fisch-Allergien auch bei uns vermehrt vorkommen werden“, so der Experte.

Was hat eine Meeresfrucht mit einer Hausstaubmilbe zu tun? Was Latex mit einer Kiwi, Avocado, Banane oder Feige? Ganz einfach: Die allergieauslösenden Proteine sind sich ähnlich. Daher reagieren etwa Milbenallergiker auch bei Genuss einer Garnele mit Beschwerden. „Man nennt das eine Nahrungsmittel-assoziierte oder Kreuz-Allergie“, erklärt Blagojevic. Diese Kreuzreaktionen sind somit die Folge einer schon bestehenden Allergie und meist auch nicht so heftig wie die einer „primären“ Nahrungsmittelallergie.

Allergien müssen auch von den weitaus häufigeren Intoleranzen, das sind Unverträglichkeitsreaktionen gegen Histamin oder Fruchtzucker, abgegrenzt werden. Etwa bereits jeder dritte Österreicher klagt über eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, die nicht immunologisch bedingt ist, sondern meist durch einen Enzymmangel verursacht wird, wodurch Nahrungsmittel-Bestandteile nicht vollständig abgebaut werden können.

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