Belastung durch neurologische Erkrankungen unterschätzt

Gesund / 22.08.2014 • 09:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Gehirn ist die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Funktioniert nur ein Rädchen nicht, kann das bedeutende Auswirkungen haben.
Das Gehirn ist die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Funktioniert nur ein Rädchen nicht, kann das bedeutende Auswirkungen haben.

Alzheimer, Parkinson und Schlaganfälle werden explosionsartig zunehmen.

Rankweil. Entsprechend der Daten des „European Brain Council“ leiden in Europa 220,7 Millionen Menschen an einer neurologischen Erkrankung. Kopfschmerzen führen mit 152,8 Millionen Betroffenen die Liste an, gefolgt von Schlafstörungen mit 44,9 Millionen Menschen, Schlaganfällen mit 8,2 Millionen Betroffenen und Demenzerkrankungen mit 6,3 Millionen Patienten. Die Erkrankungen haben enorme Auswirkungen auf die Betroffenen selbst, aber auch auf deren soziales Umfeld und die Gesundheitssysteme.

„Die Dimension neurologischer Erkrankungen wird aber nach wie vor unterschätzt“, so der belgische Experte Professor Dr. Gustave Moonen. Dabei sollte sie aus seiner Sicht größte gesundheitspolitische Priorität besitzen. Das LKH Rankweil startet im „Jahr des Gehirns“ deshalb eine Vortragsreihe, die am Mittwoch, 27. August, beginnt.

Verlust an Lebensjahren

Neurologische Krankheiten werden angesichts der steigenden Lebenserwartung erheblich an Häufigkeit zunehmen, lauten die Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod kombiniert mit dem „Verlust“ an Lebensjahren durch Behinderung aufgrund neurologischer Erkrankungen dürfte laut WHO von derzeit rund 95 Millionen bis 2030 auf 103 Millionen steigen. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 9 Prozent. Verantwortlich hierfür sind insbesondere die Alzheimer-Krankheit und weitere demenzielle Erkrankungen, die bis 2030 um 37 Prozent zunehmen dürften, aber auch zerebrovaskuläre Erkrankungen, bei denen eine Steigerungsrate von 13 Prozent erwartet wird.

Bereits jetzt belasten neurologische Erkrankungen die Gesundheits- und Sozialsysteme in hohem Maße. Laut den vom European Brain Council publizierten Zahlen schlagen sie in den europäischen Volkswirtschaften – eingeschlossen sind in die Berechnung die 27 EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen und Island – mit Gesamtkosten von rund 336 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche. „Erwartungsgemäß steht die Demenz bei den Krankheitskosten an erster Stelle. Sie verursachte 2010 in Europa Kosten von 105,2 Milliarden Euro“, erklärte Professor Jacques L. De Reuck aus Gent.

Gefordert ist nach seinen Worten nicht nur die Gesundheitspolitik, sondern auch die Wissenschaft. Denn trotz bedeutsamer Fortschritte der Gehirnforschung in den vergangenen Jahrzehnten sind noch viele Fragen ungeklärt. „Um der wachsenden Last neurologischer Erkrankungen angemessen zu begegnen, bedarf es eines gut abgestimmten Generalkonzepts für Grundlagenforschung und klinisch-angewandter Forschung mit guter Vernetzung auf europäischer Ebene“, sagt Professor Moonen. „Davon wie auch von der länderübergreifenden Kooperation bei Studien und klinischen Prüfungen sind Fortschritte bei der Behandlung der Patienten zu erwarten“, so Professor De Reuck.

Programm

» Termin: 27. August 2014, 19 Uhr

» Ort: Mehrzwecksaal LKH Rankweil

» Referenten: Primar Dr. Stefan Koppi zum Thema „Migräne und andere anfallsartige Kopfschmerzen. Wie diagnostizieren? Wie hilft die moderne Medizin?“; DGKS Monika Rainer zum Thema „Sauerstofftherapie bei Kopfschmerzen?“

» Moderation: VN-Redakteurin Marlies Mohr

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