Chance auf Therapie nutzen

Gesund / 14.11.2014 • 10:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Primar Heinz Drexel referierte einmal mehr vor einem vollen Saal. Herzinfarkt und Schlaganfall bewegt die Menschen.  Fotos: vN/Hofmeister
Primar Heinz Drexel referierte einmal mehr vor einem vollen Saal. Herzinfarkt und Schlaganfall bewegt die Menschen. Fotos: vN/Hofmeister

Oft verstreicht noch zu viel Zeit vom Krankheitsbeginn bis zur Behandlung.

Feldkirch. (VN-mm) „Ist ein Schlaganfall von Schmerzen begleitet?“, fragte ein Mini Med-Zuhörer. „Nein, leider!“, war Primar Philipp Werner versucht, zu antworten. Er beließ es beim „nein, ein Schlaganfall tut nicht weh“. Das „leider“ schickte er dennoch erklärend hinterher. „Würde ein Hirninfarkt, wie ein Herzinfarkt, Schmerzen verursachen, kämen die Betroffenen viel schneller in ärztliche Behandlung“, begründete er das „leider“. Zwar können bei einem Schlaganfall, aber auch bei Herzinfarkt, Diagnose und Therapie heutzutage sehr schnell gestellt bzw. eingeleitet werden.

Bis zum Eintreffen des Patienten geht aber immer noch viel zu oft viel zu viel Zeit verloren. Doch: Je länger zugewartet wird, umso weniger kann eine Therapie noch ausrichten.

Gefäßnotfälle

Es waren eindrückliche Worte, die Primar Heinz Drexel und Primar Werner Philipp an die Besucher im vollbesetzten Panoramasaal des LKH Feldkirch richteten. Zeit ist nicht immer nur Geld, wie der Volksmund oft sagt. Zeit ist vor allem Leben, besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall. Nicht umsonst stehen sie an der Spitze der häufigsten Todesursachen. Bei beiden Erkrankungen ist Zeit dann Leben, wenn Beschwerden plötzlich und an bestimmten Stellen auftreten und dann über einen gewissen Zeitraum anhalten.

Primar Heinz Drexel, Leiter der Internen Abteilung im Landeskrankenhaus Feldkirch, erläuterte, wann bei einer Atherosklerose, also einem Gefäßverschluss, der durch Cholesterin verursacht wird, die Alarmglocken schrillen sollten. „Symptomatisch sind Brustkorbschmerzen, Schmerzen im linken Arm, im Oberbauch, im linken Halsbereich sowie im Unterkiefer bis hinauf zum Mund“, listete er auf. Hingegen haben Schmerzen vom Bauchnabel abwärts und im Kopf nichts mit einem Herzinfarkt zu tun. Auch die Schmerzdauer ist ein wichtiger Orientierungspunkt. Drexel: „Halten die Schmerzen zwanzig Minuten bis zwei Stunden an, sofort den Arzt rufen.“ Keine Herzinfarkt-Sorgen müssen Schmerzen im Sekundenbereich machen oder wenn sie viele Stunden, Wochen oder gar Monate dauern.

Deutlich verbessert haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Herzinfarkt. Starb früher jeder vierte Patient, so überleben heute drei von vier Patienten. Dazu tragen besonders cholesterinsenkende Medikamente und die Gefäßöffnung mittels Katheter bei.

Hohe Pflegebedürftigkeit

Beim Schlaganfall ist die Situation insofern eine andere, weil diese Erkrankung sehr oft in die Pflegebedürftigkeit führt. „16 Prozent der Betroffenen sind Langzeitinvalide“, verdeutlichte Primar Werner Philipp, Leiter der Stroke Unit. In Vorarlberg erleiden jährlich etwa 1000 Personen einen Schlaganfall. „Aufklärung ist uns daher ein besonderes Anliegen“, sagte Philipp. Er warnte auch davor, ein „Streiferle“ als unwichtig abzutun. Denn: „Der Unterschied zu einem vollen Schlaganfall liegt nur in der kürzeren Beschwerdedauer.“ Vor allem steigt danach das Risiko für einen Schlaganfall.

Typische Ausfälle bei einem Schlaganfall sind Lähmungserscheinungen im Gesicht und an Händen sowie Seh-, Sprach- und Gangstörungen. Treten diese Symptome auf, heißt es sofort handeln und die Notrufnummer 144 wählen. Die Auflösung des Gerinnsels ist die einzige zur Verfügung stehende Therapie. „Da sind die ersten 3 bis 4 Stunden entscheidend. Geben Sie uns diese Chance“, lautete der eindringliche Appell des Neurologen. Später kann nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden.

Vorsorgen gegen Herzinfarkt und Schlaganfall lässt sich mit einem gesunden Lebensstil.